Spiegel online vom 10.09.2009
Bayern will NPD verbieten lassen
Droht der Union
ein Streit über das Vorgehen gegen Rechts? Bayerns Innenminister Herrmann
will ein neues Verbotsverfahren gegen die NPD einleiten - damit stellt er sich
gegen die CDU-Linie. Und gegen Innenminister Schäuble, der einem solchen
Verbotsversuch wenig Chancen gibt.
München - Wahlerfolge für die NPD wie zuletzt in Sachsen sollen nach
dem Willen von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann künftig nicht mehr
möglich sein: Bayern will einen neuen Versuch starten, die rechtsextremistische
NPD verbieten zu lassen, und dafür bis zum kommenden Sommer eine Klage
vor dem Bundesverfassungsgericht vorbereiten. Das kündigte der CSU-Politiker
Herrmann in der "Süddeutschen Zeitung" an. "Bayern möchte
dem Treiben der NPD nicht zusehen, bis sich diese Verfassungsfeinde in der Republik
etabliert haben."
Die CSU schert damit aus der Phalanx der unionsregierten Länder aus, die
bisher einen erneuten Anlauf für ein Verbotsverfahren ablehnten. Bayern
geht damit zudem auch auf Konfrontationskurs zu Bundesinnenminister Wolfgang
Schäuble (CDU), der ein zweites Verfahren gegen die NPD für nicht
aussichtsreich hält und entsprechende Pläne der SPD-Innenminister
im Mai als "unseriös" kritisiert hatte. "Wir müssen
da notfalls in der Union eine klare Debatte führen, auch mit Wolfgang Schäuble",
sagte Herrmann.
Herrmann betonte, er wolle "mit allen guten Willens" zusammenarbeiten
und nannte ausdrücklich die SPD-Innenminister aus den Ländern. Er
habe für sein Vorgehen "die volle Rückendeckung durch meinen
Ministerpräsidenten Horst Seehofer", sagte Herrmann.
Bundestag, Bundesrat und Bundesrat waren im März 2003 mit ihren Verbotsanträgen
gegen die rechtsextremistische NPD gescheitert. Die Richter stellten das Verfahren
damals wegen zu vieler V-Leute in der NPD ein. Das Problem der Verfassungsschutzspitzel
in den Vorständen der Partei sei ein "nicht behebbares Verfahrenshindernis",
hieß es damals. In den Verbotsanträgen waren den Richtern die Aussagen
von V-Leuten als normales Belastungsmaterial vorgelegt worden.
Seit 2003 habe sich die Situation geändert, betonte Herrmann. "In
Lörrach hat ein NPD-Mann Sprengstoff gehortet und einen Anschlag geplant.
Bei uns in Bayern hat ein NPD-Kreisvorsitzender einen Brasilianer überfallen.
In Thüringen bedroht die NPD-Spitze den dortigen Integrationsbeauftragten
Zeca Schall, weil er eine dunkle Hautfarbe hat. Solche Dinge bestimmen den Alltag
der NPD, Gewalt wird von der Partei wohlwollend geduldet. Das macht sie gefährlich.
Ob da ein V-Mann im Vorstand sitzt, das interessiert doch einen Bombenbauer
wie in Lörrach nicht", sagte der Innenminister.