Ostthüringer Zeitung vom 05.12.2008

Sorge in Rottenbach nach rechten Aktionen
Symbole, Grölereien und Flugblätter - Bürgermeister Volker Stein sucht das Gespräch

In der Einheitsgemeinde Rottenbach wächst die Sorge, dass sich aus ihrem Umfeld nationalistische Aktionen ausbreiten. Mittlerweile sind es nicht nur Hakenkreuze auf dem Radweg an der Bahnlinie oder in einer Bushaltestelle in Rottenbach. Auch Grölereien in Quittelsdorf mit verfassungsfeindlichen Parolen oder Flugblätter, die in Milbitz, Solsdorf und Quittelsdorf in den Briefkästen auftauchten und auf denen unter anderem ein Coupon zu sehen ist, mit dem man sich in der NDP anmelden kann, beunruhigen die Bewohner. Aus Angst wird darüber nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen, sagte ein Rottenbacher, der anonym bleiben will.

Zu den Ereignissen in diesem Jahr sollen im Gemeindegebiet auch Sachbeschädigungen gehört haben, die der extremistischen Szene zuzuordnen sind, so Bürgermeister Volker Stein (CDU). Diesen Tendenzen soll jetzt konsequent begegnet werden.

Dabei beabsichtigt Stein, die Gefahren, die er vom Extremismus ausgehen sieht, in allen gesellschaftlichen Schichten zum Thema zu machen. Im Blick hat er dabei neben dem Gemeinderat die Vereine, die Ansprechpartner sein sollen, um für die Problematik zu sensibilisieren. "Wir scheuen uns nicht vor der Auseinandersetzung", betonte Stein. Dabei will er vermeiden, den Rechten eine große Bühne in der Öffentlichkeit zu geben. Der Gemeinderat habe in der Sitzung am Montag ebenfalls zu erkennen gegeben, dass es Zeit sei, etwas gegen diese extremistischen Aktivitäten zu unternehmen.

Nach Einschätzung des Bürgermeisters sind zwischen zehn und 15 junge Leute dem harten Kern der rechten Szene in der Einheitsgemeinde zuzuordnen. Hinzu kommen diejenigen, die verfassungsfeindliche Äußerungen tolerierten. Es soll Hinweise geben, dass die rechte Szene versucht, ihre Strukturen von der Bundes- und Landesebene auf den kommunalen Bereich auszuweiten.

Stein betonte, dass ein geringer Teil der Menschen das Bild der großen Mehrheit nicht verfälschen dürfte. Umso mehr müsse gegen Extremismus, Fremdenfeindlichkeit und Hass vorgegangen werden. Der Bürgermeister sucht dabei Unterstützung über die Gemeindegrenzen hinaus.

"Hat man zu lange gezögert, das Thema anzugehen?", fragte eine nachdenkliche Stimme in Rottenbach. Im Jahr 2000 soll es bereits vor dem Denkmal für die Opfer der Gefallenen im Ersten Weltkrieg einen NPD-Aufmarsch mit etwa 50 Teilnehmern gegeben haben. Ganz legal.