NPD tritt 2009
zur Wahl in Thüringen an
"Deutschlandpakt" mit der DVU wird nachverhandelt - Schlammschlacht
um Vorstandsposten
Die NPD wird aller
Voraussicht nach nun doch zu den Thüringer Landtagswahlen im Herbst 2009
kandidieren. Im Gegenzug sei der DVU zugesichert worden, ihr bei dem im Herbst
desselben Jahres stattfindenden Urnengang in Brandenburg den Vortritt zu lassen,
heißt es aus Parteikreisen.
In Brandenburg sitzt die DVU bereits in der zweiten Legislatur hintereinander
im Landtag. Derzeit verfügt sie über sechs Abgeordnetenmandate. Der
2005 zwischen beiden Rechtsparteien geschlossene Deutschlandpakt sah eigentlich
vor, dass die DVU in beiden Ländern antritt. Doch dagegen wächst seit
Monaten der Widerstand bei Teilen der NPD und in der militanten Neonaziszene.
Ihnen ist die DVU unter Führung des Multimillionärs Gerhard Frey nicht
radikal genug. Außerdem verfüge die von München aus gelenkte
Partei in beiden Bundesländern, im Gegensatz zur NPD, kaum über aktive
Mitglieder und handlungsfähige Strukturen.
Bereits Ende April hatte NPD-Chef Udo Voigt, der aufgrund seines Festhaltens
am Deutschlandpakt innerparteilich zunehmend unter Druck geriet, angekündigt,
die Vereinbarung nachverhandeln zu wollen. "Falls die Gegenseite die Änderungen
nicht will, dann wird der Vertrag von uns auch eingehalten", so Voigt noch
vor zwei Wochen gegenüber der Berliner Tageszeitung taz. Ob ihm das jetzige
Entgegenkommen der DVU den nötigen Rückenwind verschafft, um sich
auf dem Bundesparteitag in Bamberg am 24. und 25. Mai gegen mögliche Gegenkandidaten
zu behaupten, wird sich jedoch erst erweisen müssen. Denn weder die märkische
NPD noch der radikale Parteiflügel dürften mit der jetzigen Übereinkunft
zu besänftigen sein. Sie fordern stattdessen auch in Brandenburg ein Ende
der Zusammenarbeit mit der DVU und eine klarere Positionierung der NPD als nationalsozialistische
Bewegungspartei.
In der Thüringer NPD setzt sich derweil die Schlammschlacht konkurrierender
Lager fort. Nachdem Mitte April der Versuch von Bundesvorstandsmitglied Thorsten
Heise missglückte, den langjährigen Landesvorsitzenden Frank Schwerdt
abzulösen, macht nun seit Ende letzter Woche ein Schreiben in der Szene
die Runde, das den stellvertretenden Landesvorsitzenden Patrick Wieschke diverser
Gewalttaten "gegenüber Aktivisten aus dem eigenen Lager" und
der Homosexualität bezichtigt. Der wies die Vorwürfe inzwischen öffentlich
zurück, bat jedoch gleichzeitig um "die Beachtung seiner Privatsphäre".
Der Eisenacher Neonazi Wieschke gilt als enger Vertrauter von Schwerdt.
Der Landesparteitag im April war von der Polizei vorzeitig beendet worden. Deshalb
konnte außer dem Landesvorsitzenden kein Vorstandsmitglied gewählt
werden. Dies soll nun in Kürze nachgeholt werden. Die Urheber des Schreibens,
das mit "Freie Kräfte aus dem Wartburgkreis" unterzeichnet ist,
werden dem Kreis um Heise und den Erfurter NPD-Kreisvorsitzenden Kai-Uwe Trinkaus
zugerechnet. Es endet: "Wir haben genug von Wieschke und hoffen, dass auch
andere Aktivisten ihre Konsequenzen ziehen."
Hintergrund der Auseinandersetzungen sind mögliche Abgeordnetenmandate
nach einer erfolgreichen Teilnahme an der Thüringer Landtagswahl 2009.
Derzeit liegt die NPD im Freistaat bei Umfragen jedoch deutlich unter der 5-Prozent-Hürde.