Mitteldeutscher Rundfunk vom 19.07.2008

Gera setzt Zeichen gegen Rechtsextremismus

In Gera haben mehrere Hundert Menschen friedlich gegen Neonazis demonstriert. Nach Polizeiangaben kamen zu der Kundgebung auf dem Museumsplatz rund 300 Teilnehmer. Die Stadtverwaltung zählte etwa 500 Demonstranten. Die Kundgebung stand unter dem Motto "Gera bunt, tolerant und weltoffen. Kein Platz für Nazis". Zu der Demonstration und einem ökumenischen Friedensgebet in der Trinitatiskirche hatte ein Bürgerbündnis aufgerufen. Das Bündnis kritisierte, dass die NPD seit 2003 in Gera jährlich Aufmärsche mit Rechtsrockbands und Propagandareden abhalte. Oberbürgermeister Norbert Vornehm sagte, die große Mehrheit der Geraer wende sich entschieden gegen Rassismustendenzen und Ausländerfeindlichkeit. Der Ausgrenzung von Menschen wegen ihrer religiösen Überzeugung oder ihrer Hautfarbe werde mit aller Entschiedenheit begegnet. Rechtes Gedankengut habe in einer modernen und weltoffenen Gesellschaft keinen Platz. Geistliche der beiden großen Kirchen forderten dazu auf, braunem Gedankengut entschlossen entgegenzutreten - auch wenn es sich in scheinbar bürgerlichem Gewand zeige.

NPD-Versammlung

Fast zeitgleich hatten sich rund 750 Neonazis auf dem Platz an der Spielweise versammelt. Laut Polizei kam es bisher nicht zu größeren Zwischenfällen. Die Einsatzzentrale sprach lediglich von rund einem Dutzend Platzverweisen für Teilnehmer der rechten Veranstaltung. Nach Polizeiangaben waren die Teilnehmer aus mehreren Bundesländern, insbesondere aus Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Berlin und Brandenburg angereist. Die NPD, die die Versammlung laut Stadtsprecherin bereits vor einem Jahr angemeldet hatte, hatte rund 900 Teilnehmer erwartet.