Neues Deutschland vom 02.06.2008

Saubermann-Fraktion in der NPD setzt sich durch
Thüringen: Parteitag bestätigt bisherigen Vorstand

Bei der Thüringer NPD erhielten am vergangenen Wochenende die militanten Kräfte um Thorsten Heise einen erheblichen Schlag. Der Parteitag bestätigte den bisherigen stellvertretenden Landesvorsitzenden Patrick Wieschke.
Wenig überraschend bestätigte der Parteitag der NPD Thüringen am Wochenende den bisherigen stellvertretenden Landesvorsitzenden Patrick Wieschke im Amt. Gegenkandidat war der den Freien Kameradschaften nahe stehende Thorsten Heise. Im Vorfeld war es zwischen beiden Fraktionen zu einer regelrechten Schlammschlacht gekommen. So kursierten kompromittierende Fotos von Wieschke.
Die Auseinandersetzungen sind Ausdruck des Dilemmas, in dem die NPD steckt: Mit Blick auf anstehende Wahlen präsentiert sie sich bürgernah und demokratisch, gleichzeitig hat sie sich für militante Neonazis geöffnet. Mit Wieschkes Wahlsieg hat sich in Thüringen nun die Saubermann-Fraktion durchgesetzt. Doch weder Wieschke noch der Landesvorsitzende Frank Schwerdt sind in punkto Gewalt unbeschriebene Blätter: Beide sind einschlägig vorbestraft. Abzuwarten bleibt, ob sich nun die radikaleren Heise-Anhänger aus der Parteiarbeit zurückziehen. Im Unterschied zum Parteitag im April, der von der Polizei vorzeitig beendet worden war, und bei dem 99 stimmberechtigte Delegierte anwesend waren, waren es nach NPD-Angaben am Wochenende nur 73.
Derzeit bemühen sich Schwerdt und Wieschke, die Partei nach innen zu befrieden. Unterstützung erhalten sie auch von einigen Freien Kameradschaften, zum Beispiel aus Altenburg oder von den Freien Kräften Südthüringen. In einer Erklärung bezeichnen die vorangegangene Schlammschlacht als von der Antifa und dem Staatsschutz angeheizt. Beim Thüringentag der Nationalen Jugend vor zwei Wochen zeigte man demonstrativ Geschlossenheit. Neben Wieschke und Schwerdt standen auch Vertreter von Kameradschaften und aus der Neonazi-Szene auf der Rednerliste. Teile der Partei drängen allerdings darauf, den Pakt mit der DVU zu kippen, demzufolge in Thüringen die NPD nicht zu den nächsten Landtagswahlen antritt.