Leipziger Volkszeitung vom 19.12.2008

Verbotene Neonazi-Organisation offenbar im Weimarer Raum aktiv

Weimar. Der Verfassungsschutz prüft mögliche Aktivitäten der verbotenen Neonazi-Bewegung „Blood and Honour“ in Thüringen. Dem Radiosender Antenne Thüringer waren Fotos zugespielt worden, auf denen unter anderem Personen bei paramilitärischen Übungen in den Wäldern rund um Weimar zu sehen sein sollen. Auf weiteren Bildern trügen die Personen T-Shirts mit dem Logo der Organisation. Es handele sich bei einigen Männern auf den Fotos „mit großer Wahrscheinlichkeit um Thüringer“, bestätigte ein Sprecher des Verfassungsschutzes den Bericht.

Auf den Fotos würden die teilweise Uniformierten mit Luftdruckwaffen Farbkugeln aufeinander abschießen, hieß es. Das sogenannte Paintball-Mannschaftsspiel ist nur im umzäunten Gelände erlaubt. Ob es sich bei den Menschen auf den Fotos um einschlägig bekannte Personen aus der Szene oder neue Mitglieder handele, wollte der Verfassungsschutz nicht sagen: „Wir gehen Hinweisen auf mögliche neue Aktivitäten nach.“

Die Skinhead-Vereinigung „Blood & Honour“ und ihre Jugendorganisation „White Youth“ sind in Deutschland seit September 2000 verboten. Seit 1995 bestand eine deutsche „Division“ der aus Großbritannien stammenden Bewegung. Seit der Auflösung gab es mehrfach Aktionen der Behörden gegen Anhänger der Gruppe, unter anderem wegen Verdachts der Fortführung einer verbotenen Vereinigung.

Im jüngsten Thüringer Verfassungsschutzbericht heißt es, die Bemühungen, frühere Organisationsstrukturen aufrechtzuerhalten, seien „nur noch rudimentär vorhanden“. Allerdings gebe es noch persönliche Kontakte zwischen einigen ehemaligen Mitgliedern. Personen aus dem früheren Umfeld der Bewegung seien an der Organisation von rechtsextremistischen Konzerten beteiligt gewesen. Der Schriftzug „Blood & Honour“ habe außerdem vor allem bei „jüngeren Rechtsextremisten eine gewisse Werbewirkung“.

Die Landtags-Fraktion Die Linke forderte in einer Mitteilung den Verfassungsschutz auf, die Öffentlichkeit zeitnah über die Ergebnisse der Ermittlungen zu informieren. Spätestens seit Ende August hätten die Behörden Anhaltspunkte gehabt, dass die Organisation in Deutschland weiter existiere, sagte die Abgeordnete Sabine Berninger laut Mitteilung. Linke Aktivisten hatten damals behauptet, Datenbanken des international genutzten Online-Forums von „Blood and Honour“ gehackt zu haben. Sie stellten Daten ins Netz, die unter anderem rund 240 000 Forenbeiträge sowie gespeicherte IP- Adressen enthalten haben sollen. Unter den Nutzern sollen auch rund 500 deutsche Neonazis gewesen sein.