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mitteilungen - artikel
Dresden 2011 - Proteste gegen Neonazi-Aufmärsche sind eine demokratische Verpflichtung
14.02.2011

Am vergangenen Samstag haben 17000 Menschen in Dresden nicht nur den Opfern der Luftangriffe durch alliierte Bomber am 13.-15. Februar 1945 gedacht, sondern auch ein deutliches Zeichen gegen Neonazismus, Rassismus und Antisemitismus sowie gegen die Geschichtsfälscherei der extrem rechten Szene gesetzt.
Beim Thema Dresden scheint nicht ganz so naheliegend, was doch die historische Wahrheit ist. Die zweifellos schrecklichen Bombennächte sind die Folge eines von Anfang an rassistisch-antisemitischen Krieges, den das damalige Deutschland begonnen hatte. Auch ist Dresden weder die einzige noch die meist zerstörte Stadt im Zweiten Weltkrieg.
Dennoch nimmt Dresden einen besonderen Platz ein. Zum einen, weil 1945 hier ein einmaliges barockes Stadtbild in Flammen aufging, zum anderen, weil es das Paradebeispiel extrem rechter, geschichtsrevisionistischer Kreise ist, um Ursachen, Zusammenhänge und Wirkungen zu vernebeln und zu verdrehen.
Die Bundesrepublik Deutschland mit ihrer demokratischen Verfasstheit ist die Lehre aus dem vorhergegangenen sogenannten Dritten Reich, dessen Geschichte untrennbar mit dem größten Zivilisationsbruch, der Shoa verbunden ist. Wenn heute Neonazis durch Dresden marschieren und jeder historischen Wahrheit zum Trotz die Gesamtumstände ausblenden und alleinig deutsche Opfer in den Mittelpunkt ihrer Erinnerung stellen, so missachten sie die Lehren aus der Geschichte, Verhöhnen die Opfer nationalsozialistischer Barbarei und wollen letztlich am demokratischen Nachkriegsdeutschland rütteln.
Steffen Lemme, Mitglied des Bundestages und Vorsitzender der Mobilen Beratung in Thüringen Für Demokratie Gegen Rechtsextremismus (MOBIT) kommentiert: "Es ist schwer erträglich, dass die Feinde unserer Demokratie hier marschieren dürfen. Und es ist schwer erträglich, dass der Protest der Menschen, die unser demokratisches Zusammenleben verinnerlicht haben, gerichtlich verfügt beiseite stehen soll, damit neonazistische Demokratiefeinde ihr Versammlungsrecht ungehindert ausüben können. Es muss andere Wege geben, die demokratischen Spielregeln einzuhalten, ohne ihren aufrechten, meist zivilgesellschaftlichen Verteidigern zum Zuschauen zu verdammen und ihnen wirksame Protestformen zu nehmen!"
Die Politik sollte endlich Vorgaben machen, die der demokratischen Ablehnung dieser verfassungsfeindlichen Geschichtsfälschung einen deutlichen Vorrang einräumt. Was sonst ist unter der Lehre aus der Zeit des Nationalsozialismus zu verstehen, das eine Demokratie wehrhaft sein muss?