taz vom 01.07.2010
"Die DVU
strebt ihrem Ende zu"
Fusion mit NPD unwahrscheinlich
Laut Verfassungsschutz
steht die DVU vor dem Aus. Die Wahlergebnisse mickrig, sinkende Mitgliederzahlen.
Eine Fusion mit der NPD ist unwahrscheinlich.
Die rechtsextreme DVU steht nach Ansicht des Verfassungsschutzes vor dem Aus.
"Die DVU strebt ihrem Ende zu", sagte Artur Hertwig, Abteilungsleiter
Rechtsextremismus beim Bundesamt für Verfassungsschutz, der taz. "Ein
Neuanfang ist nicht zu erwarten."
Laut dem vergangene Woche vorgestellten Verfassungsschutzbericht für 2009
hatte die DVU zuletzt 4.500 Mitglieder. In den 90er Jahren waren es noch mehr
als 25.000. Mit dem finanzkräftigen rechtsextremen Verleger Gerhard Frey
an der Spitze gelang der DVU damals der Einzug in die Landesparlamente von Brandenburg,
Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Bremen. 2009 erzielte die Partei unter
dem neuen Chef Matthias Faust bei der Europawahl nur noch 0,4 Prozent und bei
der Bundestagswahl sogar nur 0,1 Prozent der Stimmen. "Die Mitgliedschaft
ist überaltert, die finanzielle Lage schlecht und die Nachfolger von Frey
können sich nicht auf einen Kurs einigen", sagte Verfassungsschützer
Hertwig.
Das ist noch milde ausgedrückt. Denn in der DVU herrscht inzwischen fast
schon Krieg. Als der Vorsitzende Faust Anfang des Monats ankündigte, mit
der NPD fusionieren zu wollen, fehlte ihm dabei offenkundig die Rückendeckung.
Ein Teil der Partei versuchte danach, ihn zu stürzen - bisher allerdings
juristisch erfolglos. Mehrere Landesvorsitzende traten in den vergangenen Wochen
zurück.
Der Rechtsextremismusexperte des Verfassungsschutzes drückt es so aus:
"Die DVU befindet sich im freien Fall." Dass es noch eine Fusion von
NPD und DVU geben wird, hält Hertwig für höchst unwahrscheinlich.
"Die Realisierungschancen sind mehr als gering", sagte er.