mdr vom 14.12.2009

"RechtsRock - Made in Thüringen"

Thüringen hat sich nach Einschätzung von Experten zum "Festivalland des Rechtsextremismus" entwickelt. Dies geht aus der nun aktualisierten Publikation "RechtsRock - Made in Thüringen" hervor, die von der Landeszentrale für politische Bildung herausgegeben wurde.

Wie die Landeszentrale am Montag mitteilte, hatten die Autoren Martin Langebach und Jan Raabe für die Neuauflage ihres Buchs die Neonazi-Festivals dieses Jahres analysiert. Allein zu dem von der NPD organisierten "Rock für Deutschland" waren im Juli etwa 4.000 Neonazis angereist - der größte Aufmarsch von Rechtsextremisten seit dem Jahr 1945 in Thüringen.

Die rechtsextremistische NPD und die sogenannten Freien Kameradschaften versuchten gezielt, populäre Musik für ihre Zwecke zu nutzen, stellen die Autoren fest. Dabei werde die Rechtsrock-Szene in Thüringen vielfältiger: Rechte Musiker treten demnach häufiger auch als Liedermacher und Schlagersänger auf. Die Mehrheit aber orientiere sich nach wie vor am "klassischen rechten Glatzenrock". Eine Vielzahl von Tonträgern sei in den vergangenen Jahren in Thüringen produziert beziehungsweise von Bands aus Thüringen eingespielt worden.
Teilnehmer einer NPD-Veranstaltung stehen unter einer Fahne mit dem Partei-Logo.
Die NPD nutzt auch ihre Verbindungen zu rechten Musik-Szene
Debatte um Landesprogramm

Die Studie befeuert die Debatte zwischen den Koalitionspartnern CDU und SPD um die Ausrichtung eines geplanten Landesprogramms gegen Extremismus. Für den SPD-Innenpolitiker Heiko Gentzel ist es "leider keine Überraschung", dass Thüringen als Hochburg des Rechtsrock eingeschätzt werde. Allein in der Gegend von Arnstadt seien in den zurückliegenden Wochen immer wieder Neonazi-Konzerte von der Polizei aufgelöst worden.

Gentzel mahnte, die Finanzquellen der Neonazis trockenzulegen und so rechtsextremen Musik-Herausgebern das Wasser abzugraben. "Es zeigt sich erneut, dass es gut und richtig war, ein Landesprogramm gegen Rechts zum Bestandteil des Koalitionsvertrags zu machen", sagte der SPD-Politiker. Er räumte dabei allerdings ein, dass es an vielen Stellen an Aufklärung und Wissen fehle, um effektiv gegen die rechte Musikszene vorgehen zu können.

Der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Fiedler betonte, die Koalition habe kein Landesprogramm gegen Rechts, sondern ein Programm für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit beschlossen. Diese Werte würden nicht allein von rechten Extremisten in Frage gestellt. "Die törichte Parole 'Kampf gegen Rechts' lehnt die CDU ausdrücklich ab", sagte Fiedler. Es gebe linke und rechte Extremisten.