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mitteilungen - artikel
RechtsRock im Doppelpack
16.12.2008

Nachdem sich die rechtsextreme NPD Anfang Dezember mit Argumentationsschulungen auf den bevorstehenden Wahlkampf intern vorbereitet hat, will sie sich am 19. Dezember öffentlichkeitswirksam präsentieren.
Nach Informationen des Kreisverbandes Weimar und Weimarer Land plant dieser eine kostenlose Verteilung einer neu aufgelegten sog. Schulhof-CD an überwiegend weiterführenden und berufsbildenden Schulen. Damit rücken Schülerinnen und Schüler in den Mittelpunkt rechtsextremer Agitation, die gezielt als Jung- und Erstwählerinnen und -wähler angesprochen werden sollen. Dabei ist die Idee, Musik für die Verbreitung rechtsextremer oder nazistischer Ideologie zu verwenden nicht neu. Musiker, die rechtsextreme Inhalte verbreiten, wissen um ihre Wirkung "Musik spricht die Emotionen der Jugendlichen an, dabei können rassistische, antisemitische oder neonazistische Botschaften leichter internalisiert werden als beispielsweise auf Parteiveranstaltungen", so Nicole Schneider von der Mobilen Beratung in Thüringen (MOBIT).
Die Überprüfung der in den letzten Jahren in Thüringen verteilten Schulhof-CDs, die in mehreren Versionen vorliegen, zeigt, dass einige Titel bezüglich ihrer Inhalte indiziert werden und von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien für Minderjährige nicht freigegeben sind. Diese Richtlinie greift allerdings nicht für junge Erwachsene, die genau die Zielgruppe der Verteilaktion im Hinblick auf das Wahljahr 2009 darstellt. Deshalb muss die Gefahr, die von rechtsextremer Musik ausgeht, im Umfeld der Schülerinnen und Schüler thematisiert werden. Hier ist insbesondere die Lehrerschaft gefragt sowie die Eltern, die dazu aufgerufen sind, Aufklärungsarbeit zu leisten.

Die Wirkung von RechtsRock aus der Konserve ist nicht zu unterschätzen. Aber erst mit einem gemeinsamen Hörerlebnis, dem Kontakt zu Gleichgesinnten und einer Vernetzung untereinander werden Jugendliche Teil einer rechtsextremen Erlebniswelt, über die sie langfristig in die rechtsextreme Szene eingebunden werden. Diese Möglichkeiten bieten Konzerte - oftmals konspirativ geplant - bei denen RechtsRock-Bands auftreten. Auch in Thüringen finden regelmäßig solche Aktivitäten statt. Der Mobilen Beratung in Thüringen sind für dieses Jahr bisher über 20 Konzerte bekannt. Nach Aussagen von Szenekennern ist ein weiteres in Planung: Dieses soll am 27. Dezember in Rauenstein im Landkreis Sonneberg mit Bands aus dem In- und Ausland stattfinden, zu dem mehrere hundert Besucher erwartet werden. Auf einschlägigen rechtsextremen Medienportalen wird das Konzert offen beworben - was darauf schließen lässt, dass ein Einlass ohne vorherige Anmeldung möglich ist und das Konzert in nicht-privaten Räumlichkeiten stattfinden soll.
"Dies ist ein Beispiel für ein neues Selbstbewusstsein, das Rechtsextreme an den Tag legen. Dabei können sie ihre Ankündigungen nur dann in die Tat umsetzen, wenn sie vor Ort tatsächlich auf wenig demokratischen Gegenwind stoßen", so Nicole Schneider.