Was
ist Rassismus?
Im "Baustein
zur nicht-rassistischen Bildungsarbeit" (Hrsg. DGB-Bildungswerk Thüringen)
findet sich eine anschauliche Kurzformel für eine Rassismusdefinition (S.
198): Rassismus = Ethnisierte Gruppenbildung + Abwertung + Durchsetzungsmacht
1. Ethnisierte Gruppenkonstruktion
Wissenschaftlich ist die Existenz unterschiedlicher "Rassen" längst
widerlegt. Die lange Geschichte des Rassismus hat jedoch ihre Spuren im Alltagsbewusstsein
hinterlassen und ist weiterhin präsent. Anhand von bestehenden und/oder eingebildeten
Unterschieden werden Gruppen als "ethnisch", "kulturell" oder
gar "biologisch/genetisch" "anders" wahrgenommen. Im Gegensatz
dazu entsteht ein "Wir", das in Abgrenzung von "den Anderen"
als "normal" und selbstverständlich gilt. Für diese ethnisierten
Gruppenkonstruktionen werden Merkmale wie nationale Zugehörigkeit, Herkunft
oder "Kultur", Religion oder Hautfarbe herangezogen. Unterschiede innerhalb
einer Gruppe sowie Gemeinsamkeiten zwischen den Gruppen werden übersehen.
2. Zuschreibungen, Vorurteile,
Wertungen Die "den Anderen" zugeschriebenen Eigenschaften
sind meistens negativ, können aber auch positiv sein - in jedem Fall treffen
sie die gesamte Gruppe. Das Verhalten einzelner Menschen wird mit ihrer "Rasse",
Herkunft, Religion, "ethnischen Zugehörigkeit" oder "Kultur"
erklärt. Die Gruppenmerkmale werden zu unveränderlichen Eigenschaften,
hinter denen der/die Einzelne nicht mehr wahrgenommen wird und die andere Erklärungsansätze
für Verhalten und Verhältnisse überflüssig machen. 3.
Gesellschaftliche Macht Wenn eine gesellschaftliche Gruppe in der
Lage ist, die oben genannten (Ab-)Wertungen gegenüber einer anderen Gruppe
durchzusetzen und damit eine gesellschaftliche Ungleichbehandlung zu erzeugen,
sprechen wir von Rassismus. Rassistische Diskriminierung findet sowohl im Bereich
der individuellen Nicht-Anerkennung und Benachteiligung statt als auch auf der
Ebene des nationalstaatlich-rechtlichen Ausschlusses und der ökonomischen
Ausbeutung. Rassismus in
Thüringen Immer wieder werden rassistische Verhaltensweisen
in Thüringen bekannt. Nicht-Deutschen, MigrantInnen und Flüchtlingen
werden z.B. der Zugang zu Gaststätten- oder Diskotheken verweigert, sie müssen
sich rassistische Witze und Sprüche anhören oder sie werden Opfer von
rassistischen Angriffen. Der "Thüringen
Monitor" ist eine jährliche Untersuchung zu den Einstellungen der
Menschen in Thüringen zur Demokratie. Die Forscher der Uni Jena fragten in
den letzten fünf Jahren auch nach der Zustimmung von ausländerfeindlichen
Aussagen. Diese belegen die starke Verbreitung von Vorurteilen gegenüber
MigrantInnen in Thüringen: - 55% stimmen zu, dass die Bundesrepublik
durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maße überfremdet
ist, - 53% stimmen zu, dass die Ausländer nur hierher kommen, um unseren
Sozialstaat auszunutzen (Durchschnittswerte 2001-2005). MOBIT
versucht in Kooperation mit unterschiedlichen Partnern in Thüringen durch
Projekte und Veranstaltungen langfristig Handlungsmöglichkeiten gegen Rassismus
zu entwickeln. Dabei unterstützen wir bei Veranstaltungen der "Interkulturellen
Woche", regen in lokalen Initiativen und Bündnissen gegen Rechtsextremismus
die Vernetzung mit Nicht-Deutschen, MigrantInnen und Flüchtlingen an oder
entwickeln Projektideen, wie die Perspektiven dieser Menschen gestärkt werden
können. Ein weiterer Artikel zum Thema Rassismus
findet sich in der MOBIT-Broschüre "Mein
Kind ist doch kein Nazi!?". |