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Am kommenden Wochenende läuft die Mobilisierungskampagne
verschiedener zivilgesellschaftlicher Initiativen aus Gera und ganz
Thüringen gegen das diesjährige sogenannte "Rock
für Deutschland" an - www.gera-nazifrei.com.
Im vergangenen Jahr war es der rechtsextremen NPD
gelungen, zwischen 3900 und 5500 Rechtsextreme nach Gera zu locken.
Gründe hierfür dürften sowohl eine für die Szene
attraktive Bandauswahl mit Szenegrößen gewesen sein,
als auch die Etablierung dieser Kundgebung mit Festivalcharakter
über die letzten Jahre.
Jetzt wollen verschiedenste Geraer Parteien, Initiativen
und Gruppen, allen voran ein breites Aktionsbündnis Geraer
Bürger die Wende schaffen. Ziel ist es, der weiteren Normalisierung
rechtsextremen Gedankenguts entgegen zu wirken. "Ich finde
es beschämend, dass außer den offiziellen Aufrufen zu
Gera bunt' und den damit verbundenen friedlichen Demonstrationen
weniger Bürger, bisher den Neonazis keine deutliche Grenze
gesetzt wurde." erklärt Reinhard Hausigk vom Geraer Aktionsbündnis
sein Motiv zu Gegenaktionen. "Die lawinenartige Steigerung
der Anzahl der Teilnehmer beim letztjährigen Rechtsrockkonzert
fordert uns heraus, den Neonazis sehr deutlich zu machen, dass sie
unerwünscht sind." Es soll am 10. Juli eine große
Vielfalt an Möglichkeiten geben, an denen sich Geraer aktiv
beteiligen können.
Auch im ostthüringischen Pößneck
wappnen sich Stadt und Bürger wieder einmal. Relativ kurzfristig
war die Anmeldung des "Thüringentags der nationalen Jugend"
in Ilmenau zurückgezogen worden und für den 12. Juni in
Pößneck abgegeben worden. In ihrem Aufruf lastet die
NPD den demografischen Wandel, den Verlust an Einwohnern Pößnecks,
unserer Staatsform bzw. seinen Repräsentanten an. Das Motto
"Demokraten bringen uns den Volkstod" vereint eine populistische
Aussage à la "die da oben" mit klar völkischrassistischen
Vorstellungen einer Volksgemeinschaft. Die rechtsextreme Szene Thüringens
positioniert sich so einmal mehr gegen Toleranz, Weltoffenheit,
eine plurale Gesellschaft und damit gegen grundlegende demokratische
Grundsätze.
Die rechtsextremen Organisatoren haben mit der Kleinstadt
noch eine Rechnung offen. Im vergangenen Jahr floppte das bisherige
Flagschiff im Thüringer rechtsextremen Groß-Event-Reigen,
das sogenannte "Fest der Völker". Nur ca. 450 Besucher
fanden damals den Weg, während in den Jahren zuvor Teilnehmerzahlen
deutlich über der Tausendermarke zu verzeichnen waren. Das
"Fest der Völker" ist auch in diesem Jahr wieder
für den 11. September in Pößneck angekündigt
worden.
In der vergangenen Woche wurde der Thüringer
Verfassungsschutzbericht 2009 vorgestellt. "Dass die Mitgliederzahl
der NPD seit zwei Jahren rückläufig ist und dass die NPD
den Einzug in den Landtag verpasst hat, kann vor dem Hintergrund
fortgesetzter Aktivitäten wie den genannten Groß-Events
nicht beruhigen." so Stefan Heerdegen von MOBIT. Auch der Plan
der NPD, sich mit sieben rechtsextremen Regionalzeitungen weiter
im bürgernahen Gestus zu inszenieren, deutet an, dass die Bekämpfung
aller Formen des Rechtsextremismus die gesamtgesellschaftliche Herausforderung
in Thüringen bleiben wird.
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