|
Die Mobile Beratung in Thüringen (MOBIT) zählt
seit 2007 jährlich die Konzertaktivitäten der rechtsextremen
bzw. neonazistischen Szene in Thüringen. Auch im Jahr 2010
konnten wieder insgesamt 27 Konzerte belegt werden. Im einzelnen
handelt es sich um 18 RechtsRock-Konzerte in geschlossenen Räumen,
sechs Liederabende sowie drei "Open Airs" (Kundgebungen
mit Festivalcharakter). In den vergangenen vier Jahren sind die
Konzertzahlen allgemein und "Open Airs" als Sonderkategorie
weitgehend konstant geblieben. Einzig das Aufkommen an Liederabenden
zeigt eine gewisse Schwankung zwischen 3 und 7 Konzerten jährlich.
Ebenso war die Stilvielfalt im Bereich extrem rechter Musik auch
in 2010 zu beobachten. Es fanden eher kleiner gehaltene Liederabende,
NS-Black-Metal- und NS-Hatecore-Konzerte, "klassische"
Rock-Against-Communism- (RAC) Konzerte sowie das hinlänglich
bekannte Format der Konzerte im öffentlichen Raum ("Open
Airs") statt. Bei diesen Kundgebungen nach dem Versammlungsrecht,
die aber faktisch eher als Festivals wahr genommenen werden, ist
eine differenzierte Entwicklung zu beobachten.
Während der "Thüringentag der nationalen Jugend"
im vergangenen Jahr in Pößneck eine Blamage mit gerade
einmal ca. 100 Teilnehmenden war, wurde das "Fest der Völker"
2010, ehemals das größte Neonazi-Event in Thüringen
und ebenfalls für Pößneck angemeldet, gänzlich
abgesagt.
Andererseits gelang es dem "Bündnis Zukunft Hildburghausen",
einer Abspaltung der NPD, ein Neonazifest auf dem Hildburghäuser
Marktplatz zu organisieren. Das sogenannte "Rock für Deutschland"
in Gera, das seit 2003 jährlich von einem NPD-Stadtrat organisiert
wird und lange Zeit wenig im öffentlichen Fokus stand, konnte
auch im Jahr 2010 eine Teilnehmerzahl von deutlich über eintausend
verbuchen. Der gewachsene Widerstand der Geraer und der regionalen
Zivilgesellschaft nach mind. 4000 Neonazis in 2009 sollte hierbei
aber auch nicht unerwähnt bleiben.
Beim Thema Veranstaltungsorte für RechtsRock-Konzerte ist ein
gewisser Trend zu beobachten. Während in 2007 und 2008 noch
in 17 bzw. 19 verschiedenen Orten Thüringens einzelne Konzerte
organisiert worden waren, ging diese Anzahl in den letzten beiden
Jahren auf 13 (2009) bzw. 10 (2010) deutlich zurück. Bei einem
unveränderten Anzahl von RechtsRock-Konzerten bedeutet dies
eine Konzentration auf einzelne Veranstaltungsorte. Hierbei ist
besonders die "Erlebnisscheune" in Kirchheim in den letzten
zwei Jahren zum Brennpunkt geworden. 2009 und 2010 fanden hier je
neun Konzerte statt.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass:
1. die rechtsextreme bzw. neonazistische Szene unverändert
über Konzerte versucht, Interessenten zu werben sowie für
gefestigte Szenegänger und -gängerinnen attraktiv zu bleiben,
2. die Szene mit deutlichen Mobilisierungsschwächen bei den
größer angelegten "Open Air- Events" zu kämpfen
hatte (mit Ausnahme des "Rock für Deutschland" in
Gera),
3. mittlerweile eine gewisse Rechtssicherheit bei den Organisatoren
der Konzerte zu beobachten ist, die gepaart mit fest verfügbaren
Schwerpunktorten die Wahrscheinlichkeit eines ungestörten RechtsRock-Konzertes
erhöht.
|