Thüringische Landeszeitung vom 01.12.2009

Alter Gutshof hat neue Besitzer

Die Städtische Wohnungsgesellschaft Eisenach hat das Grundstück Rothenhof 7 verkauft. Bei dem alten Gutshof, der von der Eisenacher Fabrikantenfamilie August Wallmeyer 1918 zu Wohnzwecken wieder hergestellt wurde, handelt es sich um ein geschütztes Einzeldenkmal.

Die schöne Anlage, eingebettet in rund 10 000 Quadratmeter Grundfläche, litt insbesondere in den Jahren nach der friedlichen Revolution. In der DDR war dort die Verwaltung eines volkseigenen Betriebes untergebracht, was dem Grundstück zwar nicht zu blühender Schönheit verhalf, aber zumindest mit instand haltenden Arbeiten verbunden war. Nach der Wende hauste ein Schrotthändler mehr schlecht als recht auf dem Hof, der zunehmend verfiel. Nun hat er neue Besitzer.

Ihre Familie habe sich in den Gutshof verliebt, sagte Stefanie Schenke der TLZ. Die Hausfrau will dort mit ihrem Mann Mark Schenke, von Beruf Bauingenieur, und ihren drei Kindern wohnen. Der Verkauf ist bereits perfekt.

Hohe Auflagen

Mark Schenke, der in Eisenach bereits ein Haus am Frauenplan sanierte, hat keine Angst vor der neuen Aufgabe, die ganz sicher mit hohen Denkmalschutzauflagen verbunden sein wird. Ihm sei klar, sagte er, dass die Sanierung nicht auf die Schnelle erfolgen könne. Das Haupthaus sei rohbaumäßig jedoch in einem guten Zustand, das könne für die Familie hergerichtet werden. Die Seitengebäude, einst Gesindehaus und Remise, will er vorerst im Bestand sichern. Gegebenenfalls wolle er das Gesindehaus "in Teilen als Eigentumselemente verkaufen", um Kapital für das Haupthaus zu schaffen. Am Ende mit seinen Überlegungen sei er jedoch noch nicht, sagte er der TLZ auf Anfrage.

Entschieden verwahrten sich Stefanie und Mark Schenke dagegen, sie wollte den Gutshof zur Wanderherberge nationalistisch-völkischer Kräfte ausbauen, wie das von der Mobilen Beratung in Thüringen für Demokratie - gegen Rechtsextremismus (Mobit) vermutet wird.

Stefanie Schenke betrachtet das "als schlechten Scherz" und spricht von übler Nachrede, gegen die man sich schlecht wehren könne. Es gehe darum, den Gutshof wieder herzurichten, was sicher auch eine Bereicherung für den Ort Rothenhof werde.

Mark Schenke spricht von "Diffamierungskampagne" und führt sie darauf zurück, dass er bis zum Jahr 2000 für die "Junge Freiheit" schrieb, die er ein national-konservatives Blatt nennt, der jedoch auch nachgesagt wird, Sprachrohr der "Neuen Rechten" mit einer "Scharnier-" oder "Brückenkopf"-Funktion zwischen demokratischem Konservatismus und Rechtsextremismus zu sein. Mit einer bei der JF heute noch tätigen freien Autorin war er verheiratet. Die wiederum schrieb auch schon über das in Hessen beheimatete Ehepaar Baunack. Vater Friedrich, ehemals bei den Republikanern, ist als Liedermacher in NPD-Kreisen bekannt. Seine Tochter ließ sich dann als neue Mieterin im Haus von Familie Schenke in Eisenach nieder.

Der Mietvertrag mit ihr werde Ende des Monat beendet. Im Haus würden dann Ferienwohnungen angeboten, so Mark Schenke.

Über diese Bekanntschaften, die gänzlich unpolitisch seien, wolle sie nicht "in Sippenhaft" genommen werden, wehrt sich Stefanie Schenke. Und aus dem Rothenhof 7, so ihr Mann Mark, solle keine Wanderherberge werden: "Wir sind nicht völkisch-national".