blick nach rechts vom 30.06.2010
Gesinnungsmusikanten
Im Umfeld von NPD & Co. tummeln sich zahlreiche Barden, die auf einschlägigen
Veranstaltungen mit ihrem Liedgut für Stimmung sorgen.
Der rechtsextreme Liedermacher Frank Rennicke, der erneut als Präsidentschaftskandidat der NPD angetreten ist, erzielte am 30. Juni in der Bundesversammlung im ersten und im zweiten Wahlgang jeweils drei Stimmen, vermutlich von den Vertretern der NPD.
Dem aktuellen Bundesverfassungsschutzbericht zufolge kommt dem braunen Barden Rennicke aufgrund seiner jahrzehntelangen Aktivitäten eine besondere Anerkennung in weiten Teilen der rechtsextremen Szene zu. 1987 veröffentlichte Rennicke seine erste Musikkassette mit dem Titel An Deutschland. In den Texten seiner Lieder kommen ein völkisch geprägter Nationalismus, eine neonationalsozialistische Grundeinstellung und revisionistische Geschichtsthesen zum Ausdruck. Der ehemalige NPD-Bundestagskandidat, vormals Jugendführer der 1994 verbotenen Neonazi-Truppe Wiking-Jugend, wohnt seit September 2006 im bayerischen Schillingsfürst.
Anhänger der HDJ
In NPD-Kreisen spielt auch immer wieder Jörg Hähnel (Jg. 1975), zuletzt NPD-Landeschef in Berlin, auf. Inhaltliche Schwerpunkte seiner Lieder, so der Berliner Verfassungsschutz, bilden revanchistische Forderungen im Bezug auf die ehemals deutschen Ostgebiete und die Verherrlichung des Deutschen Reiches, welches von einer in Lüge und Knechtschaft gehaltenen Bundesrepublik Deutschland befreit werden müsse. Hähnel trat 1997 mit seiner ersten CD an die Öffentlichkeit. Im Mai 2007 sorgte er für Schlagzeilen, als er mit einem Schlagstock das Schweriner Parlamentsgebäude betreten wollte. Hähnel war Anhänger der im März 2009 verbotenen Heimattreuen Jugend Deutschlands (HDJ).
Gern gesehen als Szene-Barden bei NPD-Veranstaltungen sind unter anderem Maximilian Lemke (alias Liedermacher Max), Marco Laszcz (alias Sleipnir), Norman Helbing, Nico Schiemann, Sebastian Döring (alias Fylgien), Felix Benneckenstein (alias Flex), Torsten Hering (alias Torstein), Tobias Herschel (alias Ludwig), Robert Stange (alias Julmond) und Jürgen Voigt.
Die Demokraten bringen uns den Volkstod
Maximilian Lemke alias Liedermacher Max aus Jena sorgte zuletzt beim 9. Thüringentag der nationalen Jugend am 12. Juni im thüringischen Pößneck für Stimmung. Das Motto des Treibens lautete: Die Demokraten bringen uns den Volkstod Stoppen wir sie!. Lemke hatte im September 2002 ein Gebäude im Stadtteil Jena-Lobeda gepachtet, das als Braunes Haus weit über die thüringischen Landesgrenzen bekannt wurde. Die Räumlichkeiten wurden bis zu dessen Schließung wegen schwerwiegender bautechnischer Mängel durch die Jenaer Stadtverwaltung im Mai 2009 für Vortragsabende, Kameradschaftstreffen, Schulungen und Liederabende genutzt.
Für den 3.
Juli ist im thüringischen Kirchheim in der Szene-Lokalität Erlebnisscheune
im Hotel Romantischer Fachwerkhof das so genannte 3. Treffen
der Generationen angekündigt. Redner sind der 97-jährige ehemalige
Jagdflieger und Ritterkreuzträger Hajo Hermann und ein namentlich nicht
genannter Angehöriger der Waffen-SS Division Hitlerjugend .
Den Abend in kameradschaftlicher Atmosphäre ausklingen lassen,
soll Marco Laszcz (alias Liedermacher Sleipnir) aus Verl bei Gütersloh.
Die erste CD von Laszcz erschien 1996 und wurde im April 1998 indiziert. Der
Name Sleipnir stammt vom gleichnamigen achtbeinigen Pferd Odins aus der nordischen
Mythologie. Beim 2. Treffen der Generationen, das am 10. April ebenfalls
in der Erlebnisscheune stattfand, spielte Norman Helbing (Oldisleben),
Vorstandsmitglied des NPD-Kyffhäuserkreises, auf.
Lang genug gebeugt
Der stellvertretende Vorsitzende des NPD-Kreisverbandes Karlsruhe-Land Nico Schiemann aus dem badischen Kirrlach zeigte zuletzt am 26. Juni im Raum Wittlich bei einer Veranstaltung der rheinland-pfälzischen Nationaldemokraten sein musikalisches Können. Der vormals in Frankfurt/Oder lebende Schiemann, der sich 1997 der NPD anschloss, ist namentlich im aktuellen Verfassungsschutzbericht des Saarlandes aufgeführt. In das Visier der dortigen Verfassungsschützer geraten war er durch seinen Auftritt am 7. November 2009 vor bis zu 90 Gleichgesinnten in einer Fischerhütte bei Ottweiler.
Unter dem Künstlernamen Fylgien tritt Sebastian Döhring, Aktivist des NPD-Kreisverbandes Marzahn-Hellersdorf, auf. Einen seiner letzten Auftritte bestritt Döhring am 12. Dezember 2009 bei einem Kameradschaftsabend des thüringischen Bündnisses-Zukunft-Hildburghausen (BZH). Seine CDs Lang genug gebeugt und Germania sind im Szene-Handel für 13 Euro zu erwerben.
Der in Straubing
(Niederbayern) geborene Felix Benneckenstein alias Liedermacher Flex, vormals
Anführer der Jungen Offensive Herzogstadt/Kameradschaft Erding
und JN-Stützpunktbeauftragter Freising-Erding-Ebersberg, ist der Auffassung,
dass das bundesdeutsche System .. keinerlei Existenzberechtigung
hat, da es nur durch völkerrechtswidrige Methoden überhaupt
entstehen konnte und vor allem nur durch Lügen, Gewalt und Repression des
eigenen Volkes noch BESTEHEN kann.
Musikalischer Rahmen bei Kameradschaftsabend
Tobias Herschel alias Liedermacher Ludwig aus dem sächsischen Schlema hatte am 2. Juli 2005 seinen ersten größeren Auftritt. Damals sorgte er für die musikalische Umrahmung der Kreisverbandssitzung des NPD-Kreisverbandes Aue-Schwarzenberg.
Im nordthüringischen Sondershausen ist Torsten Hering alias Liedermacher Torstein beheimatet. Der engagierte Nationaldemokrat bestritt mit Maximilian Lemke den musikalischen Part des 7. Thüringentages der nationalen Jugend am 17. Mai 2008.
Ebenfalls aus Thüringen, aus dem 2500 Einwohner zählenden Ferienort Geschwenda, kommt der Liedermacher Jürgen Voigt. Voigt sorgte am 20. Februar 2009 bei einem von Freien Kräften und dem ehemaligen NPD-Bundesvorsitzenden Günter Deckert zelebrierten Kameradschaftsabend in Hildburghausen für den musikalischen Rahmen. Robert Stange alias Julmond aus Gera trat unter anderem am 25. Februar 2006 bei der Gründung des JN-Stützpunktes Erfurt auf. Das thüringische Innenministerium führte Stange in seiner Antwort auf eine Kleine Anfrage der Abgeordneten Martina Renner (Drucksache 5/954 v. 12. Mai 2010) zu Neonazistische Musikkultur in Thüringen namentlich als weiterhin aktiven Liedermacher an.