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mitteilungen - artikel
RechtsRock in Thüringen 2010 - Kontinuität und Entwicklung
03.03.2011

Die Mobile Beratung in Thüringen (MOBIT) zählt seit 2007 jährlich die Konzertaktivitäten der rechtsextremen bzw. neonazistischen Szene in Thüringen. Auch im Jahr 2010 konnten wieder insgesamt 27 Konzerte belegt werden. Im einzelnen handelt es sich um 18 RechtsRock-Konzerte in geschlossenen Räumen, sechs Liederabende sowie drei "Open Airs" (Kundgebungen mit Festivalcharakter). In den vergangenen vier Jahren sind die Konzertzahlen allgemein und "Open Airs" als Sonderkategorie weitgehend konstant geblieben. Einzig das Aufkommen an Liederabenden zeigt eine gewisse Schwankung zwischen 3 und 7 Konzerten jährlich.
Ebenso war die Stilvielfalt im Bereich extrem rechter Musik auch in 2010 zu beobachten. Es fanden eher kleiner gehaltene Liederabende, NS-Black-Metal- und NS-Hatecore-Konzerte, "klassische" Rock-Against-Communism- (RAC) Konzerte sowie das hinlänglich bekannte Format der Konzerte im öffentlichen Raum ("Open Airs") statt. Bei diesen Kundgebungen nach dem Versammlungsrecht, die aber faktisch eher als Festivals wahr genommenen werden, ist eine differenzierte Entwicklung zu beobachten.
Während der "Thüringentag der nationalen Jugend" im vergangenen Jahr in Pößneck eine Blamage mit gerade einmal ca. 100 Teilnehmenden war, wurde das "Fest der Völker" 2010, ehemals das größte Neonazi-Event in Thüringen und ebenfalls für Pößneck angemeldet, gänzlich abgesagt.
Andererseits gelang es dem "Bündnis Zukunft Hildburghausen", einer Abspaltung der NPD, ein Neonazifest auf dem Hildburghäuser Marktplatz zu organisieren. Das sogenannte "Rock für Deutschland" in Gera, das seit 2003 jährlich von einem NPD-Stadtrat organisiert wird und lange Zeit wenig im öffentlichen Fokus stand, konnte auch im Jahr 2010 eine Teilnehmerzahl von deutlich über eintausend verbuchen. Der gewachsene Widerstand der Geraer und der regionalen Zivilgesellschaft nach mind. 4000 Neonazis in 2009 sollte hierbei aber auch nicht unerwähnt bleiben.
Beim Thema Veranstaltungsorte für RechtsRock-Konzerte ist ein gewisser Trend zu beobachten. Während in 2007 und 2008 noch in 17 bzw. 19 verschiedenen Orten Thüringens einzelne Konzerte organisiert worden waren, ging diese Anzahl in den letzten beiden Jahren auf 13 (2009) bzw. 10 (2010) deutlich zurück. Bei einem unveränderten Anzahl von RechtsRock-Konzerten bedeutet dies eine Konzentration auf einzelne Veranstaltungsorte. Hierbei ist besonders die "Erlebnisscheune" in Kirchheim in den letzten zwei Jahren zum Brennpunkt geworden. 2009 und 2010 fanden hier je neun Konzerte statt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass:
1. die rechtsextreme bzw. neonazistische Szene unverändert über Konzerte versucht, Interessenten zu werben sowie für gefestigte Szenegänger und -gängerinnen attraktiv zu bleiben,
2. die Szene mit deutlichen Mobilisierungsschwächen bei den größer angelegten "Open Air- Events" zu kämpfen hatte (mit Ausnahme des "Rock für Deutschland" in Gera),
3. mittlerweile eine gewisse Rechtssicherheit bei den Organisatoren der Konzerte zu beobachten ist, die gepaart mit fest verfügbaren Schwerpunktorten die Wahrscheinlichkeit eines ungestörten RechtsRock-Konzertes erhöht.

Chronik der RechtsRock-Konzerte und rechtsextremen Liederabende in Thüringen 2010