Jeder achte
Thüringer stimmt Vorurteilen gegen Juden zu
Nossen: Ich kenne Zahlen, die liegen deutlich höher
Jeder achte Thüringer hat laut einer Studie Vorurteile gegen Juden. Demnach teilten im Freistaat 12,9 Prozent antisemitische Positionen, ergab eine gestern in Berlin vorgestellte Erhebung der Universität Leipzig zu rechtsextremistischen Einstellungen. Im Vergleich der Bundesländer sind dabei im Freistaat antijüdische Tendenzen relativ verbreitet. Nur in Bayern (16,6 Prozent) und in Baden-Württemberg (13,3 Prozent) habe der Anteil noch höher gelegen. Am geringsten waren antisemitische Stimmungen in Brandenburg (1,1 Prozent) und im Saarland (1,5 Prozent).
Der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen, Wolfgang Nossen, zeigte sich gestern vom Ergebnis der Studie wenig überrascht. Ich kenne Zahlen, die liegen deutlich höher um die 25 Prozent, sagte Nossen. Die Ursache für die deutlichen Unterschiede zwischen den Bundesländern, was antisemitische Positionen betrifft, vermutet der Vorsitzende der Landesgemeinde in den Schulen. Ich kritisiere seit Jahren, dass die Aufarbeitung der NS-Zeit an den Thüringer Schulen zu wünschen übrig lässt.
Laut Studie nimmt die Zustimmung zu antisemitischen Positionen mit höherem Bildungsgrad ab. Auch sei ein Zusammenhang mit dem Erwerbsstatus zu beobachten: Arbeitslose und Ruheständler seien am stärksten rechtsextrem eingestellt.
Im Bundesdurchschnitt waren fast 18 Prozent der Befragten der Ansicht, dass der Einfluss von Juden auch heute noch zu groß sei. Knapp 15 Prozent stimmten der These zu, Juden arbeiteten für ihre Ziele mehr als andere mit üblen Tricks. Fast eben so viele meinten, Juden hätten etwas Besonderes und Eigentümliches an sich und passen nicht so recht zu uns.
Wie die Untersuchung im Auftrag der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung weiter ergab, finden rechtsextreme Positionen in breiten Bevölkerungsgruppen weiter viel Rückhalt. 15 Prozent seien chauvinistisch, also aggressiv nationalistisch, eingestellt, gut ein Fünftel ausländerfeindlich.