Lager in "der Heimat der Ahnen"
Führende Mitglieder
der "Schlesischen Jugend Thüringen" pflegen Verbindungen zu neonazistischen
Kreisen - seit Herbst vergangenen Jahres dominiert die SJ-Thüringen auch
den Bundesverband der Nachwuchsvertriebenen.
Der letzte Bundesgruppentag der "Schlesischen Jugend", Bundesgruppe
e.V., im vergangenen Herbst hatte weitreichende Folgen für deren politische
Ausrichtung. Seitdem dominieren Thüringer Mitglieder den Bundesvorstand
der SJ, und diesem Flügel mangelt es schon mal an Abgrenzung zu neonazistischen
Gruppen und Personen. Mit der Übernahme der Bundesgruppe wurde auch der
Vereinssitz der SJ ins thüringische Floh-Seligenthal, bei Schmalkalden
verlegt.
Die "Schlesische Jugend", deren inhaltlicher Schwerpunkt nach eigenen
Angaben in der "kulturellen und politischen Bildungsarbeit" liegt,
rückt mit den neuen Vorstandsmitgliedern Fabian Rimbach und Sabine Wolf
weiter nach rechts, als es der "Landsmannschaft Schlesien" recht sein
kann. Die SJ ist die eigenständige Nachwuchsorganisation der rund 200 000
Anhänger zählenden Landsmannschaft Schlesien - Nieder- und Oberschlesien
e.V., die Mitglied im Bund der Vertriebenen (BdV) ist.
Gruppenbild mit Schlesien-Fahne und NPD-Funktionär
Seit mehreren Jahren
gibt es personelle und strukturelle Verbindungen zwischen der "Schlesischen
Jugend Thüringen" (SJ-Thüringen) und organisierten Neonazis.
So nutzte zum Beispiel die ehemalige Neonazikameradschaft "Zukunft Perspektive
Heimat" aus Bad Salzungen im Jahr 2007 dasselbe Postfach als Kontaktanschrift
wie Fabian Rimbach als presserechtlich Verantwortlicher für das "Infoblatt
der Schlesischen Jugend von Thüringen". Während Sabine Wolf seit
Jahren freundschaftliche Kontakte zur ehemaligen Aktivistin der verbotenen "Heimattreuen
Deutschen Jugend" (HDJ) Silvia Kirschner pflegt. Sie nahm auch an der ersten
Wanderung der ehemaligen HDJ-Einheit Thüringen Ende 2008 in Eisenach teil.
Generell mangelt es nicht an Nähe zu neonazistischen Parteivertretern.
Auf Bildern im Internet posiert zum Beispiel Hendrik Heller zusammen mit Mitgliedern
der SJ-Thüringen für ein Gruppenbild mit Schlesien-Fahne. Der Bad
Salzunger Hendrik Heller leitet im Landesvorstand der NPD unter anderem das
Referat Umwelt- und Naturschutz.
"Kranzniederlegungen zum Volkstrauertag"
Doch auch im "Infoblatt"
des SJ-Landesverbandes Thüringen finden sich Belege für Kontakte ins
antidemokratische Milieu. Auf einem Gruppenfoto vom "Sommerfest der Schlesischen
Jugend" 2008 steht die Ex-HDJlerin Silvia Kirschner mit ihrem Ehemann lächelnd
neben Funktionären der SJ.
Die SJ scheint mit ihrem vielfältigen Programm attraktiv für ehemalige
Anhänger der HDJ zu sein. So finden beispielsweise regelmäßig
Zeltlager statt, auf denen neben Bogenschießen, Geländespielen und
Volkstanz auch Vorträge stattfinden. Diese Lager werden oft in der "Heimat
der Ahnen" (Schlesien) durchgeführt. Auch sonst dürften ehemaligen
HDJlern Veranstaltungen wie "Tanz in den Mai"," Erntetanz"
und "Kranzniederlegungen zum Volkstrauertag", sowie das gemeinsame
Fahren zum größten Neonaziaufmarsch Europas am 13. Februar in Dresden
bekannt vorkommen.
Ebenso gehört das Feiern der Sommer- und Wintersonnenwende zum Repertoire
der SJ. So schrieb Sabine Wolf im "Infoblatt" der SJ-Thüringen
unter der Überschrift "Flamme zum Himmel" einen Erlebnisbericht
von der Sommersonnenwendfeier 2009, in dem sie über ein "Tausendjähriges
Erleben" philosophierte. Dieses Erlebnis "strömt in unserer Herkunft
und in unserem Blut. [...] schärft unseren inneren Sinn und erweckt neues
Bewusstsein für all die Wurzeln, aus denen noch heute unsere Vorfahren
zu uns sprechen."
Enge Zusammenarbeit im "Bündnis für Heimat"
Im Milieu der Gesinnungsvertriebenen
sorgt die Schlesische Jugend jedoch schon seit längerem für Schlagzeilen.
So unterzeichneten ihre Funktionäre im Sommer 2008 gemeinsam mit den "Jungen
Witikonen", der Nachwuchsorganisation des rechtslastigen "Witikobundes",
die so genannte "Cannstatter Erklärung". In dieser wird eine
enge Zusammenarbeit zwischen den beiden Organisationen in einem neu geschaffenen
"Bündnis für Heimat" forciert. Das erste Ergebnis dieser
Allianz war die "1. Deutschlandpolitische Akademie", die Ende 2008
im Harz stattfand. Unter den vielen umstrittenen Referenten befand sich auch
Ingeborg Godenau, die nicht nur Interviewpartnerin im NPD-Organ "Deutsche
Stimme" war, sondern auch Spitzenkandidatin des extrem rechten "Bürgerbündnisses
PRO Schwalm-Eder".
Mittlerweile distanziert sich selbst die konservative Landesgruppe Thüringen
des BdV von der SJ-Thüringen. Trotzdem heißt es in einer Antwort
der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage von Martina Renner (LINKE) zu "rechtsextremen
Aktivitäten" der SJ, dass die "Schlesische Jugend bisher nicht
öffentlichkeitswirksam durch rechtsextreme Aktivitäten in Erscheinung
getreten" sei. Und das, obwohl den Behörden "Kenntnisse"
über Kontakte zur lokalen Neonaziszene vorliegen.