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mitteilungen - artikel
RechtsRock- Konzertstatistik 2007 - Anzahl rechtsextremer Musikveranstaltungen weiterhin auf hohem Niveau
12.03.2008

Im Jahr 2007 hat die Mobile Beratung in Thüringen Für Demokratie - Gegen Rechtsextremismus (MOBIT) insgesamt 28 rechtsextreme Musikveranstaltungen gezählt.
Davon konnte die Polizei 2 Konzerte vor Beginn verhindern und weitere 7 auflösen. Andersherum gezählt, konnten also 19 Konzerte bzw. Liederabende weitgehend unbehelligt von Rechtsextremisten durchgeführt werden.

Die unverändert große Bedeutung von rechtsextremer Musik für die Szene wird durch diese Zahlen im Jahr 2007 nochmals unterstrichen. "Dabei kommt es nicht auf den Musikstil an." meint Stefan Heerdegen, Berater bei MOBIT. "Vielmehr stehen menschenverachtende, rassistische, nationalistische und antisemitische Texte, also Inhalte für die Szene im Vordergrund. Die musikalische Umsetzung dieser Ideologievermittlung ist in den letzten Jahren immer mehr eine Frage des persönlichen Geschmacks der rechtsextremen Rezipienten geworden." Der Begriff des "RechtsRock" ist insofern irreführend, weil gerade in Thüringen eine große stilistische Bandbreite rechter Musik existiert. Angefangen vom Liedermacher über "klassischen" Rock against Communism, über NS Hardcore (sog. Hatecore) bis zu NS Black Metal hat die Thüringische Neonazi-Musikszene alles zu bieten.

Und der Freistaat wartet mit einer weiteren Besonderheit auf. "Thüringen nimmt mit drei rechtsextremen Großveranstaltungen einen bundesdeutschen Spitzenplatz ein. In keinem anderen Bundesland ist es den Rechtsextremen bisher gelungen eine solche Dichte an "Open Air" -Konzerten in die Öffentlichkeit zu tragen." kommentiert Christian Dornbusch, Mitherausgeber des Buches "RechtsRock. Bestandsaufnahme und Gegenstrategien" (2002) und Autor zahlreicher weiterer Publikationen zum Thema, die Entwicklung. Solche Großveranstaltungen, sie erreichten im vergangenen Jahr Teilnehmerzahlen von 500-1500 Rechtsextremen, sind völlig legal angemeldete politische Versammlungen im Sinne des Versammlungsrechts. Die NPD nutzt also die grundgesetzlichen Rechte auf Versammlungsfreiheit aus, um ihre Konzerte nicht nur heimlich in Landgasthöfen organisieren und durchführen zu müssen, sondern sie in aller Öffentlichkeit abhalten zu können. Der Form halber werden zwischen den Musikbeiträgen auch politische Reden gehalten, jedoch ist das Verhältnis Musik/politische Rede oft 1:1. Auf diese Weise bemüht sich die NPD im Hinblick auf die Wahlen in 2009 in Thüringen, ihre Attraktivität besonders für junge Menschen weiter zu steigern. Sie kämpft auch mit solchen Veranstaltungen um einen selbstverständlichen Platz im öffentlichen Raum und der gesellschaftlichen Diskussion.

Dem müssen sich alle demokratischen Kräfte entgegen stellen, argumentativ und tatsächlich, um der völkischen und antidemokratischen NPD friedlich aber bestimmt zu zeigen, dass sie ihr menschenverachtendes Gedankengut nicht mehrheitsfähig ist und sie als politische Kraft nicht geduldet werden. Die nächste Möglichkeit dazu ist der "Thüringentag der nationalen Jugend" am 17. Mai 2008 in Sonderhausen.