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mitteilungen - artikel
Die Konzertchronik 2008 belegt – die rechtsextreme Szene setzt weiterhin auf Musik
27.03.200

Auch im Jahr 2008 fand im Vergleich zu den vergangenen Jahren wieder eine ähnliche Zahl von Rechtsrockkonzerten statt. Beständig zählt die Mobile Beratung in Thüringen (MOBIT) 26 bis 31 Konzerte seit 2005.

Zitate von Szene-Helden wie "Musik ist das ideale Mittel Jugendlichen den Nationalsozialismus näher zu bringen." (Ian Stuart Donaldson, Gründer des Nazi-Musiknetzwerkes Blood & Honour) oder "Rockmusik hat gegenüber Büchern, Demonstrationen und Flugblättern den Vorteil, dass man sie sich täglich wieder reinziehen kann, ohne das es langweilig wird" (Landser Interview) belegen die zentrale Bedeutung von Musik mit rechtsextremen Inhalten für die Szene.
Seit vielen Jahren wird die Bandbreite des Einsatzes von Rechtsrock beständig weiter ausgebaut.

Dabei stellt die Zählung von Konzerten nur einen von mehren Aspekten dar. Mit der Veranstaltung von Rechtsrockkonzerten kann die rechtsextreme Szene, ob nun als NPD oder nicht, ein wichtiges Segment von Jugendkultur bedienen. Jugendliche und junge Erwachsene interessieren sich stark für Musik. Wenn dieses Interesse dann auch noch verbunden ist mit dem Abenteuer, ein konspirativ organisiertes und durchgeführtes Konzert zu besuchen, erhöht sich die Attraktivität weiter.
Auch die Stilvielfalt ist weiterhin groß. Besonders hervorzuheben sind hierbei die Liederabende. Sehr oft finden diese im Anschluss an Parteiveranstaltungen statt, sind vergleichsweise einfach vorzubereiten und durchzuführen. Solche Konzerte haben weiterhin den Vorteil für die Szene, dass Texte gut zu verstehen und eingängig sind und so der politische Inhalt der Parteiversammlung hinterher kulturell gefestigt wird.

Ärgerlich für die engagierte Zivilgesellschaft ist überdies die zunehmende Unangreifbarkeit der rechtsextremen "Kulturarbeit". Rechtsrock auf Schulhof-CDs, wie sie vergangenes Jahr von mehreren NPD-Kreisverbänden verteilt wurden, enthalten oft so sehr codierte Aussagen, dass gegen sie nicht juristisch vorgegangen werden kann. Ebenso scheinen sich rechte Groß-Events unter freiem Himmel geschützt durch das Versammlungsrecht immer fester zu etablieren. Zudem vereinfacht der Rückzug von Rechtsextremen auf diverse Privatgelände zur Durchführung von Konzerten, Liederabenden oder auch eines NPD-Kinderfestes die Verhinderung solcher Hegemoniebestrebungen auch nicht.

Allerdings kann gerade der Rückzug in private Liegenschaften der rechtsextremen Szene und auch das Ausweichen der "Fest der Völker"-Initiatoren von Jena nach Altenburg durchaus als ein Erfolg staatlichen Verfolgungsdrucks, aber vor allem als Erfolg einer starken, entschlossenen Zivilgesellschaft gesehen werden.

Die Wirksamkeit einer Kultur des Hinsehens, des Thematisierens sowie von vielfältigen Gegenaktivitäten zeigt hiermit ihren Erfolg.