npd-blog vom 22.03.2010
Erneuter Nazi-Überfall
am Rastplatz Teufelstal
Flaschen als Wurfgeschosse,
Schläge ins Gesicht und Tritte gegen am Boden liegende Opfer. Erneut haben
offenbar Neonazis am Rastplatz Teufelstal in Thüringen zwei junge Männer
angegriffen und ihr Auto beschädigt. Doch die Polizei will nicht von einem
rechtsextremen Übergriff sprechen - Alltag in Thüringen.
Erst knapp ein
Jahr ist es her, dass eine Gruppe Neonazis die Insassen eines Gewerkschaftsbusses
am selben Rastplatz brutal angegriffen hat. Ein Gewerkschafter wurde damals
lebensgefährlich verletzt. Die nachfolgende Ermittlungsarbeit der Polizei
stand in der Kritik. Die Beamten nahmen lediglich die Personalien der Tatverdächtigen
auf, ließen die Neonazis dann aber einfach weiterfahren. Viele Spuren
wurden nicht gesichert, vier tatverdächtige Rechtsextremisten aus Schweden
konnten sich ohne Probleme in ihr Heimatland absetzen. Für den rechten
Schlägertrupp hatte der Überfall keine Folgen. Fast alle der 37 Verfahren
wurden eingestellt.
Der Polizeibericht zu dem Überfalls vom vergangenen Wochenende klingt nüchtern:
"Am frühen Sonntagmorgen, 21.03.2010, kam es gegen 02:30 Uhr auf der
Raststätte Teufelstal', BAB 4 in Fahrtrichtung Dresden, zu einer
Körperverletzung und Sachbeschädigung. Nach einer zunächst verbal
geführten Auseinandersetzung begannen mehrere bislang unbekannte männliche
Personen einen 20jährigen bzw. 23jährigen männlichen Geschädigten
zu schlagen bzw. deren genutztes Fahrzeug zu beschädigen. Die Geschädigten
erlitten leichte Schürfwunden und Schwellungen.
Am beschädigten Pkw entstand ein Sachschaden in einer Höhe von ca.
1500,- Euro. Die Täter entfernten sich anschließend mit einem hellen
PKW in Richtung Dresden."
Kein Wort davon, dass offenbar Neonazis zugeschlagen haben, keine Erwähnung
der rechtsextremen Beschimpfungen der Opfer. "Ob es eventuelle Rechtsextreme
waren, können wir ja erst sagen, wenn wir sie haben", sagte eine Sprecherin
der Polizei Thüringen dem Störungsmelder. Man wolle keine voreiligen
Schlüsse ziehen. Zwar hat die Polizei notiert, dass die Opfer vermutlich
wegen linker Aufkleber auf ihrem Fahrzeug angegriffen wurden, eine rechtsextreme
Tatmotivation sei aber dennoch nicht erkennbar, hieß es. Derzeit würden
die Aufnahmen der Überwachungskameras ausgewertet, um die Täter zu
identifizieren.
Doch die beiden Angegriffenen widersprechen der Version der Polizei vehement.
Sie sind sich sicher, dass sie gezielt von Rechten angegriffen wurden, weil
diese sie als "links" wahrgenommen hätten.
"Mein Kollege, welcher am Auto wartete, wurde von den Neonazis mit leeren
Bierflaschen beworfen. Dabei erlitt er einen Schnitt unter dem rechten Auge.
Zwei Neonazis traten auf sein Auto ein, wodurch das rechte Rücklicht zerstört,
die Kofferraumklappe und die Beifahrerseite verbeult, wurden. Die zwei anderen
Neonazis bearbeiteten' mich vor der Eingangstür der Raststätte.
Sie traten mit Springerstiefeln auf mich ein, auch als ich schon am Boden lag.
Dabei erlitt ich Hämatome und Schwellungen am Kopf und im Gesichtbereich.
Erst als weitere Personen auf die Raststätte kamen, flüchteten sie."
Die Opfer gehen davon aus, dass die Angreifer auf dem Rückweg von einem
Nazikonzert in der Region waren. Die Polizei bestätigte am Montag lediglich,
dass es am gleichen Abend im nahe gelegenen Apolda eine rechtsextreme Veranstaltung
gegeben hat. Es habe sich jedoch um kein Konzert, sondern um eine Feier gehandelt
an der rund 40 Neonazis teilgenommen hätten. Die Polizei habe das Treffen
beobachtet und Personenkontrollen durchgeführt. Der Ort ist bekannt für
seine militante Naziszene um die "Kameradschaft Apolda" und die "Braunen
Aktionsfront Thüringen, Sektion Apolda". Seit 1990 kam es in Apolda
regelmäßig zu schweren Gewalttaten von Neonazis.
Des Weiteren sagen die verletzten Männer, dass rund 10 Minuten nach dem
Angriff zwei weitere Fahrzeuge mit Rechten auf dem Parkplatz auftauchten. "Es
kam zu verbalen Auseinandersetzungen zwischen Neonazis, Polizei und uns."
Auch dies findet in dem Polizeibericht keine Erwähnung.
Beobachter der Thüringer Naziszene überrascht der Umgang der Ermittler
mit dem jüngsten Angriff nicht. "Dass die Polizei eine rechtsextreme
Tatmotivation ausblendet sehen wir immer wieder", sagte Uwe Schubert von
der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus in Thüringen (Mobit). Es gebe
oft Fälle in denen Neonaziangriffe von Polizei und Justiz nicht als rechtsextrem
eingestuft werden. Hinzu kämen schleppende Ermittlungen, wenn es gegen
die rechte Szene geht. Erst vor wenigen Wochen warnte Mobit vor der wachsenden
Naziszene in der Region. Insgesamt 412 rechtsextreme Aktivitäten zählte
der Verein im Jahr 2009 in Thüringen. 2008 waren es noch 348 Fälle.
"Seit Beginn der Chronik im Jahr 2005 ist dies ein neuer besorgniserregender
Höchststand", so das Fazit.