endstation rechts vom 29.05.2009

Heillos zerstritten: Ex-NPD´ler im Wahlkampf gegen die ehemaligen Kameraden

In der „Deutschen Stimme“ bekräftigt der NPD-Spitzenkandidat für die thüringische Landtagswahl, Frank Schwerdt, dass er fest vom Einzug in den Landtag überzeugt sei. Auch bei den Kommunalwahlen tritt Schwerdt an und erklärt, sich als „bürgernahe Kontrollinstanz“ zu verstehen. Dabei kursieren im Internet Spekulationen, die daran zweifeln, dass Schwerdt tatsächlich in Erfurt wohnt. Die Vorwürfe kommen von einem ehemaligen Kameraden.

Im Interview mit dem NPD-Organ „Deutsche Stimme“ (DS) gibt sich Schwerdt noch siegessicher: „Es gibt keinen ernsthaften Beobachter in Thüringen“, so der NPD-Justitiar und Spitzenkandidat für die Landtagswahl, „der am Einzug der NPD in den Landtag zweifelt.“ Zum Zeitpunkt des Interviews mit dem neuen Chefredakteur des Blattes, Karl Richter, dürfte Schwerdt auch noch nicht die neueste Umfrage des IfM Leipzig gekannt haben. Die sieht alle rechten Parteien nur noch bei 3 Prozent – ein Einzug in den Landtag wäre damit in weiter Ferne.

Dabei hat sich der NPD-Politiker für die Wahlen viel vorgenommen. Nichts weniger als „die Bildung eines rot-roten Kabinetts“ will er verhindern, da die CDU „keine wirklichen Gegner des linken Lagers“ seien. Und auch auf kommunaler Ebene kandidiert Schwerdt – als Bürgermeister in der Landeshauptstadt Erfurt. Für die Kommune verspricht er eine „präventive Ausländerpolitik“. Dabei wähnt er auch von den freien Kräften unterstützt zu werden: „Mit den parteiungebundenen Kräften“, so Schwerdt, „haben wir in Thüringen schon seit Jahren ein entspanntes Verhältnis, so daß auch von der Seite mit Unterstützung zu rechnen ist.“

Auf die Unterstützung eines ehemaligen Weggefährten kann Schwerdt indes nicht mehr bauen. Im Gegenteil: Kai-Uwe Trinkaus ehemaliger Kreisvorsitzender der NPD in Erfurt, der aufgrund parteischädigenden Verhaltens aus der Partei ausgeschlossen worden ist, streut auf der Ex-NPD-Seite Gerüchte, nach denen Schwerdt gar keinen ständigen Wohnsitz in Erfurt haben soll. Demnach hausiere Schwerdt bei Erfurt-Besuchen in einem Hotel. „Warum“, so der Autor des Artikels, „mietet sich ein ,Erfurter‘ im Hotel ein, wenn er doch eine eigene Wohnung in der Stadt besitzt?“

Trinkaus kandidiert übrigens nicht für die Kommunalwahl. Seine NPD-Ersatzverein "Pro-Erfurt" beschloss Anfang Mai nicht zur Stadtratswahl anzutreten. Stattdessen gaben sie einen Wahlaufruf an „alle national denkenden Erfurter Bürgerinnen und Bürgern“ heraus. Die NPD wurde jenen nicht zur Wahl empfohlen.