Ostthüringer Zeitung vom 24. Oktober 2008

Kampfsport-Events in Gera abgesagt
Antifa warnt vor rechter Szene

Wie politisch ist ein Käfigkampf? Ist es pure Gewalt, ein reines Sport-Event? "Free Fight ist ein Ausdruck unserer gesellschaftlichen Kultur", sagt Uwe Schubert vom mobilen Beratungsdienst gegen Rechtsextremismus Mobit, "und beschreibt in seiner Brutalität eine Atmosphäre, in der ich mich nicht wohlfühle - die aber Rechtsextreme attraktiv finden." Zwei solcher Kampfsportveranstaltungen in Gera für dieses und nächstes Wochenende sind jetzt abgesagt. Der Veranstalter des "1. Käfigkampfes" musste gestern Abend aufgeben.

Hiesige Vereine, die hinter den Free-Fight-Events stehen bzw. dort in den Ring steigen, versuchen sich nicht zum ersten Mal im öffentlichen Auftritt. Bereits im Vorjahr hatte der Fightsport Gera e.V. einen Käfigkampf in der Panndorfhalle angemeldet. Nach der Intervention der Antifaschistischen Aktion Gera und dem Abspringen eingeladener Sportvereine platzte der Termin. Hauptkritik an Fightsport war, dass ein Sponsor aus der rechten Szene stammen sollte. Zwar hat sich der Verein inzwischen vom Unterstützer getrennt, doch ein Link führt immer noch an dessen Adresse. Die Antifa Gera warnt in einem offenen Brief, dass sich hinter den Veranstaltungen "weiterhin Neonazis" verbergen.

"Wir haben mit Rechts nichts zu tun", beharrt Vereinsgründer Jörg Rauschning. Erwähnten Link will er auf Nachfrage löschen. Eine klare Distanzierung sieht freilich anders aus.

Stattfinden sollte der Käfigkampf im Geraer Lokschuppen, den der Verein Geraer Eisenbahnwelten betreibt. "Wir wollten mit der Veranstaltung auf unser Gelände aufmerksam machen", sagt Vereinsvorsitzender Lars Neumann. Pure Blauäugigkeit? Die Deutsche Bahn, für die Genehmigung zuständig, hat die Veranstaltung auf ihrer Immobilie jetzt kurzfristig untersagt.

Frühzeitig habe sich die Stadt Gera von der Veranstaltung distanziert, heißt es auf Nachfrage aus dem Rathaus. Oberbürgermeister Dr. Norbert Vornehm (SPD) habe den Veranstalter aufgefordert, den Käfigkampf abzusagen, weil solche Veranstaltungen Publikum aus der rechten Szene anzögen. Die Stadt unterstütze solche Veranstaltungen in keiner Weise.

Naumann behauptet von einem solch klaren Bekenntnis nichts gewusst zu haben, "da hätten wir alle Vorbereitungen sofort gestoppt". Stattdessen habe der Fachdienst Bauvorhaben eine Reihe bauordnungsrechtlicher Auflagen erteilt. Offensichtlich taten sich Verwaltungsmitarbeiter mit klaren Worten schwer. Noch gestern versuchte ein Hauptsponsor des Fightsport e.V., ausgerechnet über die Stadtverwaltung einen Ausweichort zu finden. Und Baudezernent Ramon Miller (SPD) bestätigt, dass man geprüft habe, ob die städtische Halle Vollersdorfer Straße frei sei. "Das ist sie aber nicht." Der Hausherr hätte aber auch ohne Prüfung die missliebige Veranstaltung ablehnen können.

So wie bei einer Kampfsportveranstaltung des ebenfalls in die Schlagzeilen geratenen Eastfight e.V. am 1. November. Die war im städtischen Kultur- und Kongresszentrum gebucht worden. Durch eine Agentur, die Mitarbeiter nach Recherche mit Eastfight in Verbindung brachten. Ende September habe man daraufhin im gegenseitigen Einvernehmen "von der Veranstaltung Abstand genommen".