Freies Wort vom 13.08.2009
Ermittlungen gegen Thüringer NPD eingeleitet
Die Staatsanwaltschaft hat nach den NPD-Attacken auf den dunkelhäutigen CDU-Wahlhelfer Zeca Schall Ermittlungen gegen die Thüringer NPD eingeleitet. Geprüft werde der Verdacht auf Volksverhetzung, Beleidigung und versuchte Nötigung, sagte ein Sprecher der Meininger Behörde am Donnerstag.
Die CDU hatte Strafanzeige
gestellt, nachdem NPD-Wahlkampfleiter Patrick Wieschke in einer Mitteilung angekündigt
hatte, Schall solle in einem "Gespräch" von der NPD "zur
Heimreise animiert" werden.
Als NPD-Mitglieder am Mittwoch in Schalls Wohnort Hildburghausen auftauchten,
erhielten sie nach Polizeiangaben Platzverweise für die Gasse, in der er
wohnt. Nach Angaben der Partei vom Donnerstag war an diesem Tag auch ihr Bundesvorsitzender
Udo Voigt in Hildburghausen. Die NPD erneuerte in der Mitteilung ihre Absicht
zu dem "Gespräch", das auf die nächsten Tage oder Wochen
"verschoben" werden solle. Schall steht weiter unter Polizeischutz.
Die Staatsanwaltschaft sagte zunächst nicht, gegen wen sie im einzelnen
ermittele. Der NPD-Wahlkampfleiter ist unter anderem wegen Anstiftung zu einem
Sprengstoffanschlag vorbestraft. Er war im Mai 2002 zu zwei Jahren und neun
Monaten Haft verurteilt worden, weil er einen 16-Jährigen zu einem Anschlag
im Jahr 2000 auf einen Döner-Imbiss in Eisenach angestiftet hatte. Dabei
war eine Scheibe des Imbisses zerstört und eine Tür beschädigt
worden. Der türkische Geschäftsinhaber hatte vor dem Anschlag rechtsextremistische
Flugblätter in seinem Briefkasten gefunden. (dpa)