MDR vom 14.11.2009
Protest gegen Neonazi-Aufmarsch
Hunderte Arnstädter
haben am Sonnabend gegen einen Nazi-Aufmarsch in ihrer Stadt protestiert. Dazu
hatten verschiedene Bündnisse aufgerufen. Nach Angaben der Polizei waren
am Nachmittag etwa 100 Neonazis anlässlich des Volkstrauertages vom Hauptbahnhof
aus durch die Stadt gezogen.
Seit dem Mittag hatten sich hunderte Gegendemonstranten zu verschiedenen Kundgebungen und Aktionen versammelt, unter anderem auf dem Holzmarkt und dem Hauptfriedhof. Zudem hielten sie ein Friedensgebet in der Himmelfahrtskirche ab.
Die Polizei war
mit einem Großaufgebot in der Stadt präsent, um Ausschreitungen zu
vermeiden. Die Stadt hatte zudem ein Alkoholverbot ausgesprochen und zahlreiche
Vorkehrungen getroffen. So wurden den Demonstranten strenge Auflagen erteilt
und auch das Kriegerdenkmal verhüllt, vor dem sich die Neonazis versammeln
wollten.
Im Thüringer
Ort Pößneck hatte das Landratsamt Saale-Orla-Kreis unterdessen einen
für Sonnabend geplanten "Trauermarsch" der NPD für den Ende
Oktober verstorbenen rechtsextremen Aktivisten Jürgen Rieger verboten.
Die Sicherheit der Öffentlichkeit sei nicht gewährleistet, so die
Begründung. So stünden nicht genügend Polizeikräfte bereit,
um etwaige Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Gegendemonstranten
zu verhindern. Laut Landratsamt wollte die NDP mit etwa 800 Teilnehmern in Pößneck
aufmarschieren. Ein "Lokaler Aktionsplan für Vielfalt" hatte
eine Gegenveranstaltung mit etwa 500 Teilnehmern angekündigt.
Schützenhaus Pößneck
Die NPD wollte
sich vor dem "Schützenhaus" in Pößneck versammeln,
welches Eigentum der von Rieger gegründeten und von ihm kontrollierten
Wilhelm Tietjen Stiftung Ltd ist. Die Stadt Pößneck hat nach dem
Tod Riegers den Zugang zur Immobilie gesperrt, nach eigenen Angaben zur Sicherung
der Ansprüche von Riegers Erben. Die NPD versucht indes, die Kontrolle
über das Gebäude zu erlangen. Nach Medienberichten soll ein Rechtsanwalt
aus Sachsen im Auftrag des NPD-Bundesvorstandsmitglieds Thomas Wulff Ansprüche
auf das Haus angemeldet haben.
Diskussionen um neues NPD-Verbotsverfahren
Zwischen Koalition und Opposition in Thüringen ist unterdessen eine neue Diskussion über ein NPD-Verbotsverfahren entbrannt. So forderte die Thüringer SPD-Landtagsfraktion den Thüringer Innenminister Peter Huber (CDU) auf, sich zu einem neuen NPD-Verbotsverfahren zu bekennen. Ein klares Signal aus Thüringen für ein neues NPD-Verbotsverfahren sei "überfällig", sagte der SPD-Abgeordnete Peter Metz am Freitag. Er erinnerte daran, dass sich der neue Landtag bereits einmütig für einen solchen Schritt ausgesprochen habe. Diesem Ansinnen müssten nun auch Taten folgen. Der Sprecher des Thüringer Innenministeriums, Bernd Edelmann sagte, diese Forderung sei "längst Sachstand", sagte er. Minister Huber sei für ein neues Verbotsverfahren, wenn es Aussicht auf Erfolg habe.