|
Nachdem sich die rechtsextreme NPD Anfang Dezember
mit Argumentationsschulungen auf den bevorstehenden Wahlkampf intern
vorbereitet hat, will sie sich am 19. Dezember öffentlichkeitswirksam
präsentieren.
Nach Informationen des Kreisverbandes Weimar und Weimarer Land plant
dieser eine kostenlose Verteilung einer neu aufgelegten sog. Schulhof-CD
an überwiegend weiterführenden und berufsbildenden Schulen.
Damit rücken Schülerinnen und Schüler in den Mittelpunkt
rechtsextremer Agitation, die gezielt als Jung- und Erstwählerinnen
und -wähler angesprochen werden sollen. Dabei ist die Idee,
Musik für die Verbreitung rechtsextremer oder nazistischer
Ideologie zu verwenden nicht neu. Musiker, die rechtsextreme Inhalte
verbreiten, wissen um ihre Wirkung "Musik spricht die Emotionen
der Jugendlichen an, dabei können rassistische, antisemitische
oder neonazistische Botschaften leichter internalisiert werden als
beispielsweise auf Parteiveranstaltungen", so Nicole Schneider
von der Mobilen Beratung in Thüringen (MOBIT).
Die Überprüfung der in den letzten Jahren in Thüringen
verteilten Schulhof-CDs, die in mehreren Versionen vorliegen, zeigt,
dass einige Titel bezüglich ihrer Inhalte indiziert werden
und von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende
Medien für Minderjährige nicht freigegeben sind. Diese
Richtlinie greift allerdings nicht für junge Erwachsene, die
genau die Zielgruppe der Verteilaktion im Hinblick auf das Wahljahr
2009 darstellt. Deshalb muss die Gefahr, die von rechtsextremer
Musik ausgeht, im Umfeld der Schülerinnen und Schüler
thematisiert werden. Hier ist insbesondere die Lehrerschaft gefragt
sowie die Eltern, die dazu aufgerufen sind, Aufklärungsarbeit
zu leisten.
Die Wirkung von RechtsRock aus der Konserve ist
nicht zu unterschätzen. Aber erst mit einem gemeinsamen Hörerlebnis,
dem Kontakt zu Gleichgesinnten und einer Vernetzung untereinander
werden Jugendliche Teil einer rechtsextremen Erlebniswelt, über
die sie langfristig in die rechtsextreme Szene eingebunden werden.
Diese Möglichkeiten bieten Konzerte - oftmals konspirativ geplant
- bei denen RechtsRock-Bands auftreten. Auch in Thüringen finden
regelmäßig solche Aktivitäten statt. Der Mobilen
Beratung in Thüringen sind für dieses Jahr bisher über
20 Konzerte bekannt. Nach Aussagen von Szenekennern ist ein weiteres
in Planung: Dieses soll am 27. Dezember in Rauenstein im Landkreis
Sonneberg mit Bands aus dem In- und Ausland stattfinden, zu dem
mehrere hundert Besucher erwartet werden. Auf einschlägigen
rechtsextremen Medienportalen wird das Konzert offen beworben -
was darauf schließen lässt, dass ein Einlass ohne vorherige
Anmeldung möglich ist und das Konzert in nicht-privaten Räumlichkeiten
stattfinden soll.
"Dies ist ein Beispiel für ein neues Selbstbewusstsein,
das Rechtsextreme an den Tag legen. Dabei können sie ihre Ankündigungen
nur dann in die Tat umsetzen, wenn sie vor Ort tatsächlich
auf wenig demokratischen Gegenwind stoßen", so Nicole
Schneider.
|