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mitteilungen - artikel
10. "Thüringentag der nationalen Jugend", ein Neonazi-Event in Sondershausen
04.06.2011

Aus Sicht der Zivilgesellschaft und der Behörden, die ihr möglichstes getan haben, den 10. "Thüringentag der nationalen Jugend" zu verhindern oder zumindest zu erschweren war der heutige 04.06. ein Tag mit Licht und Schatten.
In einer differenzierten Betrachtung muss nochmals betont werden, dass es ein ermutigendes Signal ist, dass es erstmals einer couragierten Versammlungsbehörde mit Rückendeckung des gesamten Landratsamtes gelungen ist, eine Veranstaltung wie den nationalistischen "Thüringentag" aus ihrem Kreis heraus zu halten. So konnten die Nordhäuser und die Unterstützer und Unterstützerinnen aus ganz Thüringen in Nordhausen zufrieden die Veranstaltungen besuchen, die ursprünglich als Gegenaktionen geplant worden waren.
Unterstützung erhielten sie dabei auch von der Thüringer Sozialministerin Heike Taubert, die sowohl auf der Kundgebung des Bündnisses gegen Rechtsextremismus Nordhausen, wie auf dem zentralen Straßenfest vor dem Rathaus sprach. Auch die MdLs Franka Hitzing (FDP), Egon Primas (CDU), Birgit Keller (DIE LINKE) und Dirk Adams (GRÜNE) besuchten die Gegenveranstaltungen.
Allerdings gab es auch Provokationen und Einschüchterungsversuche von Anhängern der gewaltaffinen Hooligan-Gruppe "NDH-City" und den Autonomen Nationalisten Nordthüringen. Ein Anhänger im "NDH-City"-Anhänger filmte ungeniert die Bündnis-Kundgebung auf dem Bahnhofsvorplatz, Bilder von Gegen-Rechts-Engagierten wurden im Internet veröffentlicht, ein Tweet der Autonomen Nationalisten lautete: "keine Angst, wir haben noch mehr Material
von Euch, sogar ein Video mit Nahaufnahme. Passt auf euch auf."
Der "Thüringentag der nationalen Jugend" konnte indes in einem Gewerbegebiet Sondershausens stattfinden. Die neonazistischen Besucher und Besucherinnen aus ganz Deutschland sowie Österreich hatte zwar rigide Vorkontrollen durch ein massives Polizeiaufgebot zu bestehen, jedoch stellten viele der mindestens 600 Neonazis ihre Gesinnung recht offen zur Schau. Während viele Tattoos und auch der Zahlencode 88 (für "Heil Hitler") überklebt werden musste, gingen dennoch viele T-Shirts mit eindeutigen Aufdrucken durch. Einige Neonazis waren zudem mit ihren Kindern angereist. Für sie stand eine Hüpfburg bereit.
Sicherlich werden die Organisatoren das erste der drei Neonazi-Open-Airs in diesem Sommer als Erfolg verkaufen. Nicht zuletzt, weil die Teilnehmerzahlen für knapp 10000€ Einnahmen für die Kreisverbände Sondershausen und Nordhausen gesorgt haben dürften. "Dieser "Thüringentags der nationalen Jugend" zeigt, dass die Attraktivität der alljährlichen Thüringer Neonazi-Events nicht in jeden Fall gelitten hat. Mit den richtigen Bands und Rednern wird sich Thüringen wohl weiter als das bundesdeutsche Festival- und Erlebnisland behaupten können." erklärt Stefan Heerdegen, MOBIT-Berater. "Auch für die kommenden Events in Gera, das "Rock für Deutschland" am 06.08. und der "Eichsfeldtag" in Leinefelde am 03.09. sind für die Szene interessante Bands und Redner angekündigt. Nach den im Jahr 2009 verlorenen Landtagswahlen scheint für die NPD derzeit die Pflege der Neonazisubkultur Priorität zu haben."