Thüringen: Diskussion um Kandidatur des vorbestraften NPD-Landeschefs Schwerdt
Zur Landtagswahl
am 30. August 2009 sind nach Angaben des MDR in Thüringen neun Parteien
zugelassen. Das teilte demnach der Landeswahlleiter Günter Krombholz mit.
Damit nehmen an der Wahl fünf Parteien weniger teil als noch 2004. Neben
den fünf im Landtag beziehungsweise im Bundestag vertretenen Parteien CDU,
SPD, Linke, FDP und Bündnis 90/Die Grünen wurden noch die Freien Wähler,
die Ökologisch-Demokratische Partei (ödp), die Republikaner und die
NPD zur Wahl zugelassen.
Diskussionen gab es laut MDR im Landeswahl-Ausschuss um den Spitzenkandidaten
der neonazistischen NPD, Frank Schwerdt. Ein Ausschussmitglied hatte dafür
plädiert, Schwerdt nicht zur Wahl zuzulassen, weil dieser wegen Volksverhetzung
verurteilt ist. Landeswahlleiter Krombholz erklärte den Angaben zufolge
jedoch, ein Ausschluss sei laut Landeswahlgesetz nur dann erlaubt, wenn ein
Richter feststelle, dass ein Kandidat nicht die Fähigkeit zur Bekleidung
öffentlicher Ämter besitze. Das sei aber beim NPD-Vorsitzenden nicht
geschehen.
Zuvor hatte der Landesverfassungsschutz mitgeteilt, er halte die rechtsextreme
Partei trotz ihrer Finanzprobleme für kampagnenfähig. Ein Sprecher
des Amtes sagte, offenbar konzentriere die NPD ihre noch vorhandenen Mittel
zum Großteil auf Thüringen. Zudem überraschte die NPD mit der
Nachricht, flächendeckend Direktkandidaten ins Rennen schicken zu können.
Die NPD hatte 2008 in Thüringen deutlich an Mitgliedern verloren. Wie aus
dem Bericht des Verfassungsschutzes hervorging, sank die Zahl der NPD-Mitglieder
in dem Bundesland auf deutlich unter 500, 80 weniger als 2007. Die Partei sei
zerstritten, es gebe große personelle Auseinandersetzungen, resümierte
Thüringens Innenminister Manfred Scherer (CDU) im Mai 2009. Andere rechtsextremistischen
Parteien wie die DVU würden mit nur noch 50 Mitgliedern seit längerem
ein politisches Schattendasein führen, die "Deutsche Partei"
sei völlig in der Bedeutungslosigkeit verschwunden.
"Kampf um die Straße" statt "Kampf um die Parlamente"
Die NPD will bei
der Landtagswahl am 30. August 2009 in Thüringen in den Landtag einziehen.
In den vergangenen Monaten lag die Neonazi-Partei bei Umfragen zwischen zwei
und gut vier Prozent - trotz der massiven Grabenkämpfe. NPD-BLOG.INFO sprach
mit Max Bauer von der Jugend,- Aktions- und Projektwerkstatt Jena über
die Situation in Thüringen und speziell in Jena. Er betonte, die Neonazis
setzten verstärkt auf den "Kampf um die Straße". Zudem
hob er die Erfolge durch zivilgesellschaftlichen Protest gegen die Neonazis
hervor.