Thüringische Landeszeitung vom 04.08.2008
Ein Etappensieg gegen die NPD
Nun ist es wohl Realität: Das 3. "Fest der Völker", zu dem die NPD Jena einlädt, wird in Altenburg stattfinden. Seit einigen Tagen mobilisieren die Neonazis im Internet für das Treffen, es gibt bereits Redner- und Musiklisten. Zwar ist die Anmeldung des so genannten Festes in Jena noch nicht zurückgezogen. Aber die NPD schreibt selbst: "In Absprache mit den Altenburger Kameraden haben wir uns dazu entschlossen, das ´Fest der Völker 3´ in Jena abzumelden und es in diesem Jahr in Altenburg durchzuführen."
"Das Aktionsbündnis gegen Rechts wertet diese Verlegung des Nazisfestes als einen Erfolg und eine Konsequenz des breiten und erfolgreichen Widerstandes gegen Neonazis in Jena während der letzten Jahre", sagte gestern Michael Ebenau für das Aktionsbündnis. Das Bündnis werde Kontakt aufnehmen nach Altenburg, um dortige Aktivitäten gegen das "Fest der Völker" zu unterstützen.
"Ich halte es für eine Art Etappensieg, wenn die Nazis nun nicht nach Jena kommen, obwohl sie sich vollmundig für zehn Jahre angemeldet hatten", sagte Luise Zimmermann, Sprecherin des Aktionsnetzwerks gegen Rechtsextremismus. Die NPD ziehe sich ganz offenkundig aus Jena zurück, weil die Neonazis Widerstand von allen Seiten spüren. So etwas Ähnliches habe sich schon einmal im vorigen Jahr in Leipzig abgespielt. "Das habe ich mir damals für Jena gewünscht, habe es aber für eine Utopie gehalten." Jetzt habe Jena es geschafft, ein "Fest der Völker" zu verhindern - nicht durch Verbote, sondern durch die vielen Ankündigungen von Leuten, sich diesem Fest entgegenzustellen.
Bürgerbündnis froh über Angebot
Unbedingt müsse es nun Unterstützung für Altenburg geben, wenn es von dort gewünscht wird. "Das müssen mehr als nur Aufrufe sein, es gibt auch schon Kontakte", so Luise Zimmermann. Denn die Jenaer bringen die Erfahrung mit, dass "massenhafter, entschlossener ziviler Ungehorsam wirksamer ist als fröhliches Demokratie-Beschwören". "Bratwurststände gegen Rechts helfen nicht viel", sagte die Sprecherin des Netzwerks.
"Ich habe bei der Angelegenheit sehr gemischte Gefühle", teilte gestern Oberbürgermeister Dr. Albrecht Schröter mit. Natürlich gebe es da eine Erleichterung, denn weil es in Jena "richtig dicken Gegenwind" gebe und deutlich Flagge gegen Rechts gezeigt werde, hätten die Neonazis sich nun einen neuen Ort für ihr "Fest der Völker" gesucht. Aber für Altenburg sei´s natürlich jetzt eine komplizierte Angelegenheit. "Die Neonazis suchen sich jetzt im Hinblick auf die Wahlen im nächsten Jahr Orte und Gegenden, wo sie ein leichteres Spiel vermuten", sagte der OB. Er werde seinem Oberbürgermeister-Kollegen Michael Wolf in Altenburg anbieten, an diesem Tag nach Altenburg zu kommen. "Und ich möchte möglichst viele Jenaer mitbringen." Denn er finde es wichtig, dass auch in Altenburg deutlich Flagge gegen Rechts gezeigt werde.
Die Altenburger haben erst gestern definitiv die Nachricht bekommen, dass das so genannte Fest der Völker in ihrer Stadt geplant ist. "Wir würden die Unterstützung aus Jena gern annehmen", sagte gestern Abend Anne-Kristin Ibrügger vom Bürgerbündnis "Altenburg gegen Rechts". Es gebe bereits Kontakte zum Jenaer Netzwerk. Diese Verbindungen müssten intensiviert werden. Kontakt aufnehmen wolle das Bündnis auch mit dem Jenaer Oberbürgermeister. Denn: "Es wäre schön, wenn der Jenaer Oberbürgermeister am 13. September nach Altenburg kommt." Gegen die Neonazis müsse man gemeinsam etwas unternehmen.