Ostthüringer Zeitung vom 14.09.2009

Friedlicher Protest gegen Rechts
Weniger Demonstranten in Pößneck - Brandanschläge gegen Bahn - Bombendrohung gegen Autobahntunnel

Mit einer Meile der Demokratie, mehreren Sitzblockaden und teils spontan angemeldeten Demonstrationen wurde am Samstag weitestgehend friedlich gegen das vierte "Fest der Völker" der rechtsextremen NPD protestiert. Dieses fand nach Auflagen in Jena und Altenburg erstmals in Pößneck statt.

Während Luise Zimmermann vom Aktionsnetzwerk gegen Rechtsextremismus Jena von einer erfolgreichen Behinderung der Neonazi-Veranstaltung sprach, äußerten sich die politisch Verantwortlichen vor Ort erleichtert darüber, dass die im Vorfeld befürchteten Auseinandersetzungen zwischen gewaltbereiten Anhängern der linken und rechten Lager ausblieben. Es waren auch weit weniger Demonstranten in die Stadt gekommen. Nach polizeilichen Angaben hatte die NPD weniger als 500 Gäste bei erwarteten 1500. Gegen das Rechtsrockkonzert hatten nach offiziellen Angaben etwa 800 Menschen demonstriert, dem Aktionsnetzwerk zufolge über 1000, aber auch so weniger als angekündigt.

Landrat Frank Roßner (SPD) stellte die Meile der Demokratie örtlicher Initiativen, Einrichtungen und Vereine als "eindeutig größte Veranstaltung" heraus. Dieses hätten geschätzte 1500 Besucher, darunter thüringische Spitzenpoliti- ker, aufgesucht und hier sei auch "das erste und das letzte Wort gesprochen" worden. Bürgermeister Michael Modde (FW) kündigte an, dass Pößneck und Jena künftig auch ohne Anlässe wie die NPD-Schaffe vom Samstag "Feste der Demokratie" feiern werden.

Mehr Demonstranten in Pößneck sollen auch die Einschränkungen des Bahnverkehrs in Ostthüringen verhindert haben, zu denen es Samstagvormittag nach kleinen Brandanschlägen auf Bahnanlagen bei Saalfeld kam. Diese hatten unbekannte Täter in der Nacht zum Samstag verübt. Mehrere Brandsätze, die nicht gezündet hatten, wurden von Spezialisten des Landeskriminalamtes und der Bundespolizei entschärft. Der Staatsschutz ermittelt.

Auch der Autobahntunnel bei Jena war Samstagvormittag nach einer Bombendrohung über Stunden gesperrt worden. Gefunden wurde eine Bombenattrappe.