Ostthüringer Zeitung vom 14.06.2010

Bekannter Neonazi will Pößnecker Schützenhaus ausbauen

Pößnecker Hoffnungen, das Schützenhaus in städtischen Besitz zurück zu holen, dürften endgültig geplatzt sein.

Pößneck. Auf dem "9. Thüringentag der nationalen Jugend" in Pößneck stellte sich Thomas "Steiner" Wulff als neuer Direktor der Londoner Firma Wilhelm Tietjen Stiftung fuer Fertilisation Limited vor, der das Schützenhaus gehört.

Internet-Eintragungen zur so genannten Stiftung im Companies House, dem britischen Handelsregister, bestätigen dies. Wulff, Jahrgang 1963, bundesweit auftretender Neonazi und Mitglied im erweiterten Vorstand der Bundes-NPD, ist also Nachfolger des verstorbenen Jürgen Rieger (1946-2009). Er trägt als Markenzeichen eine Arbeitermütze, wie sie bekannte Arbeiterführer trugen. Sein Spitzname "Steiner" geht indes auf einen General der Waffen-SS zurück.

"Wir werden alles Mögliche tun, um das Schützenhaus für unsere Bewegung zu erhalten", sagte Wulff am Samstag auf der Veranstaltung im Pößnecker Lutschgenpark. Das Gebäude soll "ausgebaut" werden und "irgendwann den Namen von Jürgen Rieger tragen".

"Ich bin da der Chef", erklärte Wulff auf Nachfrage der OTZ. "Das Objekt ist vermietet", fuhr er fort. Hauptmieter sei André Kapke, der im vergangenen Jahr das so genannte Fest der Völker der NPD im Hinterhof des Schützenhauses veranstaltet hatte.

Zum Schützenhaus gibt es einen "Arbeitskatalog", dessen Punkte nach und nach abgearbeitet werden, erklärte Wulff. Neben Maßnahmen im Inneren wie beispielsweise im Bereich Brandschutz werde es auch welche am Erscheinungsbild der als Denkmal geschützten Immobilie geben: "Die Verkitschung wird zurückgenommen", kündigte der neue Chef an. Auf die Frage nach der Höhe der Investitionen antwortete Wulff: "Geheime Kommandosache." Ziel sei es, dass Gebäude so bald wie möglich als "Versammlungszentrum" und als "Treffpunkt für die Jugend" zu nutzen.

Auf die Frage, ob mit NPD-Parteitagen im Schützenhaus zu rechnen sei, sagte Wulff: "Die Partei spielt hier keine Rolle. Das ist kein Parteiobjekt." Wulff ging davon aus, dass am 11. September das nächste so genannte Fest der Völker der rechten Szene in Pößneck gefeiert wird. "Überall in der Stadt" werde man sich zeigen, stellte Wulff noch in den Raum.

Die Proteste gegen den "9. Thüringentag der nationalen Jugend" in Pößneck sind am Samstag friedlich verlaufen. Die erwarteten Resonanzen wurde aber bei weitem nicht erreicht. Der Protestzug mit dem Motto "Wir pfeifen auf die Nazis" hatte in der Spitze etwa 150 Teilnehmer, bei der Antifa Saalfeld marschierten etwa 80 mit gerechnet hatte man bis zu 500 Gegendemonstranten. Auf dem "Thüringentag" waren etwa 110 Personen, bis zu 300 sollten kommen.