MDR vom 23.02.2010
Thüringen
streitet um Extremismusprogramm
Rechte Gewalt spaltet Koalition
Am Dienstag beginnen
die Landtagsfraktionen mit der Arbeit am sogenannten Extremismusprogramm. Das
Programm für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit richtet sich gegen
politisch geprägte Gewalt. Gestritten wird, ob damit auch linke Gewalt
bekämpft werden soll.
Direkt nach der Landtagswahl in Thüringen haben die fünf Landtagsfraktionen
ein Landesprogramm gegen Extremismus beschlossen. Die konkrete Arbeit an dem
Programm beginnt heute.
Koalition streitet
über konkrete Ziele
Ein Programm für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit - so lautete der
Beschluss des Landtages im Herbst vergangenen Jahres. Die Fraktionen stimmten
dafür, strittig ist allerdings wogegen sich das Programm richtet. Der Streit
geht sogar so weit, dass er die schwarz-rote Koalition teilt. Die SPD will in
erster Linie gegen Rechts-Extremismus vorgehen, die CDU will auch den Links-Extremismus
in den Blick nehmen. So sagte Landtagsabgeordnete Beate Meißner, dass
Maßnahmen gegen Rechts Maßnahmen gegen Links nicht automatisch ausschließen
würden. Sie schlug zudem vor, die Erkenntnisse und Erfahrungen, die man
beim Bekämpfen von rechts- wie linksextremistischen Straftaten sammelt,
zu kombinieren.
Deutliche Kritik
an Gleichbehandlung
Die Gleichbehandlung von Links- und Rechtsextremen stößt allerdings
nicht überall auf Gegenliebe. So betrachtet der Politologe Roland Roth
das Konzept als wenig hilfreich und macht klare Unterschiede zwischen der Gewalt
von Rechts- und der von Linksextremisten. Vor allem die Tatsache, dass das rechte
Spektrum Teilen der Bevölkerung Menschenrechte abspricht, sie einschüchtert
und versucht zu vertreiben, sei eine Form, die sich im linken Spektrum nicht
finde. Auch das Bürgerbündnis Weimar ist gegen Gleichmacherei. Rebekka
Höfer-Dieckmann sagte, dass die Organisation sehr gut mit antifaschistischen
Strukturen zusammenarbeite.
SPD ist zuversichtlich
Die SPD ist trotz aller Debatten überzeugt, den Koalitionspartner CDU mit
ins Boot holen zu können. So erinnerte Landtagsabgeordneter Peter Metz
daran, dass Regierungschefin Christine Lieberknecht schon bei einer Gegendemonstration
zum Fest der Völker in Pössneck deutlich gemacht habe, dass sie dem
Landesprogramm zustimmen will. Das Programm wird vom SPD-geführten Sozialministerium
koordiniert und soll im Herbst fertig sein.