FR-online vom 12.07.2009

"Rock für Deutschland": 4000 Neonazis feiern in Gera

Nahezu 4000 Rechtsextreme haben sich am Samstag in Gera zur laut Innenministerium bisher größten Veranstaltung dieser Art in Thüringen getroffen. Rund 700 Gegendemonstranten protestierten mit Transparenten wie "Gera - bunt, tolerant, weltoffen" gegen die "Rock für Deutschland" betitelte Rechten-Veranstaltung. Es sei relativ friedlich geblieben, teilte die Polizei mit.

Eingeladen hatte zwar die rechtsextreme NPD, der Parteivorsitzende Udo Voigt stand auf der Rednerliste - im Zentrum des seit 2003 jährlich stattfindenden Neonazi-Festivals standen aber Bands wie Die Lunikoff-Verschwörung, Brainwash, Sleipnir und Blitzkrieg. Ein Sprecher des Thüringer Innenministeriums sagte, der Zulauf sei "ein weiterer Beleg dafür, welche Schlüsselrolle Musik für die rechte Szene spielt".

Der Rechtsrock-Experte Christian Dornbuch hatte es vor dem Festival in der Ostthüringer Zeitung als "Armutszeugnis" bezeichnet, dass in Gera ein solches Nazi-Großereignis über Jahre möglich sei. Dies sei eine Katastrophe für das Renommee der Stadt. In Jena, wo die NPD ein "Fest der Völker" für zehn Jahre angemeldet hatte, habe die Zivilgesellschaft mittlerweile den Neonazis den Ort unleidlich gemacht, so Dornbuch.

In Gera beklagte das Antifaschistische Aktionsbündnis, ein Politiker der Wählervereinigung AFG habe Demonstranten gegen Rechts als "Gesocks" und "Viehzeug" bezeichnet, die SPD von "Chaoten" gesprochen. Die Stadt hatte nach eigenen Angaben die Möglichkeit eines Verbots der NPD-Veranstaltung geprüft, dafür jedoch keine rechtliche Handhabe gesehen. (dpa/olk)