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Trotz gestiegener Fallzahlen politisch motivierter
Kriminalität in Thüringen titelt die Pressemitteilung
des Innenministeriums: "Thüringen gehört zu den sichersten
Ländern Deutschlands". Bei einer Steigerung der Gesamtzahl
um rund 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr, welche außerdem
den höchsten Stand in den letzten sechs Jahren bedeutet, kann
die Mobile Beratung in Thüringen Für Demokratie - Gegen
Rechtsextremismus (MOBIT) keinen Grund zur Gelassenheit erkennen.
Auch im Jahr 2007 lag der Anteil rechtsextremer
Kriminalität mit 53,9 Prozent (753 Delikte) deutlich über
dem des linksextremen Spektrums mit knapp 20 Prozent (266 Delikte).
Auch die Werte für Propaganda- und Gewaltdelikte der extremen
Rechten sind angestiegen. "Diese Zahlen können nicht beruhigen",
kommentiert Stefan Heerdegen von MOBIT. "Selbst wenn das Potenzial
rechtsextremer Einstellungen nach dem Thüringen-Monitor gesunken
ist, beweisen die Zahlen zur politisch motivierten Gewalt ein weiterhin
konstantes, tendenziell eher steigendes Potenzial zu strafbewährtem
Handeln."
Der Bericht des Innenministeriums weist besonders auf die rechtsextremen
"Großevents" in Gera ("Rock für Deutschland"),
Jena ("Fest der Völker") oder der Großdemonstration
der NPD in Erfurt hin. Demnach sind also solche legalen Aktivitäten
des rechtsextremen Lagers auch immer wieder Ausgangspunkte für
strafrechtlich relevantes Verhalten. Auch die deutlich gestiegene
Zahl der Gewaltdelikte der Gegenseite können teilweise durch
diese Versuche der Rechtsextremen, immer stärker in den öffentlichen
Raum zu dringen, erklärt, wenn auch nicht gerechtfertigt werden.
Bemerkenswert ist außerdem der große Anteil der "Sonstigen/Nicht
zuzuordnenden" politisch motivierten Kriminalität mit
369 Delikten, also über 25 Prozent. Darunter finden sich 185
Fälle von Volksverhetzung.
"Entscheidend ist jedenfalls", so Heerdegen,
"rechtsextremes Agieren nicht verengt nach strafrechtlicher
Relevanz zu bewerten. Um einem weiteren Vordringen in die Gesellschaft
und letztlich auch in die Parlamente in Thüringen zu begegnen,
müssen sich alle demokratischen Kräfte darüber einig
werden, dass die Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus schon
lange vor justiziablen Delikten beginnt. Für eine demokratische,
menschenfreundliche und weltoffene Gesellschaft müssen immer
zuerst verfestigte rechtsextreme Einstellungen zur Kenntnis genommen
und bekämpft werden."
Nur durch einen breiten gesellschaftlichen Konsens kann langfristig
auch der politisch
motivierten Kriminalität wirkungsvoll begegnet werden.
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