Ostthüringer Zeitung vom 03.12.2008
Trügerische
Schützenhaus-Ruhe
Politische Ambitionen hat Jürgen Rieger in Thüringen offenbar nicht.
"Ich werde in Thüringen definitiv nicht kandidieren", sagte er
im Hinblick auf das Superwahljahr 2009.Jürgen Rieger will sich "nicht
vertreiben" lassen, mit einer Million Euro aber selber gehen
Nachdem im Sommer nach anderthalbjährigem Rechtsstreit der Coup der Stadt Pößneck geplatzt war, dem Rechtsextremisten Jürgen Rieger das Schützenhaus im Zuge einer Nachtragsliquidation abzunehmen (OTZ berichtete seit 20. März 2007 ausführlich), wurde es ruhig um das Objekt. Das könnte sich bald ändern. Denn der Rechtsanwalt und NPD-Spitzenfunktionär aus Hamburg will sich jetzt selbst darum kümmern, dass im Schützenhaus eine Gaststätte eröffnet werden kann. Das kündigte er gestern auf eine OTZ-Anfrage zur Zukunft des Pößnecker Denkmales an.
Im Pößnecker Rathaus galt die Frage einer Gaststätte im Schützenhaus eigentlich als erledigt. Ein öffentlicher Betrieb im ehemaligen Kreiskulturhaus wurde u. a. auf Grund von Brandschutzmängeln, wie es aus dem Schleizer Landratsamt hieß, versagt. Das hält Rieger - angesichts vielfältiger Nutzungen des Objektes bis zur Übernahme durch die von ihm verwaltete Firma Wilhelm Tietjen Stiftung für Fertilisation Ltd. - für "lächerlich". Er erklärte: "Man wird mich aus Pößneck nicht vertreiben."
Unter Umständen würde er aber freiwillig gehen. Rieger: "Ich habe das Schützenhaus nicht gekauft, um Geschäfte zu machen. Für eine Million Euro würde ich mich aber davon trennen." Im Frühjahr des vergangenen Jahres lagen seine Vorstellungen über den Wert des Objektes noch bei 1,5 Millionen Euro. Erworben hatte er es als "Pößnecker Schlösschen" für 360 000 Euro.
Auch die anstehenden Wahlen könnten für Betrieb im Schützenhaus sorgen. Geschlossene Veranstaltungen mit bis zu 200 Personen sind im Saal offenbar nicht so einfach zu verhindern. "Landesparteitage können dort stattfinden", sagte Rieger. Sollten ihn seine Kameraden von der Thüringer NPD danach fragen, würde er das Schützenhaus zur Verfügung stellen.