aktualisiert am 16-Mai-2012

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Gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und das Thüringer Ministerium für Soziales, Familie und Gesundheit im Rahmen des Bundesprogramms “TOLERANZ FÖRDERN - KOMPETENZ STÄRKEN“.
     
Kein „Rock für Deutschland“? Gera ändert Nutzungssatzung des Veranstaltungsgeländes  
  Endstation Rechts vom 16.05.2012  
 
Das Open Air Festival „Rock für Deutschland“ hat sich zu einer festen Institution im Kalender eines jeden musikliebenden Neonazis entwickelt. Der zehnten Auflage, die diesen Jahr wieder in Gera stattfinden soll, möchte der Stadtrat nun einen Riegel vorschieben.
Längst gehört das „Rock für Deutschland“ zu den am besten besuchten Rechtsrock-Konzerten in Deutschland. Hunderte Neonazis finden sich in der thüringischen Stadt Gera ein, um den hasserfüllten Texten bekannter Neonazi-Bands und den Hetzreden führender Kader zuzuhören. Ohnehin gehört der Freistaat zu den beiebtesten Orten rechtsextremistischer Konzertveranstalter. Mit dem Eichsfeldtag versucht nun auch Thorsten Heise, ehemaliges Mitglied im NPD-Bundesvorstand, seinen eigenen Event hochzuziehen. Bislang aber mit vergleichsweise geringem Erfolg.
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Für den 7. Juli diesen Jahres haben die Organisatoren das „10. Rock für Deutschland“ unter dem Motto „Europas Zukunft liegt in Deutschland und nicht im Euro“ angemeldet. Das aktuelle Line-Up sieht derzeit fünf Bands vor: „Max Resist“, „Oidoxie“, „Tätervolk“. „Word of Anger“ und „Exzess“. Die Rednerliste ließt sich wie ein „who is who“ der NPD. Neben dem Ex-Bundeschef Udo Voigt (auf der offiziellen Internetseite als „Udo Vogt“ beworben), sind auch der amtierende Parteivize Karl Richter sowie der frisch gebackene thüringische Landesvorsitzende, der vorbestrafte Neonazi Patrick Wieschke, angekündigt.
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  Der vollständige Text ist hier zu lesen.  
     
Bericht der Schäfer-Kommission – Konsequenzen nicht nur bei Behörden nötig  
  15.05.2012  
 
Die Mobile Beratung in Thüringen (MOBIT) mahnt anlässlich des heute Vormittag vorgestellten Abschlussberichts der Schäfer-Kommission, Konsequenzen aus den Taten des NSU sich nicht auf Gesetzesreformen, neue behördliche Richtlinien, engere Vernetzung von Behörden und Dienststellen etc. zu beschränken. Die Schäfer-Kommission untersuchte etwaige Beziehungen des Neonazitrios zu staatlichen Behörden und bewertete deren Tätigkeiten. Damit darf sich die Gesamtbetrachtung der Ereignisse jedoch nicht erschöpfen. Es ist augenfällig, dass defizitäre Zustände verändert werden müssen. Betrachtet werden müssen ebenfalls das Umfeld und die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, in denen sich diese extrem rechte Zelle bilden konnte.
Die Mobile Beratung fordert daher,
1. dass Neonazismus in seinen unterschiedlichen Facetten nicht immer wieder verharmlost wird. Behörden, Verwaltungen und Polizeidienststellen dürfen nicht länger von jugendlichen Verfehlungen ausgehen, sondern müssen die tödliche Dimension von Rassismus ernst nehmen. Nach Zahlen der Amadeu-Antonio-Stiftung ist seit 1990 von 182 Toten durch Neonazis auszugehen. Die Opfer der Jenaer/Zwickauer Gruppe sind ein Teil davon.
2. dass endlich die über viele Jahre gewachsene lokale und regionale Expertise der demokratischen Zivilgesellschaft mit einbezogen wird. Bei den Bürgerinitiativen und Bündnissen gegen Rechtsextremismus existiert eine breite Handlungskompetenz. Die Bekämpfung des Rechtsextremismus/Neonazismus darf nicht ausschließlich der Analyse und den Befugnissen von Polizei, Justiz und Verfassungsschutz überlassen bleiben. Das Versagen im Zusammenspiel genannter Institutionen ist heute belegt worden.
3. auf die sogenannte „Extremismus-Klausel“ zu verzichten. Akteure gegen Neonazismus müssen ihre Verfassungstreue versichern und sollen Erkundigungen über ihre Kooperationspartner einholen. Dabei verteidigen gerade sie die demokratischen Werte. Dieser Bekenntniszwang ist überflüssig. Stattdessen braucht es Vertrauen staatlicher Stellen gegenüber demokratischer Zivilgesellschaft!
 
     
Bunte Zivilgesellschaft demonstriert gegen NPD-Parteitag in Haselbach  
  12.05.2012  
 
Im kleinen Dorf Haselbach, zugehörig zur Gemeinde Oberland am Rennsteig im Landkreis Sonneberg, demonstrierten am heutigen Vormittag ca. 80 Menschen gegen den NPD Landesparteitag.
Als am Freitag, den 11.05. nachmittags langsam bekannt wurde, dass die thüringische NPD kurzfristig ihren Landesparteitag in das Kulturhaus in Haselbach verlegen würde, fanden sich schnell Engagierte aus der Region, um gegen die NPD auch im beschaulichen Haselbach Gesicht zu zeigen. Die meisten Demonstrationsteilnehmenden kamen zumeist aus der Region, jedoch wurden sie auch von den Bürgerbündnissen gegen Rechtsextremismus aus Kirchheim und Weimar unterstützt. Vertreter der evangelischen Kirche, von SPD, der Linken, der DKP, den Grünen und der CDU beteiligten sich ebenso.
In Großschwabhausen, wo der NPD-Landesparteitag ursprünglich stattfinden sollte, ließen sich die Einwohner ihr geplantes Fest für Demokratie nicht nehmen, denn für demokratische Werte einzutreten war ihnen auch ohne die NPD wichtig. Hier beteiligten sich ca. 70 Menschen.
„Profitieren konnten die spontan Engagierten aus dem Landkreis Sonneberg nicht nur von einer funktionierenden Solidarität der zivilgesellschaftlichen Bündnisse untereinander, sondern auch vom vorhandenen Know-how und bereits angefertigten Transparenten.“ erklärt Stefan Heerdegen, Berater bei der Mobilen Beratung in Thüringen (MOBIT). „Der NPD konnte deutlich werden, dass selbst wenn sie noch sich noch so abgelegene Orte für ihre Veranstaltungen sucht, ihr antidemokratisches und fremdenfeindliches Tun niemals unwidersprochen hingenommen werden wird.“
 
     
Neonazi Patrick Wieschke neuer NPD-Chef in Thüringen  
  Endstation Rechts vom 13.05.2012  
 

Die Delegierten des Landesparteitages der Thüringer NPD wählten gestern erwartungsgemäß den vorbestraften NPD-Organisationsleiter Patrick Wieschke an die Spitze ihres Verbandes. Da auch der bundesweit bekannte, ebenfalls mehrfach vorbestrafte Neonazi Thorsten Heise zukünftig Führungsverantwortung tragen wird, unterstrich die Gliederung ihre Zugehörigkeit zum radikalen Parteiflügel.
Überraschungen gab es gestern keine auf dem Landesparteitag der thüringischen NPD. Die Delegierten wählten Patrick Wieschke, Bundesorganisationsleiter der Partei und Landes-Vize, zum neuen Chef ihres Verbandes. Wieschke hatte keinen Gegenkandidaten. In seiner Rede soll der neue Landesvorsitzende laut Parteiinformationen seine Gefolgschaft auf die Landtagswahlen 2014 eingeschworen und die vorläufige Finanzplanung des Verbandes vorgestellt haben.
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  Der vollständige Text ist hier zu lesen.  
     
Oberverwaltungsgericht untersagt NPD-Parteitag bei Jena  
  MDR vom 09.05.2012  
 
Der für Sonnabend geplante Landesparteitag der Thüringer NPD in Großschwabhausen findet nicht statt. Das Oberverwaltungsgericht entschied am Mittwoch, die Gemeinde bei Jena sei nicht verpflichtet, ihr Dorfgemeinschaftshaus der rechtsextremen Partei zur Verfügung zu stellen. Damit widersprachen die Richter dem Weimarer Verwaltungsgericht, das zuvor anderslautend entschieden hatte.
Die obersten Thüringer Verwaltungsrichter verwiesen zur Begründung auf die Nutzungsordnung für das Gemeinschaftshaus. Danach hätten "nicht ortsansässige politische Parteien und Gruppierungen kein Recht auf Benutzung". Zwar habe der Gemeinderat die Nutzungsordnung in dieser Form erst am 19. April beschlossen. Die "Regelungsabsicht" habe jedoch bereits nach einem CDU-Parteitag 2009 bestanden, ihre Umsetzung habe sich lediglich wegen einer Verhinderung des Bürgermeisters "infolge eines Unfalls hingezogen".
Unterdessen haben mehrere Bürgerinitiativen gegen Rechtsextremismus sowie der Evangelische Kirchenkreis Jena für den Sonnabend zu friedlichen Protestaktionen aufgerufen. Mit einer Kundgebung solle zugleich an den Todesmarsch von Häftlingen aus dem KZ Buchenwald vor 67 Jahren erinnert werden. In dem Aufruf heißt es, die NPD verharmlose die Verbrechen des Nationalsozialismus und betreibe offen nationalistische und rassistische Hetze. Am Donnerstag ist in der Kirche von Großschwabhausen zudem ein Friedensgebet geplant.
 
     
Ausstellung "Nach den Rechten schauen"  
 

Von den Einstellungsmustern in der Bevölkerung bis zur rechten Infrastruktur werden unterschiedliche Facetten des vielschichtigen Themas Rechtsextremismus in der Ausstellung beleuchtet. Insbesondere im Bundesland Thüringen zeigt sich das breite Spannungsfeld zwischen Nazi-Rock und rechtsextremen Mandatsträgern.
Eine Ausstellung erstellt von MOBIT (Mobile Beratung in Thüringen. Für Demokratie - gegen Rechtsextremismus); veröffentlicht in Kooperation mit der Offenen Arbeit des Evangelischen Kirchenkreises Erfurt.

Erfurt | Michaeliskirche | 07. bis 30.05.2012 | Di – Sa 11 – 16 Uhr

 
     
Friedlicher Protest gegen Rechtsrock-Festival  
  MDR vom 05.05.2012  
 
Mehrere hundert Bürger haben am Sonnabend gegen eine Großveranstaltung der NPD protestiert. Ein breites Bündnis aus Kirchen, Parteien, Initiativen und Gewerkschaften hatte aufgerufen, Flagge zu zeigen gegen Neonazismus und Menschenfeindlichkeit. Unter anderem hatte auch Sozialministerin Heike Taubert ihre Teilnahme angekündigt.
Bereits am frühen Nachmittag nahmen 150 Personen an einer Demonstration des Linke-Jugendverbandes Solid teil. Nach einem Gottesdienst in der St.-Bonifatius-Kirche versammelten sich am frühen Abend noch einmal ähnlich viele zu einer zweiten Demonstration. Nach Angaben der Polizei blieb die Lage bis zum späten Abend ruhig. Zuvor hatte sich Landrat Werner Hennig im Kreistag gegen den Missbrauch der Begriffe Eichsfeld, Heimat und Heimattag durch die rechtsextreme Partei verwahrt. Er verwies auf die Unvereinbarkeit des NPD-Gedankengutes mit den traditionellen Werten der christlich verwurzelten Bevölkerung des Eichsfelds und forderte den NPD-Abgeordneten Thorsten Heise auf, die Veranstaltung abzusagen. Die Linke-Landtagsfraktion warnte, es bestehe die Gefahr, dass sich in Thüringen eine weitere Großveranstaltung der NPD und freier Kräfte etabliert. Auch der Beratungsdienst Mobit erklärte, solche Events dienten der rechten Szene sowohl zur ideologischen Festigung als auch zum Gewinnen neuer Anhänger.
Die NPD hatte zu einem sogenannten "Eichsfelder Heimattag" mit Volksfest und rechten Rockbands geladen. Bis zum späten Nachmittag versammelten sich knapp 700 Menschen auf dem Veranstaltungsgelände. Am Abend fand noch ein Konzert mit mehreren Hundert Teilnehmern statt. Am Freitag war das Eichsfelder Landratsamt mit dem Versuch gescheitert, die Veranstaltung zu verbieten. Sowohl das Verwaltungsgericht als auch das Oberverwaltungsgericht in Weimar erklärten, es seien keine Gründe erkennbar, die Veranstaltung zu untersagen. Die rechte Gesinnung der Teilnehmer reiche dafür nicht aus, hieß es mit Verweis auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts. Die NPD hat bereits zum zweiten Mal in Leinefelde zu einem Rechtsrock-Festival aufgerufen. Den ersten "Eichsfeldtag" hatte sie im vergangenen September organisiert.
 
     
Thorsten Heise und die NPD fordern Demokraten im Eichsfeld heraus  
  03.05.2012  
 

Am kommenden Samstag, den 05.05.2012 plant die NPD im Eichsfeld zum zweiten Mal eine als Familienfest getarnte RechtsRock-Großveranstaltung. Die Veranstaltung heißt in diesem Jahr "Eichsfeldtag", nachdem sie im vergangenen Jahr noch "Eichsfelder Heimattag" hieß. Die Verbotsverfügung der Ordnungsbehörde des Eichsfeldkreises vom 27.04.2012 wurde vom zuständigen Verwaltungsgericht in Weimar am 02.05.2012 gekippt.
Nach eigenem Bekunden des NPD-Kreisverbands Eichsfeld richtet sich die Veranstaltung an "Freie Nationalisten" und Parteifreunde. Thorsten Heise, wahrscheinlich die treibende Kraft hinter der Anmeldung, demonstriert damit einmal mehr wofür er steht. Heise, der die NPD auch im Kreistag vertritt, hatte sich seit den 1990er Jahren als einer der bundesweit bekanntesten wichtigsten Kameradschaftsführer profiliert. Deshalb war er von 2004-2011 im NPD-Bundesvorstand für die enge Anbindung der neonazistischen und militanten "Freien Kameradschaften" an die NPD zuständig. Auch im Geschäft mit RechtsRock mischt Heise weit vorn mit. Nur wenige Rechtsextremisten in Deutschland sind wie er in der Lage, NPD-Parteiarbeit mit den Kameradschaften und der subkulturellen extrem rechten Szene authentisch zu verzahnen.
Seine weitreichenden Kontakte in die Neonazi-Musikszene ermöglichen ihm bundesweit bekannte RechtsRockbands wie "Tätervolk", "Sturmtrupp", "Timebomb" oder der "Lunikoff-Verschwörung" einzuladen. Insbesondere die "Lunikoff-Verschwörung" mit ihrem wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vorbestraften Frontmann Michael Regener dürfte für einigen Zulauf zum "Eichsfeldtag" sorgen. Regener genießt einen Märtyrerstatus innerhalb der Neonaziszene, nachdem er drei Jahre und vier Monate wegen der explizit volksverhetzenden Texte seiner Vorgängerband "Landser" inhaftiert war. Michael Regener ist auch NPD-Mitglied. Daneben sind mit Dr. Pierre Krebs (Thule-Seminar), Udo Voigt (ex. NPD-Bundesvorsitzender), Patrick Wieschke (NPD-Bundesorganisationsleiter), Matthias Fiedler (NPD Eichsfeld) und Thorsten Heise selbst Redner angekündigt.
Mit solchen neonazistischen Großveranstaltungen versucht insbesondere die thüringische NPD öffentlichen und gesellschaftlichen Raum einzunehmen. "Der extremen Rechten aus NPD und freien Kameradschaften darf es nicht gestattet werden, ihre menschenverachtenden und verfassungsfeindlichen Ideen unwidersprochen in die Öffentlichkeit zu tragen" warnt Fabian Wagner von der Mobilen Beratung in Thüringen (MOBIT). "Solche Events dienen der Szene sowohl zur ideologischen und sozialen Festigung, als auch zur Gewinnung neuer Anhänger".
Katja Fiebiger ebenfalls von MOBIT lobt die demokratische Gegenwehr: "Schon im vergangenen Jahr haben viele Eichsfelder nicht einfach weggesehen, sondern Gesicht gegen den "Eichsfeldtag" gezeigt." Die Verbotsverfügung des Landratsamtes in diesem Jahr wertet Fiebiger ebenfalls als ein deutliches Zeichen gegen neonazistisches Raumgreifen. "Damit mittelfristig die extrem rechte Szene die Lust an solchen Veranstaltungen verliert, müssen Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft gemeinsam alle ihre Möglichkeiten ausschöpfen, um solche demokratie- und menschenfeindlichen Umtriebe zu verhindern." so Fiebiger.

 
  Informationen zum „Eichsfeldtag“ der NPD am 05.05.2012  
     
Demonstrationen Protest gegen Neonazi-Veranstaltung in Weimar
 
 
MDR vom 1. Mai 2012
 
 
Mehrere Hundert Menschen haben am Dienstag in Weimar gegen einen Aufmarsch von Rechtsextremen in der Stadt protestiert. Sie beteiligten sich an Kundgebungen an mehreren Stellen im Stadtgebiet, zu denen Parteien, Kirchen, Gewerkschaften und andere Organisationen aufgerufen hatten. Schwerpunkt der Aktionen war das Areal am Hauptbahnhof. Dort hatten sich nach Angaben der Polizei rund 200 Neonazis versammelt. Mehrere Sitzblockaden von Gegen-Demonstranten wurden von der Polizei aufgelöst.
Eine von den Neonazis angemeldete Demonstration durch die Stadt hatte die Kommune verboten. Das Verwaltungsgericht Weimar bestätigte die Entscheidung am Montag. Zur Begründung hieß es, dass mehrere der von den Anmeldern benannten Ordner einschlägig vorbestraft sind, unter anderem wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung und Brandstiftung. Eine von dem Gericht genehmigte Kundgebung am Bahnhofsvorplatz wurde jedoch am Dienstag von Weimars Oberbürgermeister Stefan Wolf untersagt. Er begründete seine Entscheidung mit der nicht ausreichenden Zahl von Ordnern. Daraufhin löste die Polizei die Kundgebung auf.
Wolf nannte die Entscheidung des Verwaltungsgerichts vom Montag ein ermutigendes Signal, dass sich der Kampf gegen Rechtsextremismus lohne. Mehrere Redner auf Gegendemonstrationen erklärten, dass der 1. Mai als Tag der Arbeit nicht für rechtsextreme Zwecke instrumentalisiert werden dürfe.
Nach der Auflösung ihrer Kundgebung in Weimar fuhren rund 80 Neonazis nach Erfurt. Dort genehmigten ihnen die Behörden nach Angaben der Polizei eine gut zweistündige Veranstaltung auf dem Bahnhofsvorplatz. Auch hier gab es Proteste gegen die Rechtsextremen.
 
     
Neonazi-Schießübungen amtsbekannt  
  Ostthüringer Zeitung vom 29.04.2012  
 
Der Thüringer Verfassungsschutz und das Landeskriminalamt wussten spätestens seit 1996 vom Waffentraining auf einem Gelände bei Kahla. Nicht zuletzt deshalb, weil auch der V-Mann Tino Brandt daran teilnahm.
Erfurt/Kahla. Der Thüringer Verfassungsschutz und das Landeskriminalamt (LKA) haben Kenntnis von Schießübungen der rechtsextremen Jenaer Kameradschaft gehabt.
Das geht aus LKA-Unterlagen hervor, die dem MDR Thüringen in Kopie vorliegen. Danach trafen sich seit dem Frühsommer 1996 Neonazis aus Jena und Saalfeld regelmäßig auf einem Gelände bei Kahla. Die Polizei kannte das Grundstück spätestens seit dem 28. Juli 1996, als sie alarmiert wurde, weil es Streit zwischen den Rechtsextremisten und Anliegern gegeben hatte. Laut MDR wurde die Polizei mehrfach gerufen und soll auch regelmäßig vor Ort Streife gefahren sein.
Die Polizei Jena hielt in ihren Akten fest, dass das Gelände von Tino Brandt gepachtet worden sei, und die Jugendlichen alle der rechten Szene zuzuordnen seien. Brandt war damals schon V-Mann des Verfassungsschutzes. Die Pacht soll an den Besitzer des Grundstücks, den früheren NPD-Funktionär Peter Dehoust aus Coburg, geflossen sein.
Dehoust sagte dem MDR Thüringen, er habe das 2180 Quadratmeter große Gelände "auf Bitten von Tino Brandt" Mitte Juli 1996 für 1500 Mark gekauft. Brandt habe ihm gesagt, er wolle das Gelände, um dort mit jungen Leuten "Zeltlager und Sonnenwendfeiern" zu veranstalten. Eine Pacht habe Brandt nicht gezahlt, sagte Dehoust. Was Brandt auf dem Gelände veranstaltet habe, darüber hätten sie nie gesprochen. Was umso mehr verwundert, da Brandt lange Zeit in Dehousts Verlag in Coburg arbeitete.
Im Oktober 1997 interessierte sich das LKA für den Treff. Ermittelt wurde wegen des Verdachts der Androhung einer Straftat. Das Berggrundstück machte auf die Ermittler einen verwahrlosten Eindruck. Sie fanden Essensreste, Schießscheiben und Einschüsse, die nach ihrer Einschätzung von einem Luftgewehr stammten. Hinweise auf Straftaten fanden sich nicht. Zeugen erzählten, dass sich die Gruppe regelmäßig auf dem Gelände traf.
Mitte Oktober 1997 beobachtete einer der Anwohner, dass die Gruppe mit einer Langwaffe hantierte und offenbar Schießen übte. Auf Fotos identifizierten die Zeugen unter anderem Tino Brandt sowie "mit großer Sicherheit" den langjährigen Leiter der Jenaer Kameradschaft Andre K. und Uwe Böhnhardt. Dessen Auto wurde in der Nähe des Geländes fotografiert. Den Erinnerungen von Anwohnern nach dauerten die Treffen der Neonazis bis etwa ins Jahr 2000.
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Freies Netz Süd bald verboten? Landtag stimmt geschlossen für Antrag der BayernSPD  
  Endstation Rechts vom 27.04.2012  
 
Das bayernweit agierende neonazistische Kameradschaftsnetzwerk „Freies Netz Süd“, kurz FNS, soll verboten werden. Einen entsprechenden „Dringlichkeitsantrag“, der von allen Fraktionen des Landtags gemeinsam angenommen worden war, hat die BayernSPD am Donnerstag, den 26. April, offiziell gestellt.
Wie die Internetseite nordbayern.de berichtete, könnte dem neonazistischen Kameradschaftsnetzwerk „Freies Netz Süd“ (FNS) bald ein Verbot drohen. Im FNS sind bayernweit zahlreiche Neonazi-Kameradschaften vernetzt, der Verfassungsschutz geht laut nordbayern.de von rund 20 aus. Ein entsprechender Dringlichkeitsantrag der BayernSPD, wonach ein Verbot des FNS geprüft werden soll, könnte nun aber womöglich das Ende des FNS bedeuten. Geschlossen haben alle im Landtag vertretenen Parteien den Antrag der BayernSPD angenommen.
Außerdem soll auch ein Verbot von den „FNS-Mitgliederorganisationen“ in Betracht gezogen werden. Darunter fallen alle Kameradschaften, die aktiv im FNS vernetzt sind. Dazu zählt beispielsweise auch die „Bürgerinitiative soziales Fürth“, die dem FNS ebenfalls zuzurechnen sein dürfte. So schätze sie die BayernSPD aktuell als „Tarnorganisation des FNS“ ein, so nordbayern.de in seinem Text.
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Schlappe für Schröders Extremismusklausel  
  Publikative.org vom 25.04.2012  
 
Schwere Schlappe für Familienministerin Kristina Schröder. Das Verwaltungsgericht Dresden hat der Klage gegen die Extremismusklausel stattgegeben.
Damit gaben die Richter dem Alternativen Kultur- und Bildungszentrums, Akubiz, Pirna recht. Dieses hatte dagegen geklagt, die “Demokratieerklärung” zu unterzeichnen, was aber Voraussetzung für eine Förderung geworden ist. Wegen der grundsätzlichen Bedeutung des Verfahrens ließ das Gericht allerdings eine Berufung beim Sächsischen Oberverwaltungsgericht zu.
Doch schon jetzt sind die Extremismus-Ritter aus Sachsen und in Berlin bis auf die Knochen blamiert, denn eins ist klar: Die Klausel ist rechtlich mindestens umstritten – dementsprechend sagte Timo Reinfrank von der Amadeu Antonio Stiftung, das Urteil stärke die Zivilgesellschaft. Kristina Schröder habe sich – trotz zahlreicher Gutachten, die bereits gezeigt hatten, dass diese Erklärung rechtlich höchst fragwürdig ist – “beratungsresistent” gezeigt, sagte Reinfrank.
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Experten greifen Politiker bei NSU-Untersuchungsausschuss an  
  Thüringer Allgemeine vom 24.04.2012  
 
Wegschauen und ein Verharmlosen der rechtsextremen Szene, das war am Montag der zentrale Kritikpunkt in der Expertenanhörung des NSU-Untersuchungsausschusses im Thüringer Landtag. Mehrere Betroffene und Zeugen warfen gut zwei Monate nach der Konstituierung des Gremiums den Thüringer Behörden jahrelanges Versagen beim Kampf gegen die Neonazis und ihre Strukturen im Freistaat vor.
Vor allem in den ersten zehn Jahren nach der Wende sei viel Vertrauen in die Demokratie verspielt worden, hieß es. So hätten Polizei und Staatsanwaltschaft rechtsextreme Tatmotive immer wieder ignoriert, betonte Christina Büttner von der Mobilen Opferberatung (Ezra). Der DDR-Bürgerrechtler Konrad Weiß erläuterte, dass es auch in der DDR Fremdenfeindlichkeit gab und sich bereits dort konspirative und militante rechtsextreme Strukturen gebildet hätten, die dann schnell aktiv geworden wären.
Ab 1990 entstanden mit der Anti-Antifa und dem Thüringer Heimatschutz (THS) rechtsextreme Strukturen. Der THS soll bundesweit die erste straff organisierte Neonazi-Kameradschaft gewesen sein. Zu den Mitgliedern gehörten unter anderem Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos sowie Beate Zschäpe, die zum rechtsterroristischen Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) gezählt werden.
In den Anfangsjahren waren vor allem Jena, die Saalfeld-Rudolstadt aber auch Gera Zentren rechtsextremer Aktivitäten. Mehrere Betroffene erzählten anschaulich, wie beispielsweise ein Landrat in der Region Saalfeld-Rudolstadt 1997 alle Parteien und viele Organisationen schriftlich aufforderte, an einer Demonstration gegen Neonazis nicht teilzunehmen. Er warnte davor, so erst rechtsextreme und linksextreme Gewalttäter in die Region zu locken.
Ovidio Almonacid Cerda, dessen Eltern in den 70er-Jahren aus Chile in die DDR gekommen waren, erzählte, wie er in der DDR und später auch in Thüringen in der Region um Bad Blankenburg immer wieder Opfer fremdenfeindlicher und rassistischer Beschimpfungen aber auch von Übergriffen wurde. Als er gemeinsam mit Freunden versuchte, gegen die Neonazi-Umtriebe eine Demonstration zu organisieren, seien sie in der Stadtverwaltung auf Ablehnung getroffen und als "Nestbeschmutzer" kritisiert worden. Eine Erfahrung, von der immer wieder berichtet wurde.
Erst bei einer solchen Haltung in den Verwaltungen könnten sich "Neonazis wirklich als legitime Akteure des Volkswillens fühlen", kritisierte der junge Mann die Behörden. Dieses Agieren sei lange Zeit durch das "Gespenst der akzeptierenden Jugendarbeit" unterstützt worden. Bis zur Jahrtausendwende wurde wegen fehlender Alternativen mit rechtsextremen Jugendlichen in Deutsch- land, auch in Thüringen, kaum kritisch gearbeitet. Sozialarbeiter setzten sich dabei nur selten mit den Anschauungen ihres Klientels auseinander.
Die Vertreter der Mobilen Beratung "Mobit" erinnerten daran, dass sie im Freistaat über Jahre nur durch Bundesmittel finanziert wurden, weil die Landesregierung als einzige bundesweit bis 2007 nicht bereit war, dafür einen eigenen finanziellen Beitrag zu leisten. Thüringen habe lange Zeit in der rechtsextremen Szene den Ruf gehabt, ein Bundesland zu sein, in dem von staatlicher Seite kaum Repressalien drohen, sagte Matthias Müller von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus in Berlin.
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Das Nazi-Netzwerk hinter dem Terror-Trio  
  DasErste.de vom 20.04.2012  
 

Die drei Jenaer Bombenbastler Uwe Mundlos, Beate Zschäpe und Uwe Böhnhardt radikalisierten sich Ende der 90er Jahre als Teil einer ohnehin "hochexplosiven" Neonazi-Szene, die gekennzeichnet war von Wehrsport und Waffenlagern. Sie zählten nach Einschätzung des LKA Thüringen 1998 zum "harten Kern der Blood & Honour-Bewegung", eines äußerst militanten rassistischen Netzwerkes, welches 2000 vom Bundesinnenministerium verboten wurde. Ihr Abtauchen glich einer Kampfansage an das verhasste demokratische "System". Mundlos, Zschäpe und Böhnhardt waren schon damals keine harmlosen Mitläufer mehr. Beschlagnahmte Devotionalien belegten: Die Drei waren ideologisch gefestigt, gefährlich kreativ und gut organisiert. Dennoch hinterließen sie zahlreiche Spuren und Hinweise auf ihr Unterstützernetzwerk.
Der Ordner trägt die Aufschrift "Kofferbombe". Darin befindet sich das Asservat 23.6.: Eine Telefonliste mit etwa 35 Namen sowie Notizzettel mit Adressen bundesweit aktiver Neonazis. Nach den Hausdurchsuchungen beim Jenaer Trio Ende Januar 1998 scheint diese Akte in den Kammern des thüringischen Landeskriminalamtes verstaubt zu sein. Heute lesen sich die notierten Namen nahezu wie ein "Who-is-who" konspirativer Komplizen und Kontaktleute. Das LKA ordnete die persönlichen Daten damals Uwe Mundlos zu, bewertete sie aber insgesamt als "für das hier geführte Ermittlungsverfahren ohne Bedeutung". Dabei tauchten darin allein schon zehn Namen aus Chemnitz auf, darunter ein führender Kopf der Blood & Honour-Sektion Sachsen, ein einflussreicher Szenehändler und eine stadtbekannte Neonazi-Aktivistin.
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Braune Umtriebe im Fokus  
  Neue Presse Coburg vom 14.04.2012  
 
Die Ausstellung "Nach den Rechten sehen" informiert über braune Umtriebe zwischen Nazi-Rock und NPD-Mandat. Zu sehen ist sie bis zum Nächtliche "Heil Hitler!"-Rufe, Rechtsrock-Hasstiraden, die nächtens lautstark aus offenen Autoscheiben wummern, Aufkleber mit Aufschriften wie "Nationaler Widerstand" oder "Kein Fußbreit den Antideutschen" - all das gibt es auch in Sonneberg und Umgebung. Und das seit Jahren. Und es wird nicht weniger, sondern mehr. Auch nach den Vorfällen um die Zwickauer Terrorzelle. So wurde erst im Februar in der Stadt ein Flugblatt einer Gruppierung, die sich "Wolfsrudel Sonneberg" nennt, gestreut, in dem "Linke" in einen Topf mit "Drogenhändlern" geworfen werden.
Die Wanderausstellung im Landratsamt in Sonneberg versammelt auf zwölf Schautafeln Infos zu Einstellung und Verhalten, Strukturen und Strategien der rechtsextremen Szene im Freistaat. Sie informiert aber auch über die Entwicklung und Wahlergebnisse der NPD, über Rechtsrock und andere rechte Erlebniswelten, über Versandhandel und Geschäfte, die Kleidung und Devotionalien unter bekennende und heimliche Szene-Anhänger bringen. Zudem geht es ums Bestreben der Rechtsextremen, breite Kreise der Bevölkerung für sich einzunehmen - um den "Kampf um die Köpfe und um die Straße".
Auch Sonneberg taucht in der Schau auf - zum Beispiel im Zusammenhang mit Hausdurchsuchungen wegen Verdachts der illegalen Fortführung eines Neonazi-Netzwerks bzw. mit der Rechtsrock-Band "Unbeliebte Jungs" (Sonneberg/Suhl; früher Volksverhetzer" beziehungsweise "Sturmangriff"). Der Text ihres gewaltverherrlichenden Hass-Songs "Blutrausch" hat inzwischen Eingang in Standard-Publikationen über Rechtsrock gefunden.
In Thüringen wird laut Auswertung bekannt gewordener Auftritte durchschnittlich jedes zweite Wochenende ein Rechtsrock-Konzert veranstaltet. Mit Blick auf diese, aber auch auf Veranstaltungen wie das "Fest der Völker" oder den "Thüringen-Tag der nationalen Jugend" gab Stefan Heerdegen von MOBIT zu bedenken: "Nur in Thüringen gibt es diese Dichte und diese Konstanz bei rechtsextremistischen Events." Heerdegen, der auch einer der Ausstellungsmacher ist, nutzte seine Rede zur Eröffnung der Schau auch dazu, um auf versteckte Codes und Symbole der Szene hinzuweisen.
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NPD darf Gemeindesaal von Großschwabhausen benutzen
 
 
Thüringer Allgemeine vom 12.04.2012
 
 

Die NPD Thüringen darf gegen den Willen der Gemeinde am 12. Mai dieses Jahres ihren Landesparteitag in Großschwabhausen ausrichten. Das Verwaltungsgericht Weimar gab jetzt einem Eilantrag der Partei statt, hierfür den örtlichen Gemeindesaal nutzen zu können.
Ausgerechnet an seinem Geburtstag erreichte Großschwabhausens Bürgermeister Hans-Jürgen Schaffarzyk am Mittwoch die Nachricht über den Gerichtsbeschluss. "Bisher habe ich aber erst telefonisch über unseren Anwalt davon erfahren. Gesehen hab ich den Beschluss noch nicht", so Schaffarzyk.
Bereits im Februar war es, dass die Gemeinde erstmals mit dem Termin-Begehren konfrontiert wurde. Von einem Parteitag sei anfangs aber ebenso wenig die Rede gewesen wie von der NPD, versicherte Schaffarzyk. Vielmehr habe es sich um eine Eisenacher Firma gehandelt, die telefonisch den Wunsch an die Gemeinde gerichtet hatte, den Saal in Großschwabhausen für den 12. Mai anzumieten. Mit Computer-Freunden wolle man hier eine sogenannte LAN-Party veranstalten. Etwa hundert Leute würden erwartet, alle mit Laptops ausgestattet, gab der Bürgermeister die damalige Anfrage wieder.
Da der potenzielle Mieter der Gemeinde nicht bekannt war, hatte der Bürgermeister das betreffende Unternehmen gebeten, den Antrag schriftlich zu formulieren. Prompt kam ein Fax. Worauf die Gemeinde in gutem Glauben bestätigte, dass ihr Saal für den 12. Mai noch nicht vermietet sei. Um den Vertrag perfekt zu machen, sollte der Antragsteller allerdings persönlich vorbei schauen und den Personalausweis vorlegen.
"Es dauerte zwei Minuten, als uns ein weiteres Fax erreichte. Nun schrieb die Eisenacher Firma, dass sie von dem Termin zugunsten der NPD und ihres Landesparteitages zurücktritt", so Schaffarzyk. Kurz darauf habe die NPD selbst ihre Ansprüche für den 12. Mai in Großschwabhausen angemeldet.
Gegenüber dem Landesverband der Partei merkte die Gemeinde allerdings an, dass es mit einem Kaninchenzüchter-Verein aus Jena einen weiteren Miet-Interessenten gebe, der an jenem Tag den Gemeindesaal nutzen wolle. Und diesem Mietgesuch habe man stattgegeben.
Mit dieser Antwort gab sich die NPD nicht zufrieden. Sie sei unglaubwürdig, und man wolle bis zum 9. März einen Mietvertrag vereinbart haben. Andernfalls bemühe man juristische Wege. Statt eines Vertrages verfasste die Gemeinde einen ablehnenden Bescheid. Der Adressat stellte einen Eilantrag ans Verwaltungsgericht in Weimar.
In ihrem Beschluss vom 4. April ordnete die Kammer der Gemeinde Großschwabhausen einstweilig an, dem Antragsteller den Saal zur Verfügung zu stellen. Das Gericht berief sich dabei auf Paragraph 5 des Parteiengesetzes. Darin heißt es: "Wenn ein Träger öffentlicher Gewalt den Parteien Einrichtungen zur Verfügung stellt oder andere öffentliche Leistungen gewährt, sollen alle Parteien gleichbehandelt werden." Und da im Gemeindesaal von Großschwabhausen unter anderem bereits der Kreisverband der CDU tagen konnte, müsse dieses Recht auch der NPD eingeräumt werden.
Bürgermeister Schaffarzyk will nun klären, ob die Gemeinde Rechtsmittel gegen den Gerichtsbeschluss einlegen kann.

 
     
Mobit: Polizisten ungenügend auf Rechtsextremismus vorbereitet  
  Ostthüringer Zeitung vom 12.04.2012  
 

In ihrem Alltag werden sie häufig mit rechtem Gedankengut oder rechtsextremistisch motivierten Straftaten konfrontiert. Doch wie gut vorbereitet sind Polizisten und Lehrer darauf? Beim Blick auf die Aus- und Weiterbildungssituation deutet sich vor allem bei den Polizeibeamten ein durchwachsenes Bild an.
"Rechtsradikale und ihr Gedankengut sind immer schwerer zu erkennen", sagt etwa der Sprecher der "Mobilen Beratung in Thüringen für Demokratie gegen Rechtsextremismus" (Mobit), Stefan Heerdegen. "Wir haben nicht den Eindruck, dass alle Polizisten ausreichend auf die Erscheinungsformen der Neuen Rechten vorbereitet sind." Die Mobit-Mitarbeiter seien seit Jahren unter anderem damit beschäftigt, mit den alten Klischees über Glatzköpfe und Bomberjacken aufzuräumen.
"Diese Erkennungsmerkmale gehören der Vergangenheit an", sagt Heerdegen. Rechtsextremisten seien stets bemüht, sich einen seriösen Anstrich zu geben. Mit immer neuen Strategien versuchen sie, sich in der Gesellschaft zu verankern wie etwa durch die Unterwanderung von Vereinen oder die Veranstaltung scheinbar harmloser Feste.
Anwärter für den mittleren Polizeidienst im Freistaat werden derzeit laut Innenministerium in zwölf Übungseinheiten im Thema Rechtsextremismus geschult. Im Polizei-Studium sind es 95 Einheiten, die sich allerdings sehr umfassend mit Extremismus, Terrorismus, Menschenwürde und Ausländerfeindlichkeit beschäftigen. Das Erkennen von Rechtsextremisten werde durch Planspiele geübt, die vor allem auf Einsatzerfahrungen beruhten, sagt Ministeriumssprecher Stephan Hövelmans.
Das sei zu wenig, kritisiert Mobit-Experte Heerdegen. Embleme und Strategien der Neuen Rechten seien vielen Beamten unbekannt. So würden Gruppen wie die "Autonomen Nationalisten", die rein optisch den Linksautonomen ähnelten, häufig dem falschen politischen Spektrum zugeordnet. Auch die Existenz der Beratungsstelle Mobit sei vielen Einsatzkräften kein Begriff.
Zwar lobt das Innenministerium die "vielfältige Zusammenarbeit zwischen Polizei und lokalen Bündnissen gegen Rechtsextremismus". Doch ausgerechnet bei Mobit, einer der profiliertesten Beratungsstellen im Land, ist dieses Interesse noch nicht angekommen. Es habe noch keine offizielle Anfrage der Polizei bei Mobit gegeben, sagt Heerdegen.
Zwar gebe es durchaus Polizisten, die Beratungsangebote nutzten. Doch diese Beamten machten das nur aus Eigeninitiative. Überhaupt sei eine Weiterbildung auf diesem Gebiet sehr stark vom eigenen Engagement der Beamten abhängig. Einer Ankündigung von Polizei-Oberen im Jahr 2007, bei der Weiterbildung von Polizisten auf die Dienste der Experten von Mobit zurückgreifen zu wollen, seinen bisher ebenfalls keine Taten gefolgt, sagt Heerdegen. Dass es auch anderes geht, zeigt die Lehreraus- und weiterbildung.
Jährlich werden vom Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (Thillm) mehr als 100 Veranstaltungen angeboten, die das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchteten, sagt Thillm-Sprecher Rigobert Möllers. Das Interesse variiere. Ähnlich wie an den Universitäten werde Rechtsextremismus in Ausbildungsfächern wie Ethik, Demokratiepädagogik, Geschichte oder politische Bildung aufgegriffen. In Projekten beispielsweise würden Lehrer gefilmt und im Anschluss mit ihren eigenen Vorteilen konfrontiert.
Ebenso wichtig sei es jedoch, die Wirksamkeit der Kurse zu überprüfen, sagt Möllers. Dafür müssten vom Berufsanfänger bis zum Schulleiter alle Mitarbeiter an einer Schule eingebunden werden. Ein Ziel, dass in Thüringer Schulen in den kommenden Jahren noch stärker in den Fokus genommen werden müsse. Nur so könne sichergestellt werden, dass der Einzelne im Alltag auf auftretende Erscheinungsformen des Rechtsextremismus angemessen reagieren könne.

 
     
NPD-Kreistagsabgeordneter greift Nordhausens Oberbürgermeisterin an  
  03.04.2012  
 
Beim jährlichen Gedenken an die Bombardierung Nordhausens kam es zur massiven Einschüchterung durch die regionale Neonazi-Szene und zu Übergriffen. Anwesend war neben NPD-Kreistagsabgeordneten von Nordhausen und Sondershausen, Roy Elbert und Patrick Weber eine Gruppe von 20-30 Personen aus dem Umfeld von NPD und der gewaltbereiten Gruppierung „NDH-City“. Bei dieser Gruppierung handelt es sich um eine Mischgruppierung aus örtlicher Neonazi und Hooligan-Szene.
Trotz eines starken Polizeiaufgebots bei der Veranstaltung kam es von Anfang an zu Provokationen. So wurde beispielsweise versucht Vertreter und Vertreterinnen des Nordhäuser Bürgerbündnisses durch einen Fotograf der extrem rechten Szene ein zu schüchtern. Auch eine Mitarbeiterin und ein Mitarbeiter der Mobilen Beratung in Thüringen (MOBIT) wurden beleidigt und körperlich angegangen. Als Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD), wie im Vorfeld angekündigt, dem NPD-Mandatsträger Elbert den Gedenkkranz zurückgeben wollte, griff dieser Frau Rinke so massiv an, dass die Polizei ihn unter erheblicher Gewaltanwendung in Gewahrsam nehmen musste. Parallel wurden die anwesenden Neonazis gegenüber der Zivilgesellschaft handgreiflich. Beobachtet wurde sogar, wie ein Neonazi einer Frau in den Bauch schlug. Mit dieser gefährlichen Situation waren die Polizeikräfte offensichtlich überfordert. Erst nachdem der Kranz der NPD wieder am Gedenkstein lag und Elbert von der Polizei abtransportiert worden war, beruhigte sich die Situation langsam. Zur Stunde tauschen sich Nordhäuser Neonazis via Twitter über die gemachten Poraitfotos der demokratischen Zivilgesellschaft aus.
„Die Zivilgesellschaft hat sich großartig verhalten.“ schätzt Katja Fiebiger von MOBIT ein. „Sie hat ein deutliches Zeichen gegen die versuchte Vereinnahmung des Gedenkens durch der Neonazis gesetzt und verdient größten Respekt, sich diesen aggressiven Leuten entgegengestellt zu haben.“
Fabian Wagner (MOBIT) kommentiert: „Die Vorkommnisse in Nordhausen heute Vormittag belegen einmal mehr, dass der Kurs der NPD nach biederer lokalpolitischer Verankerung in Stadt- und Kreisparlamenten reine Fassade ist. Gezielte Provokationen wie diese heute bedienen ihre neonazistische Wählerschaft und zeigen deutlich auf, wie gefährlich diese Szene ist.“ Der NPD geht es nicht um Teilhabe am demokratischen Prozess. Sie verachtet die Demokratie und greift ihre Vertreter an.
 
     
Sprengstoff, Pistolen, Granaten - Waffen der Zwickauer Terrorzelle  
  Thüringer Allgemeine vom 01.04.2012  
 

Sie horteten kiloweise Sprengstoff, handelten mit Maschinenpistolen und Handgranaten und planten Anschläge mit Rohrbomben: Ende der 1990er und Anfang der 2000er Jahre deckte sich nicht nur das Terrortrio des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) mit Waffen und explosiven Materialien ein.
Berlin. Auch andere Neonazis rüsteten auf. Einem vertraulichem Bericht des Bundesamtes für Verfassungsschutz zufolge stellten Sicherheitsbehörden von 1997 bis Ende 2003 bei Rechtsextremisten in 114 Fällen Waffen, Munition oder Sprengstoff sicher. Der Bericht stammt aus dem Jahr 2004 und verdeutlicht die Militanz der Szene. Er liegt der Öffentlichkeit nun vor.
Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe - die erst mit ihrem Auffliegen im November vergangenen Jahres als mutmaßliche Rechtsterroristen bekannt wurden - ist in dem 47 Seiten starken Bericht ein 35-Zeilen-Abschnitt gewidmet. Darin heißt es, seit ihrer Flucht hätten sich "keine Anhaltspunkte für weitere militante Aktivitäten" ergeben. Damit bestätigt sich, dass die Sicherheitsbehörden die mutmaßlichen Serienmörder nach ihrer Flucht zwar im Blick hatten, ihre Gefährlichkeit aber unterschätzten.
Trotz der aufgelisteten Funde von Waffen bei anderen Neonazis schätzte die Behörde die Terrorgefahr von rechts seinerzeit als gering ein: "Derzeit sind in Deutschland keine rechtsterroristischen Organisationen und Strukturen erkennbar", hieß es. Bestrebungen von Einzeltätern oder Kleinstgruppen, insbesondere 1999 und 2000, hätten die Behörden "frühzeitig aufgedeckt und zerschlagen, noch bevor eine ernsthafte Gefährdung entstehen konnte". "Exekutivmaßnahmen" hätten eine "erhebliche abschreckende Wirkung" erzielt.
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  Der vollständige Text ist hier zu lesen.  
     
Generalverdacht für demokratisches Engagement beenden - Website "Extrem Demokratisch.de" ans Netz gegangen  
  07.03.2012  
 

DGB-Jugend, Bildungs- und Beratungsinitiativen in Hessen und Thüringen haben sich zur "Plattform Extrem Demokratisch" zusammengeschlossen. Der Grund ist die verpflichtende "Demokratieerklärung" in den Förderprogrammen des Bundesfamilienministeriums. Die Plattform fordert, die Extremismusklausel abzuschaffen und demokratische Beteiligung nicht weiter zu verhindern. Holger Kindler von der DGB-Jugend: "Demokratie muss täglich gelebt und gelernt werden und lässt sich nicht mit einer Unterschrift beweisen."
Die Plattform wirbt für mehr demokratisches Engagement. Der Generalverdacht der Extremismusklausel verunsichere Organisationen und Initiativen und verhindere somit demokratische Beteiligung. "Gegen die Ausbreitung von Neonazis sind viele Menschen aktiv. Sie brauchen dabei Unterstützung und dürfen keine neuen Steine in den Weg gelegt bekommen, indem wir sie vorher vom Verfassungsschutz überprüfen lassen müssen", ergänzt Fabian Wagner von der Mobilen Beratung in Thüringen (MOBIT e.V.) die gemeinsame Kritik an der Extremismusklausel.
"Völlig absurd" findet Max Molly, Jugendbildungsreferent bei "Arbeit und Leben Hessen", dass antirassistische Bildungs- und Kulturarbeit ihre Demokratietauglichkeit beweisen muss: "Die Extremismusklausel schafft so ein Klima des Misstrauens innerhalb dieser Projekte, was jeglichen pädagogischen Ansätzen widerspricht."
Die "Plattform Extrem Demokratisch" selbst bietet Bildungs- und Diskussionsveranstaltungen Vorträge und Projekttage an, die über die Extremismusklausel aufklären und das Extremismusdenken hinterfragt, das ihr zugrunde liegt. Die neue Website klärt über die Extremismusklausel auf und vernetzt betroffene und politisch interessierte Initiativen. Motivkarten, die für ein breiteres Demokratieverständnis werben, stehen zum Download bereit.
Seit 2010 verlangt das Bundesfamilienministerium in seinen Förderprogrammen die Unterschrift einer "Demokratieerklärung". Projektverantwortliche verpflichten sich und alle Kooperationspartner auf die Einhaltung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Im Zweifel sollen sie den Verfassungsschutz hinzuziehen um die politische Einstellung aller an einem Projekt Beteiligten zu überprüfen.
Nach Einführung der Extremismusklausel haben mehrere juristische Gutachten ihre Verfassungsmäßigkeit angezweifelt. Ungeachtet breiter Kritik aus Parteien und Verbänden setzte Bundesfamilienministerin Kristina Schröder ihre Praxis fort. So mussten auch der DGB für Netzwerk für Demokratie und Courage Hessen und die Mobile Beratung in Thüringen für Demokratie - gegen Rechsextremismus (MOBIT e.V.) eine Unterschrift leisten zur finanziellen Förderung aus dem Bundesprogramm "Toleranz fördern - Kompetenz stärken".

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