Ostthüringer Zeitung vom 17.03.2009
Platzverweis
für die 88 auf dem Trikot
Wenn Rechtsextreme im Sport aktiv werden
Ronneburg. Nach
der Boxveranstaltung am vorvergangenen Wochenende fiel die Bilanz der Polizei
positiv aus - keine Vorkommnisse. Der veranstaltende Verein Eastfight e.V. jedoch
steht wegen Verbindungen zu Geschäften der rechten Szene weiter unter Beobachtung
des Staatsschutzes. Von der mobilen Beratung in Thüringen (Mobit) wird
der Verein als rechtsextrem eingestuft. In der Stadtverwaltung Ronneburg sprach
man im Vorfeld von Spekulationen.
Was können Bürgermeister und Verwaltungen tun, wenn es auf dem Sportplatz
politisch zur Sache geht? Unsere Zeitung sprach mit Steffen Harzer (PDS/Linke),
Bürgermeister von Hildburghausen. Harzer wurde tätlich angegriffen,
als er versuchte ein nicht angemeldetes Fußballturnier von Neonazis auf
einem stadteigenen Spoprtplatz zu unterbinden.
Herr Harzer,
wie geht es Ihnen gesundheitlich?
Danke. Mir
geht es wieder gut.
Und wie sieht
es in Ihnen aus?
Die Rechtsextremisten
haben danach versucht, Druck aufzubauen. Gerade psychisch. Aber ich bin kein
ängstlicher Mensch. Hildburghausen bleibt aktiv. Alle demokratischen Kräfte
müssen ihre Stimme gegen den Rechtsextremismus erheben.
Was empfehlen
Sie Bürgermeistern, wenn die eine rechte Unterwanderung von Sportvereine
bemerken?
Sie sollten sich die Vereine, ihre Satzungen und die Mitglieder genau ansehen
und sich bei Verdacht auf rechtsextremes Gedankengut weitere Informationen einholen
u.a. vom Verfassungsschutz, Mobit etc.
Wer kann bei
Sportvereinen behilflich sein?
Der Landessportbund (LSB) sollte der erste Ansprechpartner sein. Rechtsextremes
Gedankengut im Sport ist mit der Satzung des LSB und damit mit der Mitgliedschaft
im LSB nicht vereinbar. Damit werden solche Vereine auch nicht in den Spiel-
und Liga-Betrieb aufgenommen. Man sollte sich auch an das Finanzamt wenden,
damit den Vereinen die Gemeinnützigkeit aberkannt wird. Dazu gibt es einen
Beschluss der Innenministerkonferenz aus dem vergangenen Jahr.
Und was kann
eine Stadt konkret selbst tun?
Den Nazis nicht die städtischen Turnhallen und Sportplätze zur Verfügung
stellen. Dafür müssen jedoch Satzungen geändert werden. Dabei
hilft der LSB.
Was kann man
in eine Satzung aufnehmen?
Dort kann man zum Beispiel regeln, dass es verboten ist, auf dem Platz mit Kleidungsmarken
und Symbolen der Szene aufzulaufen und entsprechende Propaganda und Musik nicht
zuzulassen. Das fängt schon auf dem Trikot an, etwa wenn dort eine 88 aufgedruckt
ist. Sieht harmlos aus, steht aber für den Hitlergruß. Zu Zeichen
und Symbolen der rechtsextremen Szene gibt es auch umfangreiches Material vom
der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen.
Wie ist es bei
Ihnen in Hildburghausen weitergegangen?
Wir haben unsere Benutzungssatzungen geändert. Und nach dem Vorfall 2008
haben sie es nicht wieder versucht. Das zeigt: Man muss Nazis die Zähne
zeigen.