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mitteilungen - artikel
Auch in Thüringen gibt es "Angsträume"
23.05.2006
 

Auch in Thüringen haben die Äußerungen des ehemaligen Bundesregierungssprechers Uwe-Kasten Heye zu einer Auseinandersetzung mit rechtsextremen Straftaten geführt. Vor allem wurde diskutiert, ob es in Thüringen sogenannte "no-go-areas" gibt.

Matthias Müller von der Mobilen Beratung in Thüringen (MOBIT) äussert sich wie folgt dazu:

"Es gibt auch in Thüringen Orte und Plätze, in denen Nicht-Deutsche, Menschen mit Migrationshintergrund, Asylbewerber oder alternativ gekleidete Jugendliche Angst haben. Dabei geht es nicht immer um die Angst zusammengeschlagen zu werden. Im Vorfeld gebe es bereits ein breites Spektrum von alltäglichen Beleidigungen und Niederträchtigkeiten wie Blicke, Beschimpfungen und Ausgrenzungen. Die Angst dieser Menschen ist real, muss ernst genommen und ausgesprochen werden."

"Obwohl es diese Angsträume aus Sicht der potentiellen Opfer gibt, ist der Begriff "no-go-areas" problematisch. Denn er suggeriere, dass es in allen anderen Gebieten für diese Menschen sicher sei. Dies ist jedoch nicht der Fall, denn es kann überall zu verbalen oder körperlichen Angriffen kommen, wenn rassistisch eingestellte Menschen auf potentielle Opfer treffen."

"Solange wir nicht offen über diese Angsträume sprechen, werden wir sie nicht überwinden. Zu oft wird die Bedrohung durch den Rechtsextremismus klein geredet, um einen Imageschaden zu verhindern. Gleichgültigkeit fördert die Dominanz der Rechtsextremen in Städten und Kommunen Thüringens. Um die potentiellen Opfer zu schützen, können alle Menschen etwas tun, indem sie beispielsweise rassistischen Äußerungen widersprechen, sich einmischen anstatt wegzuhören und wegzusehen. Auch sollten Politik, Polizei, Behörden und Zivilgesellschaft sich für ein Klima der Anerkennung einsetzen, in dem Minderheiten nicht als Fremde stigmatisiert und ausgegrenzt werden."