Neues Deutschland vom 07.08.2009
Getrennt
marschieren oder nur regionale Chancen nutzen - NPD, REP und DVU im Wettbewerb
WAHLPROGNOSEN: RECHTSAUßEN IN PROZENTEN
Von Carsten Hübner
Rechtsaußen
tritt an. Nicht nur auf den Straßen, sondern auch beim Kampf um die Stimmen
zu den Landtagswahlen sowie der Bundestagswahl wollen die Extremisten mitmischen.
Auch gegeneinander.
Nach der vorzeitigen Aufkündigung des "Deutschlandpaktes" zwischen
NPD und DVU, der Konkurrenzkandidaturen bis Ende des Jahres ausschließen
sollte, treten bei den anstehenden fünf Landtags- und der Bundestagswahl
nahezu überall mehrere Rechtsparteien gegeneinander an. Verfassungsschützer
halten deshalb sowohl den Wiedereinzug der NPD in Sachsen als auch der DVU in
Brandenburg für fraglich.
Als einzige Partei der extremen Rechten tritt die NPD bei der Bundestagswahl
am 27. September in allen Ländern mit einer eigenen Landesliste an. Trotz
massiver Finanzprobleme, immer wieder aufflammender Personalquerelen und Richtungsausauseinandersetzungen
gilt sie derzeit als aussichtsreichste Rechtsaußenpartei. Bei der Wahl
vor vier Jahren holte sie bundesweit 1,6 Prozent der Stimmen und lag damit erstmals
deutlich vor den Republikanern (REP) mit 0,6 Prozent. Hochburgen der NPD waren
damals Sachsen (4,8 Prozent), Thüringen (3,7 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern
(3,5 Prozent) und Brandenburg (3,2 Prozent). Ihr bestes Ergebnis in Westdeutschland
erzielte sie im Saarland (1,8 Prozent).
Die REP, über viele Jahre die bei bundesweiten Wahlen stärkste Kraft
im rechten Parteienspektrum, reichten diesmal nur in elf Ländern Landeslisten
ein. Nicht zu wählen sind sie in Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen,
Sachsen-Anhalt und im Saarland, wo die NPD diesmal als einzige der drei größeren
Rechtsparteien antritt. Denn auch die DVU verzichtet an der Saar auf eine Kandidatur.
Sie überlässt der NPD bei der Bundestagswahl zudem ihre Hochburgen
Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen.
Nicht zurückstecken wird die DVU hingegen in Brandenburg, wo gleichzeitig
der Potsdamer Landtag neu gewählt wird. Hier sitzt sie bereits in der zweiten
Legislaturperiode als Fraktion im Parlament. Deren Fortbestand wird als entscheidender
Indikator angesehen, ob die von Mitgliederschwund und Überalterung gekennzeichnete
Partei die aktuelle innerparteiliche Umbruchsphase überhaupt übersteht.
Der mit dem Ende des Deutschlandpaktes beschlossene Antritt der NPD wird vor
diesem Hintergrund als Versuch gewertet, der DVU den Garaus zu machen. Bei der
Europawahl im Juni war sie gerade noch auf 0,4 Prozent gekommen. Selbst in Brandenburg
blieb sie mit 1,7 Prozent weit hinter den eigenen Erwartungen zurück.
Für die ebenfalls am 27. September stattfindende vorgezogene Landtagswahl
in Schleswig-Holstein endet die Abgabefrist der Landeslisten erst am 21. August.
Rund eine Woche später, am 30. August, rufen Sachsen, Thüringen und
das Saarland ihre Wähler zu den Urnen. In Sachsen schaffte die NPD im Jahre
2004 mit 9,2 Prozent den Einzug in den Landtag, den sie in diesem Jahr wiederholen
will. Im Saarland (2004: 4 Prozent) und in Thüringen (2004: 1,6 Prozent)
rechnet sie sich gute Chancen aus, zumindest in die Nähe der 5-Prozent-Hürde
zu gelangen. In keinem der drei Länder wird ihr dabei die DVU in die Quere
kommen, die laut ihres neuen Vorsitzenden Matthias Faust die "bewusste
Entscheidung" getroffen habe, dort nicht anzutreten.
Anders hingegen die REP, die für Thüringen (2004: 2,0 Prozent) und
Sachsen (2004: 0,2 Prozent) eigene Listen aufgestellt haben. Ziel sei "die
Stabilisierung der Republikaner als feste Größe in der politischen
Landschaft", so der sächsische REP-Spitzenkandidat Toralf Grau. Bei
der Europawahl im Juni hatte die Partei in beiden Freistaaten über zwei
Prozent gelegen. Zudem bewerben sich in Sachsen auch die rechten Kleinparteien
"Freiheitliche Partei Deutschlands" und die "Sächsische
Volkspartei" des ehemaligen NPD-Landtagsabgeordneten Mirko Schmidt.