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mitteilungen - artikel
Pößnecker Schützenhaus nicht länger in der Hand von Neonazis
08.06.2011

Wie heute aus der Ostthüringer Zeitung zu erfahren war, hat die Stadt Pößneck das Schützenhaus nach über sieben Jahren zurück gekauft. Für 180.000€ war der bisherige Eigentümer, die extrem rechte Wilhelm-Tietjen-Stiftung für Fertilisation Ltd. (Sitz in London) bereit, dieses Filetstück im Zentrum Pößnecks zu verkaufen.

Zwar hatte besagte Stiftung die Immobilie schon im Dezember 2003 erworben, jedoch rückte sie erst mit dem NPD-Landesparteitag am 02. April 2005 und dem angeschlossenen RechtsRock-Konzert der Band "Lunikoff Verschwörung" ins öffentliche Bewusstsein. Vor mehr als 1000 Neonazis zeigte sich der Kopf der Band Michael Regener (vorher "Landser") das letzte Mal in Freiheit, bevor er für zwei Jahre und zehn Monate wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung (§ 129 StGB) in Haft musste. Danach wurde eine Nutzung schwierig. Der im Oktober 2009 verstorbene Jürgen Rieger, der damals auch Verwalter der Tietjen-Stiftung gewesen war, hatte ursprünglich beabsichtigt, das Gebäude für NPD-Parteiveranstaltungen, rechte Konzerte, revisionistische Themenabende und auch als Wohnort für Neonazi-Kameraden zu nutzen. Jedoch gelang es der Stadt Pößneck, die meisten Veranstaltungen zu untersagen. Am 12. September 2009 fand im Hof der weitläufigen Immobilie das vierte "Fest der Völker" mit weniger als 500 Besuchern statt.

"Natürlich ist es zu begrüßen, dass die neonazistische Szene nun eine Immobilie weniger nutzen kann. Ebenso, dass die Tietjen-Stiftung letztlich ein sattes Minus mit dem Geschäft gemacht hat." kommentiert Stefan Heerdegen von der Mobilen Beratung in Thüringen (MOBIT). Weiter: "Allerdings steht der chronisch klammen Szene nun wieder eine Barschaft von 180.000€ zur Verfügung." Doch auch ohne dieses repräsentative Domizil kann die extrem rechte Szene Thüringens für Veranstaltungen auf Räumlichkeiten zumindest in Bad Langensalza und Kirchheim zurück greifen. Darüber hinaus gelingt es ihr auch immer wieder andere Räumlichkeiten anzumieten. Allerdings bleibt die extrem rechte Szene in Pößneck und der Region vom Verkauf des Schützenhauses unberührt. Beatrice Preiser vom sich gerade konstituierenden Bürgerbündnis in Pößneck erklärt: "Natürlich werden wir unsere Arbeit gegen alle Erscheinungsformen des Rechtsextremismus fortsetzen. Diese Notwendigkeit bleibt. Allerdings überwiegt heute die Freude, der Szene eine wichtige Basis für ihre Aktivitäten entzogen zu haben."