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mitteilungen - artikel
Neonazitreiben auf dem Hildburghäuser Marktplatz
23.07.2010

Auf dem Hildburghäuser Marktplatz findet morgen, am 24. Juli ein sogenannter "Nationaler Sozialer Thüringer Arbeiter Tag" statt. Programmbestandteil neben Reden und rechtsextremer Musik ist auch eine Demonstration durch die Stadt unter dem Motto "Wir wollen keine Asylantenheime!"
In der ursprünglichen Ankündigung dieses Neonazi-Open-Airs waren Bands wie Nordglanz und Eternal Pride angekündigt. Beim Sänger von Nordglanz handelt es sich um einen wegen Volksverhetzung verurteilten Rechtsextremisten. Bei näherer Betrachtung der Bandgeschichte und der Diskografie fallen mehrfach einschlägige positive Bezugnahmen auf das Dritte Reich auf. Von der Band Eternal Pride, die sich selbst als schwedische weiße Widerstands-Metal-Band begreift, gibt es Titel wie "the final race war" (der finale Rassenkrieg). Hierbei handelt es sich um eine Coverversion des Europe-Klassikers "the final countdown" aus den 80er Jahren. Dass beide Bands nun wahrscheinlich nicht auftreten werden, ist jedoch nicht den Veranstaltern zuzurechnen. Vielmehr müssen Streitigkeiten innerhalb der Thüringer rechtsextremen Szene als Begründung angenommen werden. Nach Recherchen im Internet sollen nun beide Bands ein Konzert in Pößneck am selben Tag spielen.
Aber auch die weiterhin angekündigten Musikbeiträge Fylgien und Untergrundwehr dürften das Publikum "weltanschaulich" überzeugen. Vom Liedermacher Fylgien gibt es Titel, wie "stolzer Germane", "Heidenlied" oder "deutscher Soldat". Untergrundwehr wird im bayrischen Verfassungsschutzbericht als aktive rechtsextreme Band erwähnt.
Darüber hinaus wird auch die Bekleidungsmarke Ansgar Aryan mit einem Verkaufsstand vertreten sein. Diese Marke ist mit Werbebannern auf großen rechtsextremen Internetplattformen vertreten und verkauft unter anderem T-Shirts mit Aufschriften wie "Aryan Resistance" (Arischer Wiederstand), "Strength Through Joy" (Kraft durch Freude) oder "Volksgemeinschaft statt new world order". Auch hier also wieder Bezugnahmen auf den Nationalsozialismus.
"Schon der Titel der Veranstaltung - "Nationaler Sozialer Thüringer Arbeiter Tag", der gedanklich die National-Sozialistischen Deutschen Arbeiter Partei (NSDAP) nahe legt, wie auch die eingeladenen Bands machen den Charakter dieser Veranstaltung mehr als deutlich." so Stefan Heerdegen von MOBIT. Es ist den rechtsextremen Veranstaltern gelungen, eine Event mit deutlichem neonazistischem Charakter mitten auf den Marktplatz zu platzieren. "Dies war den langjährig etablierten rechtsextremen Groß-Events wie dem Thüringentag der nationalen Jugend, dem Rock für Deutschland in Gera und dem Fest der Völker bisher verwehrt geblieben." bilanziert Heerdegen. "Ich kann den Ärger der Menschen in Hildburghausen gut verstehen, wenn sie ein derartiges fremdenfeindliches, rassistisches, ja neonazistisches Treiben auf ihrem Marktplatz hinnehmen sollen."