Blick nach Rechts vom 19.03.2010

Lager in "der Heimat der Ahnen"

Führende Mitglieder der "Schlesischen Jugend Thüringen" pflegen Verbindungen zu neonazistischen Kreisen - seit Herbst vergangenen Jahres dominiert die SJ-Thüringen auch den Bundesverband der Nachwuchsvertriebenen.
Der letzte Bundesgruppentag der "Schlesischen Jugend", Bundesgruppe e.V., im vergangenen Herbst hatte weitreichende Folgen für deren politische Ausrichtung. Seitdem dominieren Thüringer Mitglieder den Bundesvorstand der SJ, und diesem Flügel mangelt es schon mal an Abgrenzung zu neonazistischen Gruppen und Personen. Mit der Übernahme der Bundesgruppe wurde auch der Vereinssitz der SJ ins thüringische Floh-Seligenthal, bei Schmalkalden verlegt.
Die "Schlesische Jugend", deren inhaltlicher Schwerpunkt nach eigenen Angaben in der "kulturellen und politischen Bildungsarbeit" liegt, rückt mit den neuen Vorstandsmitgliedern Fabian Rimbach und Sabine Wolf weiter nach rechts, als es der "Landsmannschaft Schlesien" recht sein kann. Die SJ ist die eigenständige Nachwuchsorganisation der rund 200 000 Anhänger zählenden Landsmannschaft Schlesien - Nieder- und Oberschlesien e.V., die Mitglied im Bund der Vertriebenen (BdV) ist.

Gruppenbild mit Schlesien-Fahne und NPD-Funktionär

Seit mehreren Jahren gibt es personelle und strukturelle Verbindungen zwischen der "Schlesischen Jugend Thüringen" (SJ-Thüringen) und organisierten Neonazis. So nutzte zum Beispiel die ehemalige Neonazikameradschaft "Zukunft Perspektive Heimat" aus Bad Salzungen im Jahr 2007 dasselbe Postfach als Kontaktanschrift wie Fabian Rimbach als presserechtlich Verantwortlicher für das "Infoblatt der Schlesischen Jugend von Thüringen". Während Sabine Wolf seit Jahren freundschaftliche Kontakte zur ehemaligen Aktivistin der verbotenen "Heimattreuen Deutschen Jugend" (HDJ) Silvia Kirschner pflegt. Sie nahm auch an der ersten Wanderung der ehemaligen HDJ-Einheit Thüringen Ende 2008 in Eisenach teil.
Generell mangelt es nicht an Nähe zu neonazistischen Parteivertretern. Auf Bildern im Internet posiert zum Beispiel Hendrik Heller zusammen mit Mitgliedern der SJ-Thüringen für ein Gruppenbild mit Schlesien-Fahne. Der Bad Salzunger Hendrik Heller leitet im Landesvorstand der NPD unter anderem das Referat Umwelt- und Naturschutz.

"Kranzniederlegungen zum Volkstrauertag"

Doch auch im "Infoblatt" des SJ-Landesverbandes Thüringen finden sich Belege für Kontakte ins antidemokratische Milieu. Auf einem Gruppenfoto vom "Sommerfest der Schlesischen Jugend" 2008 steht die Ex-HDJlerin Silvia Kirschner mit ihrem Ehemann lächelnd neben Funktionären der SJ.
Die SJ scheint mit ihrem vielfältigen Programm attraktiv für ehemalige Anhänger der HDJ zu sein. So finden beispielsweise regelmäßig Zeltlager statt, auf denen neben Bogenschießen, Geländespielen und Volkstanz auch Vorträge stattfinden. Diese Lager werden oft in der "Heimat der Ahnen" (Schlesien) durchgeführt. Auch sonst dürften ehemaligen HDJlern Veranstaltungen wie "Tanz in den Mai"," Erntetanz" und "Kranzniederlegungen zum Volkstrauertag", sowie das gemeinsame Fahren zum größten Neonaziaufmarsch Europas am 13. Februar in Dresden bekannt vorkommen.
Ebenso gehört das Feiern der Sommer- und Wintersonnenwende zum Repertoire der SJ. So schrieb Sabine Wolf im "Infoblatt" der SJ-Thüringen unter der Überschrift "Flamme zum Himmel" einen Erlebnisbericht von der Sommersonnenwendfeier 2009, in dem sie über ein "Tausendjähriges Erleben" philosophierte. Dieses Erlebnis "strömt in unserer Herkunft und in unserem Blut. [...] schärft unseren inneren Sinn und erweckt neues Bewusstsein für all die Wurzeln, aus denen noch heute unsere Vorfahren zu uns sprechen."

Enge Zusammenarbeit im "Bündnis für Heimat"

Im Milieu der Gesinnungsvertriebenen sorgt die Schlesische Jugend jedoch schon seit längerem für Schlagzeilen. So unterzeichneten ihre Funktionäre im Sommer 2008 gemeinsam mit den "Jungen Witikonen", der Nachwuchsorganisation des rechtslastigen "Witikobundes", die so genannte "Cannstatter Erklärung". In dieser wird eine enge Zusammenarbeit zwischen den beiden Organisationen in einem neu geschaffenen "Bündnis für Heimat" forciert. Das erste Ergebnis dieser Allianz war die "1. Deutschlandpolitische Akademie", die Ende 2008 im Harz stattfand. Unter den vielen umstrittenen Referenten befand sich auch Ingeborg Godenau, die nicht nur Interviewpartnerin im NPD-Organ "Deutsche Stimme" war, sondern auch Spitzenkandidatin des extrem rechten "Bürgerbündnisses PRO Schwalm-Eder".
Mittlerweile distanziert sich selbst die konservative Landesgruppe Thüringen des BdV von der SJ-Thüringen. Trotzdem heißt es in einer Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage von Martina Renner (LINKE) zu "rechtsextremen Aktivitäten" der SJ, dass die "Schlesische Jugend bisher nicht öffentlichkeitswirksam durch rechtsextreme Aktivitäten in Erscheinung getreten" sei. Und das, obwohl den Behörden "Kenntnisse" über Kontakte zur lokalen Neonaziszene vorliegen.