Thüringer Allgemeine vom 28.10.2009

Die Zeichen deuten

Wiehe wehrt sich vehement gegen das Image, Heimstatt zahlreicher Rechtsradikaler zu sein. Wie ernst es den Bewohnern der Rankestadt damit ist, zeigte sich bei einer Infoveranstaltung im Saal des Stadtparks, bei dem Mobit darüber aufklärte, woran man eigentlich Rechtsradikale erkennt.

Christian Rühl und Katja Fiebiger von Mobit, der Mobilen Beratung in Thüringen für Demokratie und gegen Rechtsradikalismus, konnten es auch bei der zweiten Veranstaltung in Folge in Wiehe immer noch nicht fassen: "Wenn wir in Erfurt solche Infoabende anbieten, dann kommen vielleicht zehn Mann. Und hier? Schauen sie selbst. . ."

Katja Fiebiger zeigte lächelnd in den großen Saal des "Stadtparks" in Wiehe, in dem sich mit Sicherheit wieder mehr als 50 Bewohner der Rankestadt eingefunden hatten. "Wir bieten hier eine ganze Reihe von Vorträgen an, um über Rechtsradikalismus in Thüringen zu unterrichten", sagte die Organisatorin des Abends. Bereits im September wurden im Rahmen einer ähnlich gut besuchten Veranstaltung die Grundlagen vermittelt, dieses Mal nun ging es um ein besonders kniffliges Thema. "In den 90-er Jahren konnte man Rechtsradikale relativ leicht an ihrer uniformen Erscheinung erkennen", meinte Christian Rühl in seinem Vortrag. Heute sei das ungleich schwieriger. Daher sollte in dem Vortrag darauf eingegangen werden, welche Indizien dafür sprechen, dass die eigenen Kinder oder Schüler in rechten Kreisen verkehren.

"Es hat sich ein regelrechtes Versteckspiel entwickelt. Andeutungen und Adaptionen von politisch unbedenklichen Jugendkulturen machen es schwer, Neonazis klar zu erkennen", so Rühl.

Nur die wenigstens würden sich mit strafrechtlich relevanten Symbolen in der Öffentlichkeit zeigen. Statt dessen werde viel verklausuliert. So stünden die Zahlen 18 und 88 für die Buchstaben AH beziehungsweise HH, was wiederum die Initialien von Adolf Hitler beziehungsweise die Kurzform des Hitlergrußes sei.

Auch bei den Bekleidungsmarken, für die sich der Nachwuchs begeistert, lasse sich einiges ableiten. Seien Lonsdale oder Fred Perry zwar Marken, die in der Szene beliebt, aber nicht zwangsläufig dort zu verorten seien, wäre die Sache bei Thor Steinar, Constaple oder Masterrace ganz klar - sie haben einen eindeutig rechtsextremen Hintergrund.

Der sich auch dadurch ausdrücke, dass sie besonders häufig Symboliken aus der Neonaziszene in ihre Designs einfließen lassen: Germanische Runne, den Thorshammer, das Sonnenrad oder das Zahnrad, das als einstiges Symbol der Deutschen Arbeiterfront nicht verboten sei und deshalb viel verwendet wird. Ebenso das Keltenkreuz, die weiße Faust, die immer wieder als Autoaufkleber gesehen wird, oder der Adler, der den Christenfisch in den Klauen hält. Immer wieder murmelten die Besucher im Saal, wenn sie Symbole erkannten, die in Wiehe zur Schau getragen werden. Für die Neonazis wird es künftig schwerer, sich zu verstecken.