Thüringer Allgemeine vom 09.03.2010

ARNSTADT: Bürgermeister entschuldigt sich

Arnstadts Bürgermeister Hans-Christian Köllmer hat sich heute für den Massenmord-Vergleich entschuldigt, den er im Zusammenhang mit dem Umgang mit Juden im Nationalsozialismus und Rechtsextremen gezogen hatte. "Meine Aussage tut mir nicht nur leid, sondern sie ist komplett falsch", sagte Köllmer der "Thüringer Allgemeine". "Ich bezog mich mit dem Vergleich auf die Anfänge, auf die Ausgrenzung. In einem Gespräch mit Wolfgang Nossen, zu dem ich einen sehr guten, sogar freundschaftlichen Kontakt pflege, ist mir aber bewusst geworden, dass das nicht geht", sagte Köllmer.

"Beim Massenmord an der jüdischen Bevölkerung handelt es sich um ein Verbrechen, für das es keinen Vergleich gibt. Deshalb tut mir meine Wortwahl leid."

Von seinem ebenfalls kritisierten Vorhaben, Mitglied der Bewegung "Pro Deutschland" zu werden, die von einem ehemaligen NPD-Bundestagskandidaten geführt wird, will Köllmer aber nicht ablassen. "Alles, was erlaubt ist, muss und werde ich akzeptieren", sagt Köllmer, der Bezug auf ein Urteil nimmt, nachdem "Pro Deutschland" nicht gegen die Verfassung verstoße. "Mir sind die Rechtsextremisten genauso zuwider wie die Linksextremisten" - diese Haltung sei seinen Wählern bekannt. "Ich bin gewählt worden als Mitglied von Pro Arnstadt und als Person Hans-Christian Köllmer. Auch als Bürgermeister bin und bleibe ich die Person, mit allen Stärken und Schwächen." Sorgen, von Rechtsextremisten instrumentalisiert zu werden und damit der Stadt zu schaden, hat Köllmer nicht.

Diese Sorgen haben allerdings andere im Stadtrat vertretene Parteien. Die Arnstädter SPD bekräftigte gestern noch einmal ihre Rücktrittsforderung an Köllmer und kündigte andernfalls an, ein Abwahlverfahren in die Wege zu leiten. "Das ist ihr gutes Recht, aber wenn es tatsächlich dazu kommen sollte, werde ich sicher wieder antreten", reagiert der Bürgermeister auf dieses Ansinnen.