Thüringer Allgemeine vom 08.05.2008

Verbotene Vereine in Thüringen auch aktiv
Einer der gestern bundesweit verbotenen rechtsextremen Vereine traf sich auch in Thüringen. Bekannt sind Tagungen in Mosbach bei Eisenach.

ERFURT/BERLIN. Das seit gestern verbotene "Collegium Humanum" hat sich nach Angaben des Thüringer Innenministeriums im April vorigen Jahres und im Oktober 2005 in Mosbach bei Eisenach zu Veranstaltungen getroffen. 2005 referierte dort unter anderem der wegen Leugnung des Holocaust und Volksverhetzung verurteilte Horst Mahler, der damals Adolf Hitler verherrlicht haben soll. Das Thüringer Innenministerium hatte 2005 nach Angaben der Linkspartei trotz mehrerer Hinweise auf die Propagandaveranstaltung, keine Veranlassung gesehen, zu reagieren. Derartige Zusammenkünfte des rechtslastigen Vereins hatten in Thüringen immer bis zu 60 Teilnehmer. Tagungsort war eine Gaststätte, in der sich regelmäßig Rechtsextremisten getroffen haben.
Das in den 60er Jahren gegründete "Collegium" aus dem nordrhein-westfälischen Vlotho wurde seit längerem vom Verfassungsschutz beobachtet. Es galt als Anlaufstelle von Holocaustleugnern. Gleichzeitig wurde gestern auch dessen Teilorganisation "Bauernhilfe e.V." sowie der "Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust Verfolgten" vom Bundesinnenministerium verboten. Ihnen wird vorgeworfen, gegen die verfassungsmäßige Ordnung einzutreten und systematisch den Judenmord des NS-Regimes zu leugnen. Zum Durchsetzen der Verbotsverfügung durchsuchte die Polizei 30 Objekte der Vereine in Hessen und Nordrhein-Westfalen. Dabei wurden Computer, Schriftverkehr, Kontounterlagen und DVDs sichergestellt. Zu den Ergebnissen der Razzien machten die Ermittler gestern noch keine Angaben. Die Auswertung dauere noch an, hieß es.