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mitteilungen - artikel
Nächstes Jahr ist Superwahljahr
Auch Schulen müssen sich der Auseinandersetzung mit rechtsextremem Gedankengut stellen
23.06.2008

Im Hinblick auf die 2009 in Thüringen anstehenden Kommunal- und Landtagswahlen sowie Bundestags- und Europawahlen ist von einer Zunahme von NPD-Aktivitaten auszugehen, die darauf ausgerichtet sind, potentielle Wähler fur ihre politischen Ziele zu gewinnen. Während die NPD die gesellschaftliche Mitte mit Themen der Sozialen Frage umwirbt, wird die Schülerschaft hingegen anders geködert. Die rechtsextreme Partei hat es mit ihren sog. Schulhof-Aktionen insbesondere auf die Jung- und Erstwähler abgesehen. Hier wird ihnen mittels eigens produzierter Schulhof - CD`s, Flugblättern oder aber einer Ostereier - Verteilaktion suggeriert, jeder Einzelne sei wichtig im Kampf um die nationale Sache, im Kampf für das neue Deutschland. "Die Aktionen und die in Musik verpackten Botschaften sind deshalb so gefährlich, weil sie hiermit an elementare psychosoziale Grundbedürfnisse von Heranwachsenden anknüpfen. Jugendliche brauchen Wertschätzung, Anerkennung und eine Zukunftsperspektive. Indem die NPD und andere rechtsextreme Gruppierungen ihnen das Angebot machen, zu einer vermeintlich wichtigen, ja gar revolutionären Truppe zu gehören, fühlen sich ganz besonders Jugendliche mit persönlichen Defiziterfahrungen angesprochen" so Petra Pawelskus von Mobit.

Dass solche Aktionen zum Teil auf fruchtbaren Boden fallen, belegen die Zahlen, die sich in der Antwort des Thüringer Kultusministerium zu einer kleinen Anfrage (Jan. 2008) wieder finden. Demnach wurden von 2005 bis 2008 insgesamt 189 Delikte der politisch rechtsextrem motivierten Kriminalität an Thüringer Schulen erfasst. Strafrechtlich häufig nicht relevante Vorkommnisse wie diskriminierende Beschimpfungen, die Bedrohung von MitschülerInnen im Klassenverband oder das gegeneinander Aufhetzen von verschiedenen Schülergruppen fließt nicht in eine solche Statistik mit ein. Eine andere Form, die SchülerInnen wählen, um ihre rechtsextreme Gesinnung auszudrücken, ist das Verfassen von Stellungnahmen oder kleineren Aufsätzen im Rahmen des Unterrichtes, wie kürzlich in einer Berufsschule im Süden Thüringens geschehen. Oftmals sind Lehrkräfte überrascht, wie weit die Entwicklung eines rechtsextremen Weltbildes bei diesen Jugendlichen bereits fortgeschritten ist. Solche Vorkommnisse sind der mobilen Beraterin nicht unbekannt: "Lehrer und Lehrerinnen, die uns davon berichten, sind häufig ratlos, wie sie hier reagieren sollen. Ein Patentrezept gibt es an dieser Stelle natürlich nicht. Wichtig ist, einen solchen Vorfall nicht kommentarlos hinzunehmen, sondern ihn zu thematisieren."

Die Thüringer Schullandschaft wird sich nach Einschätzung von Mobit auch in den kommenden Monaten sehr wahrscheinlich mit solchen Vorkommnissen konfrontiert sehen. Der Wahlkampf steht bevor und es geht der NPD um Stimmen der Erst- und Jungwähler, also um die SchülerInnen.

Egal mit welchen Aktionen Rechtsextremisten versuchen fur Sympathien und vor allem für ihre Ziele zu werben, es muss reagiert werden. Mobit möchte Lehrkrafte, aber auch Schüler und Schülerinnen ermutigen, sich dem zu stellen und nach demokratischen Handlungsstrategien zu suchen. Eine Möglichkeit ist die Umsetzung des europaweiten Projektes "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage". Nähere Informationen unter www.schule-ohne-rassismus.org.