Ostthüringer Zeitung vom 17.11.2008
Interner Zwist
führt zu Austrittswelle in NPD
Kreisvorstand Vogtland stellt seine Arbeit ein - Austritte auch in Region Greiz
Der rechtsextremen NPD im Vogtland laufen die Mitglieder davon. Die Plauener Kreisvorsitzende Nicole Fortak sowie der komplette Kreisvorstand haben nach eigenen Angaben ihr Amt niedergelegt und die Partei verlassen. Unter den bisher 13 ausgetretenen NPD"lern befänden sich bereits einige aus der Greizer Region; wie viele Austritte in den kommenden Tagen und Wochen noch folgen werden, sei "im Moment nicht bekannt", heißt es in Mitteilungen, die auf der Homepage des "Schwarzen Orden Vogtland" veröffentlicht wurden, nachdem die Website des NPD-Kreisverbandes Plauen offenbar durch die sächsische Parteiführung blockiert wurde. Bestätigt wurden die Vorgänge indirekt durch den früheren NPD-Generalsekretär Ulrich Eigenfeld, der auf OTZ-Anfrage einräumte, die Entwicklung im Vogtland "schon erwartet" zu haben.
Unmittelbarer Auslöser der Austrittswelle im Vogtland war offenbar eine NPD-Demo am 8. November in Reichenbach, auf der gegen Projekte in der Region mobil gemacht werden sollte, die sich mit dem Rechtsextremismus auseinandersetzen. Einer der Hauptredner war Andreas Naumann, Mitarbeiter in der sächsischen NPD-Landtagsfraktion und mit besten Kontakten zur Kameradschaftsszene von Thüringen und Sachsen ausgestattet. Während Naumann in Reichenbach redete, begleitete der NPD-Abgeordnete Jürgen Gansel nur die Veranstaltung und kritisierte die Anwesenheit der "Autonomen Nationalisten" und Skinheads. In der Partei wird mit Blick auf die anstehenden Wahlen heftig gestritten, ob man weiterhin diese Szene integrieren will.
Einige Tage später eskalierte die Auseinandersetzung zwischen Gansel und Naumann; letzterer soll den Abgeordneten mit Faustschlägen traktiert haben; Naumann wurde daraufhin entlassen. Die Austritte im Vogtland seien daher wohl in erster Linie als spontane Solidarisierung mit Naumann zu verstehen, urteilen Fachleute wie die Thüringer Linke-Fraktionsmitarbeiterin Martina Renner: "Die raufen sich auch schnell wieder zusammen." Renner warnte davor, die derzeitige Erosion der NPD zu optimistisch zu werten. Dies sei zwar ein Rückschlag für deren Wahlchancen, doch die Präsenz rechtsextremer Gruppen wie dem "Schwarzen Orden" oder den "Braunen Teufeln" in und um Greiz bleibe erhalten. Und mit Fortak wie auch dem ebenfalls aus der NPD ausgetretenen Olaf Martin sogar im Plauener Kreistag.
Thomas Liehr, Greizer Vorsitzender der SPD-Jugendorganisation Jusos, indes sieht im Zerbröseln der NPD-Strukturen im Vogtland gerade unter Jüngeren eine große Chance: "Vorausgesetzt natürlich, die demokratischen Kräfte erkennen ihre Gelegenheit."