MDR vom 23.02.2010
Land erarbeitet
Programm gegen Extremismus
Politisch geprägte Gewalt
Thüringen
feilt an einem Landesprogramm gegen Extremismus. Am Dienstag haben sich etwa
50 Vertreter von Parteien, Verbänden, Gewerkschaften, Kirchen und anderen
Institutionen mit Thüringens Sozialministerin Taubert (SPD) getroffen,
um erste Eckpunkte des "Landesprogramms für Demokratie, Toleranz und
Weltoffenheit" festzulegen. Sie wollen bis September gemeinsam Vorschläge
erarbeiten, wie die Gesellschaft dem Extremismus wirksam entgegentreten kann.
Land will mit kleinen
Orten zusammenarbeiten
Taubert wies darauf hin, mit dem Programm alle Bevölkerungsschichten erreichen
zu wollen. Es sei wichtig, dass Einstellungen und Mentalitäten nicht nur
bei Jugendlichen, sondern quer durch alle Generationen geändert würden.
Eine Arbeitsgruppe solle in den kommenden Wochen Details dazu erarbeiten. Zudem
seien vier Regionalkonferenzen geplant, bei denen auch kleinere Initiativen
ihre Erfahrungen einbringen könnten, so Taubert. "Es ist wichtig,
dass auch kleine Orte mit ins Boot genommen werden. Das Programm muss auch in
der Fläche wirken, wo sich rechtsextreme Auffassungen breitmachen."
Im Juni und August soll die große Runde dann noch einmal zusammen kommen
und die Vorschläge diskutieren.
Vereine sollen
sich stärker vernetzen
Im Zuge der Entwicklung des Programms soll auch die Zusammenarbeit zwischen
Vereinen und Initiativen verbessert werden. Viele Gruppen wüssten nicht,
was die andere macht, daher sei es wichtig, sie miteinander zu vernetzten, erklärte
Taubert. Dadurch ließe sich auch feststellen, an welchen Stellen noch
Lücken im Netz existieren.
Der Streit über den Namen "Landesprogramm für Demokratie, Toleranz
und Weltoffenheit" spielte laut Taubert bei dem Treffen keine Rolle. Kritiker
hatten moniert, dass der Name den Kampf gegen den Rechtsextremismus verwässere.
Die Ministerin begründete die Entscheidung für den Titel damit, dass
sich möglichst alle Demokraten darunter finden können. Verfassungsschutzpräsident
Thomas Sippel betonte auf dem Treffen jedoch, dass die Gesellschaft derzeit
vor allem durch Rechtsextremisten bedroht sei.
Die Linke würdigte den sachlichen Charakter der Beratung. Die Abgeordnete Martina Renner kritisierte jedoch, dass das Programm vor allem von staatlichen und staatsnahen Institutionen erarbeitet werden soll. Außerdem sei noch unklar, wie viel Geld der Freistaat für die Umsetzung des Programms einplane.