NPD finanziert sich zur Hälfte aus Staatsgeldern
Die in mehrere
Skandale verstrickte NPD finanziert sich fast zur Hälfte aus staatlichen
Zuschüssen. Wie aus den am Dienstag vom Bundestag veröffentlichten
Rechenschaftsberichten hervorgeht, erhielt die rechtsextremistische Partei im
Jahr 2008 knapp 1,5 Millionen Euro aus der staatlichen Teilfinanzierung. Dies
entspricht einem Anteil von mehr als 48 Prozent an ihren Gesamteinnahmen. Im
Jahr 2007 lag die Finanzierung der Partei aus Steuergeldern noch bei 36,2 Prozent.
In dem Bericht für 2008 weist die NPD ihr Gesamtvermögen mit 3,3 Millionen
Euro aus. Einer der größten Posten dabei ist die Berliner Parteizentrale
mit einem Wert von über 500 000 Euro. Als Schulden gibt die Partei die
Summe von mehr als 2 Millionen Euro an. Bei einem Reinvermögen von derzeit
1,2 Millionen Euro droht der Partei nach Ansicht von Experten die Pleite, falls
die gerichtlich anhängigen Rückforderungen wegen falscher Angaben
in früheren Berichten bestätigt werden.
Sowohl die Bundestagsverwaltung als auch die NPD haben Berufung gegen ein Urteil
des Berliner Verwaltungsgericht eingelegt. Danach soll die Partei 1,27 Millionen
Euro Strafe zahlen. Das ist die Hälfte der ursprünglich vom Parlament
verhängten Sanktion von 2,5 Millionen Euro. Das Urteil des Oberverwaltungsgerichts
Berlin-Brandenburg dazu steht noch aus. Zudem hat die Staatsanwaltschaft in
Münster Anklage gegen den früheren NPD-Schatzmeister Erwin Kemna erhoben.
Dabei geht es um "wahrheitswidrige" Angaben in NPD-Rechenschaftsberichten
von 2002 bis 2006. Im Falle einer Verurteilung drohen der Partei weitere Strafzahlungen
von mehr als eine halbe Million Euro.
Laut Presseberichten hat auch der Thüringer NPD-Landesverband jahrelang
falsche Angaben über Einnahmen gemacht. Im Januar hatte die Staatsanwaltschaft
Frankenthal zudem Anklage gegen einen Anwalt und Wirtschaftsprüfer erhoben,
der in die NPD-Finanzaffäre verwickelt sein soll. Danach hat der Jurist
fehlerhafte Rechenschaftsberichte nicht sorgfältig genug geprüft.
Auf dieser Grundlage sollen der NPD 122 000 Euro zu viel aus Steuergeldern zugeflossen
sein.
Wie aus den Berichten für 2008 weiter hervorgeht, finanzieren sich auch
andere Parteien aus dem rechten Spektrum zum großen Teil aus öffentlichen
Mitteln. So betrugen diese Zuwendungen für die Republikaner 1,3 Millionen
Euro. Dies waren 35 Prozent ihrer Gesamteinnahmen. Bei der Deutschen Volksunion
(DVU), die rund 227 000 Euro bekam, lag der Staatsanteil bei 33 Prozent.