Thüringische Landeszeitung vom 19.03.2008

Akte beim Staatsanwalt

Weimar. (tlz/bük) Die Meldungen von Opfern rechtsextremer Gewalt haben in Thüringen in den vergangenen Wochen deutlich zugenommen. Gestern schlug die Mobile Beratung in Thüringen (Mobit) Alarm und reiht den Überfall auf die Gerberstraße in der Nacht zum 9. März (TLZ berichtete) in die Vorfälle ein. Die Tat scheint aufgeklärt. Eine 200 Seiten starke Ermittlungsakte der Kripo Weimar liegt bei der Staatsanwaltschaft Erfurt.

"Wir ermitteln gegen elf namentlich bekannte Personen wegen Landfriedensbruchs", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Erfurt, Hannes Grünseisen. Die Tatverdächtigen seien der rechten Szene angehörig. Derzeit gehe seine Behörde davon aus, dass weitaus mehr Personen an dem Angriff beteiligt gewesen seien, weshalb Grünseisen weitere Details aussparte. Dass ein Stunden zuvor verprügelter Neonazi Auslöser des Überfalls war, wollte der Sprecher weder dementieren noch bestätigen. Angeblich sei ein dem rechten Spektrum zuzuordnender junger Mann in der Nähe des Atriums geschlagen worden. Obgleich stark betrunken, verfolgte er die Gruppe, die in Richtung Gerberstraße verschwand - und alarmierte dann über das Handy etwa 20 braune Kameraden. Diese trafen nach 2 Uhr in der Gerberstraße ein, brüllten lautstark Drohungen, rissen schließlich Zaunslatten aus dem Gartenzaun und schlugen später mit Teleskopschlagstöcken und Totschlägern zu.

Angesichts der Vorfälle in Weimar, aber auch in Erfurt ist es verwunderlich, warum die Stadt an einen friedlichen Verlauf der NPD-Demo glaubt und diese offenbar nicht verbietet. Zumal es offenbar Streit in der rechten Szene gibt, da gerade die freien Kameradschaften nicht einverstanden sind mit einem strengen Verhaltenskodex, denn die NPD für ihre Demo aufgestellt hat.

Die Stadt will direkt nach Ostern verkünden, welche Route der NPD sie akzeptiert.