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mitteilungen - artikel
HDJ-Mitglieder weiter in Aktion oder "Ist der Ruf erst ruiniert, agiert es sich ganz ungeniert"
04.04.200

Am gestrigen 3. April 2009 sollte eine Informationsveranstaltung mit dem Titel "Ferien im Führerbunker" zur nunmehr verbotenen Heimatreuen Deutschen Jugend (HDJ) in der Arnstädter Musikschule stattfinden.

Als gegen 19.30 Uhr die bekannte Journalistin Andrea Röpke, die in den vergangenen Jahren zur HDJ recherchierte, die bekanntesten Bilder zu den neonazistischen Lagern des Vereins drehte und zu ihren Rechercheergebnissen auch ein Buch geschrieben hat, ihren Vortrag beginnen sollte, drängten ca. 40 Rechtsextremisten aller Couleur herein.

Eingeladen hatte das Arnstädter Bürgerbündnis "Demokratie braucht Zivilcourage". Ein Vertreter dieses Bündnisses wollte den herannahenden, teilweise vermummten Pulk unter Ausübung des Hausrechtes schon an der Haustür den Zutritt verwehren, wurde jedoch von den Rechtsextremen einfach ignoriert. Das Bündnis hatte schon im Vorfeld mit einem entsprechenden Satz das rechtsextreme Spektrum von der Veranstaltung ausgeschlossen. Sie waren also explizit nicht eingeladen. Nachdem sie sich dann noch dreist über das Hausrecht des Arnstädter Bürgerbündnisses hinweg setzten, begingen sie folglich einen Hausfriedensbruch.

Die Polizei wurde verständigt, konnte jenes Hausrecht aber erst nach 2 Stunden durchsetzen. Von nunmehr noch 35 Neonazis wurden die Personalien festgestellt und allen ein weiträumiger Platzverweis ausgesprochen. Drei Rechtsextreme widersetzten sich diesem. Gegen 21.30 Uhr konnte die Informationsveranstaltung dann doch noch beginnen, da interessierte Arnstädter und Arnstädterinnen ausgeharrt hatten.

Dieser Vorfall bringt dreierlei Erkenntnisse.
"Zum Einem bringt das Verbot der HDJ, sosehr es als symbolischer Akt einer wehrhaften Demokratie zu begrüßen ist, nicht das Ende der Aktivität der Mitglieder. Diese sind Überzeugungstäter, die sich von solchen Rückschlägen keinesfalls abschrecken lassen. Man wird wahrscheinlich zunächst lose weiter agieren und sich gegebenenfalls eine neue Organisationsstruktur geben." kommentiert Stefan Heerdegen von MOBIT. Störungen wie gestern Abend brauchen diesen Organisationszusammenhang nicht, sondern informelle Kontakte wie etwa Telefonnummern und Aktionsbereitschaft. Beides ist vom HDJ Verbot nicht betroffen.

Andererseits ist durch die Teilnehmer dieser Aktion noch einmal mehr unterstrichen worden, wie gut vernetzt die Thüringer rechtsextreme Szene ist und wie hoch die Bereitschaft zu gemeinsamen Aktivitäten. Anwesend waren gestern nicht nur einschlägige Vertreter der in dieser Woche verbotenen HDJ, sondern auch Vertreter der NPD, subkulturelle Neonazis sowie Autonome Nationalisten der Region. Es kann also gefolgert werden, dass auch in Hinblick auf die Wahlen in diesem Jahr der Zusammenhalt der gesamten rechtsextremen Szene in Thüringen, oft benannt als "Volksfront von rechts" weiterhin besteht.

Drittens wird durch die gestern geübte Solidarität des gesamten Spektrums die Bedeutung der HDJ für die rechtsextreme Szene nochmals unterstrichen. "Die HDJ war kein randständiger Verein von Naziromantikern, sondern ein gut eingebundenes Segment und Verbindungsglied innerhalb der bundesdeutschen rechtsextremen Organisationslandschaft." so Heerdegen.