Ostthüringer Zeitung vom 16.03.2010
Verfassungsschutz
besorgt über Neonazis
Fromm hält NPD trotz Finanzproblemen für "handlungsfähig"
- Agitation wird subtiler
Der Präsident
des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV), Heinz Fromm, hält die
rechtsextreme NPD trotz finanzieller Probleme für "handlungsfähig".
Zwar herrsche in der Parteikasse "Ebbe". Dies werde aber nach seiner
Einschätzung nicht dazu führen, dass die NPD "in ihrer Existenz
gefährdet wird". Der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz
warnte am Montag vor verstärkten Anwerberversuchen von Neonazis bei Jugendlichen.
Fromm sagte, die Zahl der NPD-Mitglieder sei im vergangenen Jahr gesunken. Auch
gebe es in der Partei anhaltende "interne Spannungen". Sie verfüge
aber "über eine gewisse Organisationskraft" und könne ihre
Anhänger mobilisieren.
Fromm verwies darauf, dass sich der Verfassungsschutz im Bereich des gewaltbereiten
Rechtsextremismus verstärkt mit den "Autonomen Nationalisten"
beschäfigen müsse. In den vergangenen Jahren sei "ein erhöhter
Zulauf zu dieser militanten Strömung im Neonazi-Lager zu verzeichnen".
Fromm fügte hinzu: "Regionale Schwerpunkte der Autonomen Nationalisten
finden sich im Ruhrgebiet und in Berlin."
Ihre Militanz sei "ein Faktor für die Eskalation der Gewalt zwischen
dem rechts- und linksextremistischen Lager".
Nach Ansicht des Vize-Leiters des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes,
Burkhard Freier, verändern allerdings viele Rechtsextremisten ihre Strategie
und suchen nicht mehr in erster Linie die offene Konfrontation. Vielmehr strebten
sie an, sich gleichsam durch die Hintertür in der Mitte der Gesellschaft
einzunisten. Agitation und Auftreten der Rechtsextremisten "werden deutlich
subtiler" und seien deshalb schwerer auszumachen.