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Arnstadts
Bürgermeister Hans-Christian Köllmer kooperiert mit Vertretern der
ausländerfeindlichen Gruppe "Pro Köln". Er findet die Partei
nicht rechtsextrem - der Verfassungschutz sieht das anders.
Der Verein "Pro
Deutschland" - ein bundesweiter Ableger der rechtsextremen Gruppen "Pro
Köln" und "Pro NRW" - hat einen offenen Brief zur Unterstützung
des SPD-Politikers Thilo Sarrazin und dessen Äußerungen über
Ausländer geschrieben. Unterschrieben hat diesen Brief auch Hans-Christian
Köllmer, der Bürgermeister von Arnstadt.
Neben Köllmers Unterschrift stehen auch die Signaturen von Markus Beisicht
und Manfred Rouhs - Mitgliedern von "Pro Köln". Die ausländerfeindliche
Partei wird im nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzbericht unter "Rechtsextremismus"
geführt und entstand aus der neonazistischen "Deutschen Liga für
Volk und Heimat". Klagen der Partei gegen ihre Nennung im Verfassungsschutzbericht
blieben erfolglos. Zwar gewann "Pro Deutschland" einen entsprechenden
Prozess gegen den Hamburger Verfassungsschutz - aber dass der Kölner Manfred
Rouhs ihr Bundesvorsitzender ist, belegt, wie eng die Gruppe mit "Pro Köln"
zusammenhängt.
Der Arnstädter Bürgermeister gehört zu der Partei "Pro Arnstadt",
die bislang keine Verbindung zu den extrem rechten Namensvettern hatte. Neben
dem gemeinsamen Brief hat Köllmer aber noch engere Kontakte zu der Gruppierung:
Er trat auf deren Bundesversammlung im vergangenen Dezember in Berlin auf und
hielt dort eine Rede.
Die Gruppe wirbt auf ihrer Internetseite explizit mit Köllmers Bürgermeister-Amt
und seiner Partei "Pro Arnstadt". Es soll ein Beispiel sein für
den Erfolg der selbsternannten "Bürgerbewegung". Köllmer
bestätigte auf TA-Nachfrage die Verbindung. Er wolle "sehr wahrscheinlich"
auch Mitglied bei "Pro Deutschland" werden. Dass die Gruppe oder ihre
Kölner Ableger rechtsextrem seien, stritt er ab: "Diese Zuordnung
halte ich für falsch." In Deutschland würden heute "die
Rechten ausgegrenzt", so Köllmer. Er verglich das indirekt mit der
Judenverfolgung in der Nazi-Zeit: "Wird heute wieder ausgegrenzt, wie im
Dritten Reich die Juden?"
Als Bürgermeister hat sich Hans-Christian Köllmer bislang nicht besonders
gegen rechtsextreme Aufmärsche engagiert, anders als der Stadtrat. Seine
Beteiligung an überparteilichen Demonstrationen gegen Neonazis hat Köllmer
bislang meist mit Verweis auf die Teilnahme der Partei Die Linke verweigert.
Der Arnstädter CDU-Landtagsabgeordnete Klaus von der Krone wollte die Verbindungen
Köllmers nicht kommentieren, sagte aber: "Wenn das Rechtsextreme wären,
würde Herr Köllmer mit denen sicher nichts machen. Er wird das schon
einschätzen können."
Die Vizechefin der Linksfraktion, Martina Renner, sagte: "Ich will nicht
spekulieren, inwiefern Herr Köllmer rechtsextrem denkt. Aber so macht er
Antidemokraten salonfähig. Das ist besonders gefährlich, weil er als
Bürgermeister Vorbild im Kampf gegen Rechtsextremismus sein müsste."
Laut der SPD-Abgeordneten Eleonore Mühlbauer gibt es ein "Klima des
erstarkenden Rechtsextremismus in Arnstadt", das der Bürgermeister
verharmlose. SPD und Linke wollen die Verbindung zu "Pro Deutschland"
nun im Stadtrat zum Thema machen.